Pflicht für Corona-Tests im Gesundheitswesen umstritten

jc, sda

29.7.2021 - 14:03

The physician Florence Joye takes a swab from a colleague, who was exposed to a family member who tested positive to coronavirus, during a media presentation of the safety checks, in her office at the Chene Medical Centre during the coronavirus disease (COVID-19) outbreak in Thierrens, Switzerland, April 3, 2020. (KEYSTONE/POOL REUTERS/Denis Balibouse)
Kolleginnen testen sich in einem Schweizer Spital auf das Coronavirus. (Archiv)
Bild: Keystone

Die Kantone halten wenig von der Idee des Bundesrats, eine Testpflicht fürs Gesundheitspersonal einzuführen. Der Spitalverband H+ und die Spitex zeigen sich dagegen offen, vorausgesetzt die Finanzierung ist geklärt und es gibt schweizweit eine einheitliche Regelung.  

jc, sda

29.7.2021 - 14:03

Während die Kantone im Moment gegen ein Obligatorium für Corona-Tests beim nicht geimpften und nicht genesenen Gesundheitspersonal sind, sperren sich die Spitex und der Spitalverband H+ nicht gegen eine allfällige Pflicht. Eine solche würde aber einen höheren Aufwand bedeuten, der über die heutigen Tarife nicht abgegolten wäre.

Die Finanzierung dieser «zusätzlichen Aufgaben» müsse daher vorgängig geklärt werden, schrieb H+ am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Das gelte auch für den Fall, dass bei Besucherinnen und Besuchern in Spitälern und Kliniken künftig das Covid-Zertifikat kontrolliert oder Antigen-Tests durchgeführt werden müssten.

Auch die Spitex befürwortet eine Test-Pflicht, teilte die Organisation auf Anfrage mit. Es gebe bereits Spitex-Organisationen, die ihr nicht geimpftes Personal repetitiv testen, zum Beispiel im Kanton Graubünden. Es liege nun im Ermessen der Kantone, entsprechende Vorgaben zu erlassen. Als Dachverband würden die Spitex eine schweizweit einheitliche Regelung begrüssen.

Kantone zurückhaltend

Die Kantone jedoch sind gegenüber «einer harten rechtlichen und durchsetzbaren Verpflichtung» zu Tests «im Moment» zurückhaltend, wie die Konferenz der Gesundheitsdirektionen (GDK) auf Anfrage schrieb. Der Druck solle jetzt nicht auf einzelne Mitarbeitende erhöht werden, sagte GDK-Präsident Lukas Engelberger dazu im Schweizer Radio SRF.

Das nicht geimpfte und nicht genesene Gesundheitspersonal sollte sich aber regelmässig testen lassen, schrieb die GDK. Sie sieht es in der Pflicht der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, dass sie regelmässige Tests vorsehen und anbieten – auch und besonders in Pflegeheimen.

Zudem will die GDK vor allem weiterhin auf die freiwillige Impfung setzen, da diese den Schutz im Gesundheitswesen am besten sichere. Die nicht geimpften Menschen sollen mit dem Argument der positiven Nutzen-Risiko-Analyse für eine Impfung gewonnen werden.

Bundesrat Berset empfiehlt «dringend» eine Testpflicht

Gesundheitsminister Alain Berset empfahl den Kantonen in einem Telefonat mit den Kantonsvertretern «dringend», eine solche Testpflicht und Zertifikats-Pflicht in Spitälern, Pflegeheimen, Betreuungseinrichtungen und Spitex-Organisationen einzuführen. Die Kantone sollen aber in ihrer Eigenkompetenz in den kommenden Wochen Massnahmen ergreifen, um vor allem Kinder, Jugendliche und besonders gefährdete Personen zu schützen.



Zudem sollen sie die Impfkampagnen weiter vorantreiben und den Zugang zu den Wirkstoffen «so einfach wie möglich» gestalten, hiess es. Sowohl die GDK als auch H+ sind der Meinung, dass die Impfquote im Gesundheitswesen schon relativ weit fortgeschritten sei.

Gemäss der GDK sei die Impfbereitschaft viel höher als bei der Grippe-Impfung – vor allem bei jenen, die in direktem Kontakt mit Covid-19-Patienten beziehungsweise potenziellen Covid-19-Patientinnen und -Patienten stehen, schrieb H+.

Der Bund gab am Mittwoch bekannt, dass er wegen der aktuellen epidemiologischen Lage die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus weder verschärfe noch lockere.

jc, sda