Langer Leidensweg Junge Frau verliert Bein – IV will passende Prothese nicht zahlen

Andreas Fischer

26.1.2026

Wer ein Bein verloren hat, ist auf ein sichere und schmerzfrei zu tragende Prothese angewiesen. 
Wer ein Bein verloren hat, ist auf ein sichere und schmerzfrei zu tragende Prothese angewiesen. 
KEYSTONE (Symbolbild)

Die IV weigert sich, das passende Modell zu bezahlen: Eine junge Frau verliert ihr Bein – und kämpft danach fast drei Jahre für eine Prothese. Der Fall zeigt, wie strikt Kosten vor Lebensqualität gestellt werden.

Andreas Fischer

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  • Nach einer langen Leidensgeschichte mitsamt einer Unterschenkelamputation kämpft eine 31-jährige Frau seit fast drei Jahren mit der IV um die Finanzierung einer geeigneten Prothese.
  • Die zuständige IV-Stelle Obwalden lehnt ein empfohlenes Modell ab: Es sei zu teuer und gilt als «einfach und zweckmässig».
  • Die Frau musste ihre Prothese schliesslich selbst bezahlen: Sie erfuhr grosse Unterstütztung bei einer Crowdfunding-Aktion.

Wer in der Schweiz zur Invalidin wird, sollte sich eigentlich darauf verlassen können, von der IV bestmöglich versorgt zu werden. Doch dem ist nicht immer so, wie ein Fall zeigt, über den der «Beobachter» berichtet.

Es geht um eine heute 31-jährige Frau. Sie war stets sportlich, zog sich aber 2015 mit 21 Jahren eine Verletzung am Kreuzband zu, die nicht heilen wollte. Der Schmerz verschlimmerte sich beständig, sei irgendwann «wie ein Messer im Bein» gewesen. Anfang 2023 schliesslich musste der rechte Unterschenkel amputiert werden.

Seit fast drei Jahren kämpft die Frau darum, die für sie richtige Beinprothese finanziert zu bekommen. Doch die zuständige IV Obwalden blockt laut «Beobachter» bisher ab.

IV zahlt nur für «einfache und zweckmässige» Hilfsmittel

Spezialisten hatten der Patientin eine Hightech-Prothese empfohlen. Beim Test fühlte sich die Frau sicher und empfand weniger Schmerzen. Und: Die Sozialarbeiterin könnte damit Rückwärtslaufen, Schwimmen und Velofahren.

Die IV-Stelle allerdings will die hohen Kosten von etwa 60’000 Franken nicht übernehmen, stattdessen lediglich ein halb so teures Modell finanzieren. Gemäss Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) sei die Hightech-Prothese nicht «einfach und zweckmässig» für eine Tätigkeit als Sozialarbeiterin.

Dieses Kriterium sei aber ausschlaggebend. Versicherte Personen, so heisst es in einem Schreiben aus dem Jahr 2006, hätten «keinen Anspruch auf die im Einzelfall bestmögliche Versorgung».

Bei der Patientin stösst die Begründung auf Unverständnis. Ihr gehe es nicht um «bestmögliche Versorgung», sondern darum, «weniger Schmerzen und mehr Sicherheit» zu haben, wie sie dem «Beobachter» sagte.

Mittlerweile sei sie frustriert und wütend: «Die Schweiz spricht von Inklusion, aber die IV bezahlt nur das Nötigste». Rückendeckung kommt vom Verband Promembro, der sich um die Interessen von Arm- und Beinprothesenträgern kümmert: «Die IV unterstellt Betroffenen, dass sie einen Ferrari unter den Prothesen möchten, dabei wollen sie nicht das neueste Modell, sondern eines, das ihnen passt und keine Schmerzen bereitet», wird Thomas Raaflaub, Sekretär Deutschschweiz, zitiert.

Betroffene von Solidarität überwältigt

Bei der IV-Stelle Obwalden wollte man sich zum konkreten Fall nicht äussern. Dort hiess es lediglich: Die IV möchte, dass «Versicherte erwerbstätig bleiben oder ihre Fähigkeit zur Arbeit verbessern».

Dass die hohen Preise für die Prothesen ein Problem sind, erkennt Thomas Raaflaub von Promebro an. Der Grund dafür seien Quasi-Monopolstellungen weniger Anbieter, die deswegen kaum Preisdruck verspüren.

Die betroffene Frau hat in der Zwischenzeit eine Möglichkeit gefunden, ihre Prothese zu finanzieren. Über ein Crowdfunding-Aktion kam sogar mehr Geld als benötigt zusammen. Die grosse Solidarität habe sie überwältigt.

Nun wolle sie mit einer Freundin einen «Verein für Menschen ohne Normkörper gründen», berichtet der «Beobachter». Das Ziel sei einerseits, Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zusammenzubringen und andererseits die Politik auf das Problem aufmerksam zu machen.

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