Protest an der GoldküsteVelobahn-Projekt bedroht 241 Parkplätze – Widerstand formiert sich
ai-scrape
12.6.2025 - 22:27
In der Stadt Zürich ist die Velovorzugsroute bereits etabliert. (Archivbild)
sda
Der Plan des Kantons, eine Velobahn zwischen Tiefenbrunnen und Erlenbach zu errichten, stösst in Küsnacht auf Widerstand. Die Gemeinde befürchtet den Verlust zahlreicher Parkplätze.
In der Stadt Zürich sind Velobahnen bereits etabliert – eher bekannt als Velovorzugsrouten. Doch nun soll auch die Goldküste folgen. Die geplante Strecke, die als Velobahn Pfannenstiel bekannt ist, stösst jedoch auf Widerstand. Das schreibt der «Tages-Anzeiger».
So beispielsweise beim Gemeinderat von Küsnacht. Dieser lehnt das Projekt ab und fordert, dass es aus den Richtplänen gestrichen wird. Besonders die geplante Routenführung, die kürzlich in einer Studie festgelegt wurde, steht in der Kritik.
Der Gemeinderat bemängelt, dass 189 Parkplätze auf Gemeindegebiet wegfallen sollen. 87 Parkplätze an der Zürichstrasse, die von der Ortsgrenze Zollikons bis ins Küsnachter Zentrum führt. Weitere 13 Parkplätze sollen im Zentrum sowie 89 an der Unteren Heslibachstrasse und Im Wiesengrund aufgehoben werden.
Keine Parkplätze für Motorfahrzeuge vorgesehen
Hochbau- und Planungsvorsteher Gauthier Rüegg (FDP) sagt zu der Zeitung, dass der Gemeinderat den Veloverkehr grundsätzlich unterstütze. Die geplante Velobahn auf der Zürichstrasse sei jedoch problematisch, da sie durch dich besiedelte Gebiete und das Zentrum führen würde.
Rüegg befürchtet, dass die Aufhebung der Parkplätze zu einer Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit der Autos führen könnte, da Hindernisse und Ausweichstellen wegfallen würden.
Doch warum will die kantonale Baudirektion die Parkplätze, insbesondere auf der Zürichstrasse überhaupt aufheben? Die kantonale Baudirektion argumentiert, dass entlang von Velobahnen grundsätzlich keine Parkplätze für Motorfahrzeuge vorgesehen sind.
Sascha Rhyner, Mediensprecher der Baudirektion, erklärt, dass die Zürichstrasse nicht den Standards einer Velobahn entspricht, da Parkplätze Sicherheitsrisiken bergen und die Sicht an Einmündungen und Ausfahrten eingeschränken. Er verweist auf die Gefahr von Dooring-Unfällen, bei denen Velofahrer in plötzlich geöffnete Autotüren fahren.
In Zollikon und Erlenbach gibt es ebenfalls Bedenken, jedoch keine grundsätzliche Opposition. In Zollikon besteht die Sorge vor schnellen Velofahrern und Widerstand gegen den Verlust von 52 Parkplätzen auf der Guggerstrasse. In Erlenbach sind keine Parkplatzaufhebungen geplant.
Zwei Alternativrouten wurden untersucht
Die Studie untersuchte auch zwei Alternativrouten über die See- und Alte Landstrasse, kam jedoch zu dem Schluss, dass diese aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der Notwendigkeit von Landerwerb weniger geeignet sind.
Die geplante Strecke soll nun in Zollikon über die Damm- und Guggerstrasse, in Küsnacht über die Zürichstrasse, das Zentrum, die Untere Heslibachstrasse und Im Wiesengrund sowie in Erlenbach über die Wiesen- und Drusbergstrasse verlaufen.
Doch wozu braucht es an der Goldküste eine Velobahn? Die Velobahn soll ein unterbrechungsfreies und sicheres Vorankommen ermöglichen, erklärt Rhyner dem «Tages-Anzeiger».
Die Route führt überwiegend über verkehrsberuhigte Quartierstrassen, die bereits jetzt eine attraktive Nutzung bieten. Zusätzliche Massnahmen sollen die Strecke sicherer machen und mehr Menschen zum Velofahren ermutigen.
Sorge um Sicherheit vor Schulen
Im Kantonsrat wurde kürzlich über ein Verbot von Velovorzugsrouten vor Schulen diskutiert. Bürgerliche Parlamentsmitglieder kritisierten rücksichtslose Velofahrer. Die Einzelinitiative eines Bürgers wurde an den Regierungsrat überwiesen.
Rhyner betont, dass auch Velofahrer sich an die geltende Höchstgeschwindigkeit halten müssen. Sicherheitsbedenken wegen der nahen Schulen Goldbach und Heslibach weist er zurück. Eine Auswertung der Unfallzahlen in Zürich zeigt, dass Kinder häufiger durch Autos als durch Velos verunglücken.
Die Velobahn Pfannenstiel ist noch kein konkretes Bauprojekt. Die Studie dient dazu, die Streckenführung festzulegen. Wenn das Projekt konkret wird, muss es öffentlich aufgelegt werden. Als Umsetzungszeitraum sind die Jahre 2026 bis 2029 geplant. Gauthier Rüegg erinnert daran, dass der Kanton auf das Einverständnis der Gemeinde bei Gemeindestrassen angewiesen ist. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist noch nicht gesprochen.