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Pfarrer haben auch die Möglichkeit, ihren Dienst als Armeeseelsorger zu leisten.
Keystone
Die Schweiz hat die Militärdienst-Befreiung für Geistliche aufgehoben. Das führt bei verschiedenen Kirchenorganisationen zu Kritik. Gleichzeitig fordern sie mehr Spielraum für individuelle Lösungen.
Seit dem 1. Juni sind Pfarrer, Priester, Seelsorger und andere Geistliche in der Schweiz nicht mehr grundsätzlich vom Militärdienst befreit. Das Parlament hat die bisherige Ausnahmeregelung auf Vorschlag des Bundesrats aus dem Militärgesetz gestrichen.
Das Verteidigungsdepartement (VBS) begründet den Entscheid damit, dass Geistliche angesichts der fortschreitenden Säkularisierung nicht mehr als «unentbehrliche Tätigkeit für das Aufrechterhalten des gesellschaftlichen Lebens» gelten.
Für Kritik sorgt vor allem das Vorgehen des Bundes, berichtet die «Aargauer Zeitung». Die Kirchen seien weder informiert noch konsultiert worden. «Wir wurden auf dem falschen Fuss erwischt», wird Maurice Greder von der Schweizer Bischofskonferenz zitiert. Auch die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz bedauert den fehlenden Einbezug, während der Freikirchen-Verband das Vorgehen als keinen «sauberen Gesetzgebungsprozess» bezeichnet.
Das VBS verteidigt den Verzicht auf eine Anhörung. Nur sehr wenige Armeeangehörige seien von der Änderung betroffen, zudem hätte eine grosse Zahl unterschiedlicher Religionsgemeinschaften einbezogen werden müssen.
Nach Einschätzung des Freikirchen-Dachverbands müssen nun rund 20 Pfarrer wieder Militärdienst leisten. Die Kirchen zeigen zwar Verständnis für die Abschaffung der Sonderregel, wünschen sich aber flexible Lösungen. «Auch Geistliche sind Bürgerinnen und Bürger dieses Landes», sagt Stephan Jütte von der Evangelisch-reformierten Kirche zur «AZ». Wichtig sei, dass bei seelsorgerischen Verpflichtungen individuelle Lösungen wie Dienstverschiebungen möglich bleiben.
Von der Gesetzesänderung betroffen ist auch der Basler Jugendpfarrer Simeon Bürki. Der 30-Jährige war vor zwei Jahren wegen seiner Anstellung vom Militärdienst befreit worden und hatte seine Ausrüstung bereits abgegeben. Nun muss er Ende Jahr erneut in den Wiederholungskurs einrücken.
«Hätte ich gewusst, dass ich weiter ins Militär muss, hätte ich die Diensttage absolviert, als das für mich noch einfacher zu organisieren war», sagt Bürki zur «AZ». Kurz vor dem neuen Aufgebot war er zum zweiten Mal Vater geworden.