Im Zentrum von St.Gallen gilt seit November 2024 ein einheitlicher Parktarif. Damit will die Stadt den Suchverkehr nach günstigeren Parkplätzen reduzieren und für klare Verhältnisse sorgen. Auch private Parkgaragen müssen sich grundsätzlich an dieses System halten und dürfen die Preise nicht unterbieten – zumindest in der Theorie, wie das «Tagblatt» schreibt. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild.
Seit der Eröffnung des Parkhauses Central im März letzten Jahres ist diese Ordnung gestört. Dort kostet die erste Stunde zwar 2 Franken, danach wird das Parkieren jedoch günstiger. Das widerspricht den Vorgaben aus der Baubewilligung von 2016. Darin ist klar festgehalten, dass die Tarife nicht unter jenen der umliegenden Parkhäuser oder öffentlichen Parkplätze liegen dürfen – also bei 2 Franken pro Stunde. «Sie halten sich klar nicht an die Auflagen, damit ist der Tarif rechtswidrig», sagte der Präsident des Parkleitsystems.
Einigung konnte nicht erzielt werden
Auch die Stadt beurteilt die Situation kritisch. Das Amt für Baubewilligungen suchte bereits vor und nach der Eröffnung das Gespräch mit den Betreibern des Parkhauses Central. Eine Einigung konnte bisher jedoch nicht erzielt werden. Gleichzeitig hat sich die Tariflandschaft weiter auseinanderentwickelt und sorgt für immer mehr Unübersichtlichkeit.
Heute zahlen Autofahrer je nach Standort unterschiedliche Preise. Im Brühltor oder Burggraben kostet das Parkieren 2 Franken pro Stunde, im Parkhaus Bahnhof unter der Fachhochschule 2.60 Franken und im Rathaus 2.40 Franken. Im Neumarkt gilt wiederum ein anderes System: Die ersten beiden Halbstunden kosten 1.50 Franken, ab der zweiten Stunde werden 2 Franken pro 40 Minuten fällig. Dieses Nebeneinander verschiedener Modelle führt zu einem eigentlichen Gebühren-Wirrwarr.
Eine schnelle Lösung ist nicht absehbar. Die Stadt prüft seit Monaten rechtliche Schritte gegen das Parkhaus Central, um die Auflagen aus der Baubewilligung durchzusetzen. Wann diese Schritte konkret eingeleitet werden und wie sie aussehen könnten, ist allerdings noch offen.
Wilder Flickenteppich
Die uneinheitlichen Preise sorgen auch politisch für Kritik. Eine Parlamentarierin spricht gegenüber des «Tagblatt» von «ein wilder Flickenteppich mit unterschiedlichen Stundenansätzen, Tag- und Nachtzeiten, Abrechnungsintervallen und Gratiszeiten». Das führe nicht nur zu Verwirrung bei den Verkehrsteilnehmenden, sondern auch zu mehr Suchverkehr und gegenseitiger Preisunterbietung. «Letzteres gibt weitere Anreize, mit dem Auto in die Stadt zu pendeln und dadurch die bereits vollen Strassen weiter zu belasten», schreibt sie.
Die Diskussion um Parkplätze und Gebühren beschäftigt St.Gallen seit Jahren. Frühere Versuche, die Situation zu ordnen, scheiterten politisch – etwa ein Konsens aus dem Jahr 2010 mit maximal 4544 Parkplätzen. Nun könnte das Thema erneut an die Urne kommen: Eine Initiative fordert, die Gebühren um rund 40 bis 60 Prozent zu senken und gewisse Zeiten ganz gratis zu machen, etwa sonntags oder nachts von 19 bis 7 Uhr.
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