Kantonale Wahlen

Politologe: Verluste der SP sind Nachwirkungen der «grünen Welle»

sda

29.3.2022 - 05:30

Die SP hat jüngst in kantonalen Wahlen massiv Sitze verloren. SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer macht sich noch keine Sorgen. Für den Politologen Michael Hermann decken die Wahlen in Bern und Zürich Probleme der Polparteien auf.

sda

29.3.2022 - 05:30

Die Gewinne der Grünen seien längst nicht mehr so berauschend wie noch 2019, als sie bei den nationalen Wahlen sagenhafte 6,1 Prozentpunkte hinzugewonnen hätten, sagte Hermann in einem Interview mit den CH-Media-Zeitungen (Dienstagausgabe).

Die Grünen als Partner der SP im linken Lager machten die Verluste der SP nicht vollständig wett. Das müsste die SP-Spitze eigentlich aufschrecken. Die Gründe für das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten lägen tiefer.

SP in 2010-er Jahren steckengeblieben

Die Kräfte, die keinen «linkslinken» Kurs fahren würden, hätten sich parteiintern weitgehend abgemeldet. Das Co-Präsidium aus Cédric Wermuth und Mattea Meyer verkörpere die heutige Aufstellung de SP perfekt. Anders als andere sozialdemokratische Parteien in Europa stecke die SP mit ihrem Linksaussenprofil noch in den 2010-Jahren.

Laut Meyer sind die Sitzverluste schmerzlich. Sie wolle aber nach vorne schauen – und das stimme sie optimistisch. Die SP habe im Alleingang die Abschaffung der Stempelsteuer verhindert, sagte Meyer in einem Interview mit dem «Blick».

Und die Partei habe breit abgestützt die Kita-Initiative lanciert, damit sich alle eine gute ausserfamiliäre Kinderbetreuung leisten könnten. «Und mit der Klimafonds-Initiative zeigen wir, wie wir unser Land unabhängig machen von Erdgas und Erdöl», sagte Meyer.

SVP schreckt eigene Wählerbasis ab

Dass auch die SVP Wähleranteile verliert, liegt laut Hermann daran, dass die Partei für viele Personen im bürgerlichen Lager derzeit offenbar nicht wählbar sei. Das habe damit zu tun, dass ihre scharfe Oppositionsrhetorik das bürgerliche Milieu abschrecke.

Auch fehle der Partei das Thema, mit dem sie ausserhalb ihrer Kernwählerschaft Emotionen wecken könne. Mit ihrer strikten Auslegung der Neutralität bis hin zum Putin-Verständnis vermöge die SVP nicht einmal die eigene Basis voll zu überzeugen – geschweige denn ihren gesellschaftlichen Appeal zu stärken.

SDA, smi

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