17 statt 15 Jahre Mann erschossen und in See versenkt – Täter muss noch länger ins Gefängnis

Samuel Walder

6.3.2025

Das Obergericht Thurgau in Frauenfeld entscheidet am Donnerstag im Fall-Barchetsee.
Das Obergericht Thurgau in Frauenfeld entscheidet am Donnerstag im Fall-Barchetsee.
sda

Mafia-Mord, Auftragsmord oder doch ein unschuldiger Mann? Am Donnerstag verhandelt das Obergericht Thurgau im Fall-Barchetsee. Der schon verurteilte Hauptbeschuldigte reicht Berufung ein.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • War es ein Auftragsmord oder ist der Beschuldigte tatsächlich unschuldig? Diese Frage wird am Obergericht Thurgau am Donnerstag geklärt.
  • Ein Mann soll im Jahr 2007 einen damals 27-Jährigen erschossen und dann in einem See versenkt haben.
  • blue News ist am Prozess dabei und berichtet über den gelösten Cold Case.

Im Jahr 2007 wird im Barchetsee im Kanton Thurgau ein Mann (27) tot aufgefunden. Verdächtige finden die Ermittler zunächst nicht, der Fall wird zum Cold Case. Erst Jahre später kann die Polizei mehrere mutmassliche Täter fassen.

Im Jahr 2024 wird ein Mann frei gesprochen und ein weiterer wegen Mordes zu 15 Jahre Haft verurteilt. Am Donnerstag steht der verurteilte Mann erneut vor Gericht. Er hat Berufung eingereicht.

Der Beschuldigte soll mit einem Komplizen einen Mann aus Ägypten getötet haben. Die Ehefrau des Opfers, soll die beiden Beschuldigten angeheuert gehabt haben, ihren Mann zu töten. Er sei ihr lästig und solle sie geschlagen haben, so das Motiv in der Anklageschrift.

Daraufhin sollen der Beschuldigte und sein Komplize das Opfer an einen Waldrand gelockt haben. Dort hätten sie sie fünfmal auf das Opfer geschossen. Laut Anklageschrift soll der erste Schuss von hinten durch den Rücken erfolgt sein, während das Opfer an einen Baum urinierte.

Dann folgten weitere Schüsse. Die Täter sollen die Leiche im Anschluss in das Auto des Opfers geladen haben und seien zum Barchetsee gefahren. 

Vor Ort montierten die Täter einen Betonpfeiler auf die Leiche und versenkten diese im Gewässer. Die Leiche wurde vom Pächter gefunden.

Verteidiger fordert einen Freispruch

Der Beschuldigte wird am Donnerstag nur kurz von der Richterin befragt. Dann folgt das rund zweistündige Plädoyer des Verteidigers. «Wir halten an einem Freispruch fest», sagt dieser zunächst.  

Der Verteidiger will dem Gericht klarmachen, dass der Tathergang so nicht stattgefunden haben könne. So habe ein Gutachter herausgefunden, dass die erste Kugel in den Oberschenkel und nicht in den Rücken eingedrungen sei. «Das Opfer und die Täter haben sich dafür gegenüberstehen müssen», sagt der Anwalt.

Hatte der Beschuldigte überhaupt ein Motiv?

Ausserdem erklärt der Anwalt, sein Mandant habe zu dieser Zeit ein Restaurant geführt und am Abend gearbeitet. Er habe deshalb im Tatzeitraum gar nicht vom Restaurant weggehen können.

Zudem sagt der Anwalt, sein Mandant habe kein Motiv gehabt. Er habe zwar das Opfer und seine Frau gekannt, jedoch erschliesst es sich nicht, welche Vorteil der Beschuldigte durch einen Mord am Opfer haben könnte.

Im Barchetsee bei Neunforn TG wurde 2007 eine Leiche gefunden.
Im Barchetsee bei Neunforn TG wurde 2007 eine Leiche gefunden.
sda

Die Tat sei vielmehr das Werk der Mafia, betont der Verteidiger. Der entblösste Unterkörper, die Betonplatte, der Kopfschuss und die Verbindungen des Opfers zum Drogen- und Menschenhandel sprächen dafür, so der Anwalt des Beschuldigten. Sein Mandant sitzt derweil ruhig am Tisch. 

«Der Verteidiger hat die Begabung, etwas Verwirrung zu stiften»

Nun erteilt die Richterin dem Staatsanwalt das Wort. Die Staatsanwaltschaft plädiert auf des Mordes schuldig. Der Angeklagte soll zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt werden.

Dann sagt der Staatsanwalt: «Der Verteidiger hat die Begabung, etwas Verwirrung zu stiften in seiner zweistündigen Ausführung. Und manchmal habe ich für einen kurzen Moment sogar geglaubt, was er gesagt hat.»

Der Pächter des Sees hat die Leiche gefunden. Der Fall entwickelte sich zu einem Cold Case bis vor einigen Jahren. 
Der Pächter des Sees hat die Leiche gefunden. Der Fall entwickelte sich zu einem Cold Case bis vor einigen Jahren. 
sda

Dann greift der Staatsanwalt zur Anklageschrift. Er geht auf die einzelnen Tathergänge ein. Dann sagt er: «Aus Sicht der Staatsanwaltschaft liegt ein schweres Verschulden vor.»

Der Beschuldigte habe skrupellos gehandelt. Zudem zeige er keine Reue und seine Aussagen bei den Behörden, beziehungsweise bei den verdeckten Ermittlern seien zwar teilweise widersprüchlich, dennoch hatte er Wissen über die Tat, die nur der Täter haben konnte. 

Das Gericht fällt ein Urteil

Nach mehrstündiger Beratung entscheidet das Gericht: Die Strafe wird nicht etwa reduziert, sondern sogar noch erhöht. Der Angeklagte wird des Mordes zu 17 Jahren Haft verurteilt. Die bereits abgesessen zwei Jahre werden dem Beschuldigten angerechnet. 

Das Gericht kam zum Schluss, dass massgeblich das Geständnis gegenüber den verdeckten Ermittler von Insider-Wissen zeugt. Zudem habe das Gericht eine gewisse Skrupellosigkeit festgestellt.