6 Tote und 5 VerletztePostauto-Brand in Kerzers – was wir wissen und was nicht
Noemi Hüsser
11.3.2026
Postauto-Brand in Kerzers
Bei einem Brand in einem Postauto in Kerzers FR sind am Dienstagabend sechs Menschen gestorben. Die Ermittlungen zur Ursache laufen.
11.03.2026
Bei einem Brand in einem Postauto in Kerzers FR sind am Dienstagabend sechs Menschen gestorben. Die Ermittlungen zur Ursache laufen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Sechs Menschen kamen ums Leben, vier Passagiere und ein Rettungssanitäter wurden verletzt, drei davon schwer.
Die Polizei vermutet derzeit eine mutwillige Brandstiftung und prüft Berichte, wonach sich eine Person mit Benzin übergossen und angezündet haben könnte.
Am Dienstagabend ist an der Murtenstrasse in Kerzers FR ein Postauto in Brand geraten. Die Meldung ging um 18.25 Uhr bei der Kantonspolizei Freiburg ein. Laut Polizei war das Postauto von Düdingen nach Kerzers unterwegs.
Die Polizei geht davon aus, dass der Brand durch eine Person mutwillig verursacht worden ist. Gemäss ersten Erkenntnissen sei ein Mann um 17.45 Uhr mit Säcken in der Hand in den Bus eingestiegen, habe sich mit entflammbarer Flüssigkeit überschüttet und angezündet. Laut Zeugen habe er sich schon «eigenartig» verhalten, bevor er in das Postauto eingestiegen sei.
Als die Rettungskräfte vor Ort eintrafen, habe das Fahrzeug bereits vollständig in Flammen gestanden. «Passagiere stiegen brennend aus dem Bus», sagte Kommandant der Kantonspolizei Freiburg Philippe Allain am Mittwochnachmittag an einer Medienkonferenz. Im Inneren des Busses hätten die Einsatzkräfte verstorbene Personen vorgefunden.
Das Postauto ist völlig ausgebrannt.
sda
In den sozialen Medien kursierten Videos des ausbrennenden Postautos. Auch Bilder vom Dienstagabend zeigten das völlig ausgebrannte Postauto am Brandort.
Feuerwehren aus Kerzers und Murten, mehrere Ambulanzen sowie ein Rega-Helikopter standen im Einsatz. Ein Sicherheitsbereich wurde eingerichtet, und ein Careteam betreute Angehörige und Zeugen.
Wie viele Tote und Verletzte gibt es?
Sechs Menschen sind ums Leben gekommen. Vier weitere Passagiere und ein Rettungssanitäter wurden verletzt. Zwei waren leicht verletzt, drei sind schwer verletzt in der Nacht in Spitäler eingeliefert worden. Manuela Spicher, Leiterin der Sanitätszentrale 144 Freiburg-Jura, sagte an der Medienkonferenz am Mittwochnachmittag, dass einer der Verletzten das Spital schon wieder verlassen konnte.
Am Mittwochabend waren alle Todesopfer und Verletzten identifiziert. Das jüngste Opfer war erst 16 Jahre alt. Radio Energy gab am Mittwochnachmittag bekannt, dass sich eine 26-jährige Moderatorin von Energy Bern unter den Opfern befand. Ausserdem starben der 65 jährige mutmassliche Brandstifter, der 65-jährige Busfahrer, eine 39-jährige Frau sowie ein 29 Jahre alter Mann.
Was ist zum mutmasslichen Täter bekannt?
Freiburger Generalstaatsanwalt Raphaël Bourquin beschreibt den mutmasslichen Täter in der Medienkonferenz vom Mittwochnachmittag als Person, die «am Rand der Gesellschaft» gestanden habe. Es gebe aber keine Hinweise auf einen terroristischen Akt.
«Er war randständig und litt an psychischen Störungen», so Bourquin weiter. «Er war den Behörden aber eher medizinisch als strafrechtlich bekannt.»
Der Mann war 65 Jahre alt und hat im Kanton Bern gelebt. Von seiner Familie sei er als vermisst gemeldet worden. Auch das Spital, in dem er sich aufhielt, meldete ihn als seit Dienstagmittag als vermisst. Die Polizei versuchte schliesslich erfolglos, ihn ausfindig zu machen. «Es wurden umgehend Ermittlungen eingeleitet und Suchmassnahmen ergriffen, aber am Nachmittag war die Person immer noch nicht gefunden worden und es gab keine konkreten Hinweise darauf, wo sie sich aufhielt», erklärte ein Sprecher gegenüber RTS.
Freiburger Generalstaatsanwalt Raphaël Bourquin über den mutmasslichen Täter
Ein Postauto ist am Dienstagabend im Zentrum von Kerzers FR in Flammen aufgegangen. Es gibt sechs Tote und fünf Verletzte. Nach ersten Ermittlungen hat ein Mann vorsätzlich gehandelt und sich selbst angezündet. Alle Entwicklungen im Ticker.
11.03.2026
Was berichten Augenzeugen?
Augenzeugen berichteten gegenüber mehreren Medien von meterhohen Flammen, die aus dem Postauto schossen. «Was ich sah, war schockierend», erzählte ein Garagist, dessen Garage unweit des Brandorts liegt, gegenüber dem «Blick».
Auch ein Imbisswagen-Besitzer beobachtete den Brand. «Ich rannte sofort zum Postauto, um zu helfen. Eine Frau kam mir brennend entgegen. Ich holte sofort einen Feuerlöscher bei mir im Lager, aber die Flammen waren zu gross», sagte er gegenüber «20 Minuten». Zu SRF sagte er: «Es ging so schnell, vielleicht eine Minute, dann war alles voller Flammen.»
Auch zu SRF sagte eine Anwohnerin: «Ich hörte laute Schreie, und als ich aus dem Fenster hinausschaute, sah ich nur Nebel und den brennenden Bus.»
Der Bundespräsident Guy Parmelin äusserte sich am Dienstagabend: «Es bestürzt mich und macht traurig, dass wiederum Menschen in der Schweiz bei einem schweren Brand ums Leben gekommen sind», schrieb er und drückte den Angehörigen der Verstorbenen sein Beileid aus.
Es bestürzt mich und macht traurig, dass wiederum Menschen in der CH bei einem schweren Brand ums Leben gekommen sind. Die Hintergründe werden geklärt. Den Angehörigen der Verstorbenen von Kerzers spreche ich mein Beileid aus. Und ich denke an die Verletzten & die Rettungskräfte.
Die Post teilte am Mittwochmorgen mit, der Brand in Kerzers sei eine schreckliche Tragödie. Alle Mitarbeitenden von Postauto und der Post seien schockiert und betroffen. In der Mitteilung sprach Stefan Regli, CEO Postauto und Mitglied der Konzernleitung, im Namen des Verwaltungsrates und der gesamten Konzernleitung allen sein tief empfundenes Beileid aus. «Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen», hiess es weiter.
Der Nationalrat hat am Mittwoch zum Start in den Sessionstag der Opfer des Brandes in einem Postauto in Kerzers FR gedacht. Die Ratsmitglieder erhoben sich für eine Schweigeminute. «Mit grosser Bestürzung haben wir vom Brand eines Postautos in Kerzers im Kanton Freiburg erfahren. Dieses tragische Ereignis erschüttert nicht nur eine Region, einen Kanton, sondern weit darüber hinaus», sagte der Freiburger Nationalratspräsident Pierre-André Page (SVP) vor dem Start der Debatte.
Votum Page Pierre-André 371019
11.03.2026
Im Ständerat sprach Präsident Stefan Engler (Mitte) von einem unbegreiflichen Brandereignis. «Nicht schon wieder», eröffnete er. «Wie aus dem Nichts nimmt eine alltägliche Situation eine unvorstellbare Wende, vielleicht auf dem Heimweg von der Arbeit oder von der Schule.»
Auch der Freiburger Staatsrat hat den Familien und Angehörigen der Opfer sein tiefstes Beileid ausgesprochen. Die Anteilnahme der Freiburger Kantonsregierung richte sich auch an alle anderen Personen, die von diesem Ereignis betroffen seien, schrieb die Regierung in der Nacht auf Mittwoch in einer Mitteilung.
Die Gemeindebehörden von Kerzers bekundeten auf der Internetseite der Gemeinde ihre Betroffenheit mit den Familien und Angehörigen der Opfer. «Wir sind in Gedanken mit allen Personen, die vom Ereignis betroffen sind», heisst es in dem kurzen Statement.
Der italienische Aussenminister Antonio Tajani hat der Schweiz sein Beileid bekundet. Italien stehe der Schweiz nahe, schrieb Tajani in einer Nachricht auf dem sozialen Netzwerk X. «In diesem Moment der Trauer sind meine Gedanken bei den Menschen, die ihr Leben verloren haben, und ihren Familien», schrieb Tajani weiter. Der Minister wünschte den Verletzten gute Genesung.
Esprimo il più profondo cordoglio per il tragico incidente di Kerzers nel Cantone Friburgo: l’Italia è vicina alla Svizzera. In questo momento di dolore il mio pensiero va alle persone che hanno perso la vita e alle loro famiglie. Auguro ai feriti che possano riprendersi presto e…
Die betroffene Strasse ist am Mittwochmorgen wieder für den Verkehr freigegeben worden. Das Postauto war weggeräumt. Im Ortszentrum ist ein weisses Zelt aufgestellt worden und es liegt ein Kondolenzbuch auf. In dem Zelt können Menschen Blumen niederlegen oder auf andere Weise ihrer Trauer Ausdruck verleihen. Um 17 Uhr wird eine Delegation des Freiburger Staatsrates eine Ansprache halten. Um 19 Uhr wird in der Reformierten Kirche in Kerzers eine ökumenische Gebets- und Andachtsfeier stattfinden.
Für Angehörige hat die Polizei unter der Nummer 0800 261 700 eine Hotline eingerichtet.