Nazi-Bilder im TruppenchatMehrere rassistische Vorfälle erschüttern die Schweizer Armee
Andreas Fischer
19.1.2026
Rassistische Inhalte in Gruppenchats von Rekruten, haben die Schweizer Militärjustiz auf den Plan gerufen. Die Strafen fielen milde aus. (Symbolbild)
KEYSTONE
In der Schweizer Armee haben sich mehrere rassistische Zwischenfälle ereignet. Chats mit Nazi-Symbolen und Beschimpfungen beschäftigen die Militärjustiz. Die Hemmschwellen sind offenbar gesunken.
In der Kaserne Payerne eskalierte ein Konflikt zwischen Rekruten aus der Deutsch- und Westschweiz bis hin zu rassistischen Beschimpfungen und Nazi-Symbolen in einem WhatsApp-Chat.
Die Militärjustiz verurteilte einen beteiligten Rekruten zwar wegen rassistischer Inhalte, stufte die Taten jedoch als leichte Vergehen ein und sprach die Strafe bedingt aus.
Fachleute sehen keine Hinweise, dass die Armee rassistischer ist als die Zivilgesellschaft, beobachten aber eine sinkende Hemmschwelle für offene rassistische Äusserungen.
In der Schweizer Armee sind mehrere rassistische Vorfälle bekannt geworden. Besonders gravierend war ein Fall in der Kaserne Payerne (VD), wo es zu Spannungen zwischen deutsch- und westschweizerischen Rekruten kam, wie «Blick» berichtet.
Auslöser war demnach ein Streit über Uniformvorschriften, nachdem Rekruten aus der Deutschschweiz ihre Kameraden aus der Romandie korrigiert hatten. Daraus entwickelten sich zunächst verbale Auseinandersetzungen, später systematische Schikanen.
Schliesslich kam es in einem WhatsApp-Gruppenchat mit dem Namen «Zug Dütschschwitzer» zu rassistischen Äusserungen. Ein dunkelhäutiger Rekrut wurde mit dem N-Wort sowie als «Hurensohn» beschimpft.
Taten «gerade noch leicht» – Strafe bedingt
In der Folge tauchten im Chat weitere problematische Inhalte auf, darunter Bilder von Hakenkreuzen und Adolf Hitler. Ein beteiligter Rekrut wurde von der Militärjustiz für die Verbreitung von «gewalttätigen, rassistischen, nationalsozialistischen sowie diskriminierenden Ideologien» zu einer Busse von 360 Franken verurteilt und muss die Verfahrenskosten von 450 Franken tragen. Eine Strafe von 15 Tagessätzen à 120 Franken wurde bedingt ausgesprochen, da die Taten als «gerade noch leicht» eingestuft wurden.
Der Vorfall ist nicht isoliert. Bereits zuvor hatte die Militärjustiz einen Fall im Rekrutierungszentrum Rüti (ZH) beurteilt, berichtet «Blick». Dort verschickte ein Rekrut innerhalb von elf Minuten mehrere Nachrichten mit Hitlerbildern, Hakenkreuzen und sexualisierten Darstellungen mit Hitlergruss. Darunter sei auch eine Tafel mit der Aufschrift «Juden werden hier nicht bedient» gewesen.
Die Militärjustiz wertete die Nachrichten als einen einzigen Vorfall, da sie in kurzer Abfolge versendet wurden. Der Rekrut hatte nach eigenen Angaben Alkohol konsumiert und wollte «lustig sein». Er wurde zu einer Busse von 200 Franken und 450 Franken Verfahrenskosten sowie bedingt zu zehn Tagessätzen à 100 Franken verurteilt.
«Donald Trump hat eine Schleuse geöffnet»
Ob die Armee stärker von Rassismus betroffen ist als die Zivilgesellschaft, lässt sich laut Fachleuten nicht belegen. Militärsoziologe Szvircsev Tresch von der Militärakademie der ETH Zürich sagte zu «Blick»: «Rekruten mit Migrationshintergrund gaben an, dass die Hautfarbe im Zivilleben eine stärkere Rolle spielt.» Gruppierungen entlang sprachlicher oder regionaler Linien – etwa zwischen Deutschschweizern, Romands oder Tessinern – seien laut Tresch im Militär hingegen grundsätzlich nichts Ungewöhnliches.
Er beobachte jedoch eine veränderte gesellschaftliche Stimmung. Die Hemmschwelle, rassistische Äusserungen offen zu machen, sei gesunken. «Seit Donald Trump an der Macht ist, ist eine Schleuse geöffnet worden», sagt er. In gewissen Kreisen werde die weisse Identität wieder demonstrativer betont.