Neue Turbulenzen in Pieterlen BELehrer kritisiert Schule und wird fristlos entlassen
Sven Ziegler
27.11.2025
Der Schule Pieterlen BE laufen die Lehrer davon.
Screenshot Google Maps
In der Schule Pieterlen BE herrscht erneut Unruhe: Ein 61-jähriger Klassenlehrer musste diese Woche innert Stunden sein Pult räumen. Der Grund: kritische Aussagen über die Schulführung.
In der Schule Pieterlen BE kommt keine Ruhe ein. Nur wenige Wochen nach neuen Diskussionen um Führungswechsel und Abgänge ist nun ein weiterer Konflikt öffentlich geworden: Ein 61-jähriger Klassenlehrer wurde am Dienstag fristlos freigestellt – nur Stunden, nachdem er zu einem Gespräch einbestellt worden war.
Der Lehrer war erst im Sommer an die Schule gekommen, um nach mehreren Kündigungen Stabilität zu bringen. Doch bereits Ende Oktober hatte er sich gegenüber Radio Canal 3 und dem «Bieler Tagblatt» kritisch über die Atmosphäre im Schulhaus und über die aktuelle Führung geäussert. In der Schule stimme «nicht alles», sagte er damals – «öpis chroset».
Diese Aussagen haben nun Konsequenzen. Laut Informationen des «Bieler Tagblatts» wurde der Lehrer angewiesen, sein Schulzimmer sofort zu räumen und das Gebäude umgehend zu verlassen. Eine Verabschiedung von seiner 6. Klasse sei ihm untersagt worden. Die Gemeinde bestätigte gegenüber der Zeitung weder Gründe noch Umstände: «Zu diesem Fall nehmen wir keine Stellung», sagte der zuständige Bildungsgemeinderat Philip Reid.
Besonders heikel ist der Zeitpunkt. Die betroffene Klasse befindet sich mitten in den Vorbereitungen für den Übertritt in die Oberstufe, inklusive Standortgesprächen. Der Lehrer galt als engagiert und erfahren. Alain Pichard, Bieler Lehrer und langjähriger Kollege, zeigt sich gegenüber der Zeitung schockiert: «Das trifft die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern hart.»
Bildungsdirektion äussert sich nicht zum Fall
Für die Klasse hat die Schule nun ein ungewöhnliches Duo eingesetzt: Zwei Geschwister übernehmen gemeinsam den Unterricht – eines davon befindet sich noch in der Ausbildung. Die Eltern wurden darüber bereits informiert.
Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Turbulenzen. In Pieterlen waren zuletzt immer wieder Schulleitende und Lehrpersonen gegangen, teilweise abrupt. Im Frühling war eine Schulleiterin per sofort zurückgetreten, kurze Zeit später folgte eine Massenkündigung unter Lehrpersonen. Eine Taskforce musste damals gewährleisten, dass alle Kinder überhaupt in der Gemeinde bleiben konnten.
Auch die Bildungsdirektion Bern äussert sich zum aktuellen Fall nicht – sie verweist lediglich darauf, dass Gemeinden die Anstellungsbehörde seien und Arbeitsverhältnisse beidseitig fristlos gekündigt werden können, wenn wichtige Gründe vorliegen.
Dass nun erneut eine Klasse mitten im Schuljahr ihren Lehrer verliert, sorgt im Dorf jedoch für neue Fragen. Und für viele Eltern für die gleiche Ernüchterung wie schon im Frühling: Was ist eigentlich los an der Schule Pieterlen?