Bund und Kantone müssen handelnJeder dritte getestete Energydrink verstösst gegen Regeln
Samuel Walder
3.6.2026
Eine neue Recherche zeigt, im Schweizer Handel stehen 10 von 17 Energydrinks, die gar nicht erlaubt sein dürften.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Zu viel Koffein, mangelhafte Deklaration: In der Schweiz sind Energydrinks im Umlauf, die eigentlich nicht verkauft werden dürften. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung.
85 bis 90 Prozent der Menschen in der Schweiz konsumieren Koffein. Ein grosser Teil davon trinkt Energydrinks. Ein weiterer Teil kommt ohne den Wachmacher gar nicht durch den Tag. Doch das Getränk bringt nicht nur Energie und Freude. Eine Recherche vom SRF Investigativ zeigt: Bei einer Stichprobe in Onlineshops und Läden gibt es Energydrinks, die nicht im Handel sein dürften.
Energydrinks enthalten typischerweise Zucker, Taurin, Vitamine und Koffein und werden gezielt als Leistungsbooster vermarktet. Vor allem junge Menschen sprechen die bunten Dosen an. Laut einer europäischen Studie mit über «52'000 Personen aus 16 Ländern» stellen Jugendliche die grösste Konsumentengruppe.
Auch in der Schweiz ist der Konsum verbreitet. Der Bund kommt zum Schluss: «Jeder fünfte Schweizer Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren» trinkt mindestens einmal pro Woche einen Energydrink. Gleichzeitig warnen Fachleute vor Nebenwirkungen wie Herzrasen, Nervosität oder Schlafproblemen.
10 von 17 Energydrinks überschreiten Regelung
Dabei gibt es klare gesetzliche Vorgaben: In der Schweiz darf ein halber Liter Energydrink maximal 160 Milligramm Koffein enthalten – das entspricht etwa einer Tagesration und liegt etwas unter zwei Tassen Kaffee, heiss. Ein Mann, den das SRF interviewt, überschritt diese Menge jedoch regelmässig massiv. An Spitzentagen konsumierte er das Zwölffache der Tagesration.
Weiter zeigt die Recherche von SRF, dass selbst diese Grenzwerte im Handel nicht immer eingehalten werden. Insgesamt wurden 27 Energydrinks in einem Schweizer Labor untersucht. Während 17 Produkte den Vorschriften entsprechen, überschreiten zehn Getränke den erlaubten Koffeingehalt. Teilweise liegt dieser laut Deklaration bereits bei 180 bis 300 Milligramm – also deutlich über dem erlaubten Wert.
Die Verantwortung liegt beim Bund, Kantonen und Händlern
Ein besonders krasses Beispiel ist der «Monster Energy Killer Brew Loca Moca». Auf der Dose sind 300 Milligramm Koffein angegeben, gemessen wurden jedoch über 338 Milligramm. Für Experten ist die Sache klar: «Diese zehn Energydrinks dürfen so nicht im Handel sein», sagt Pascal Pichonnaz gegenüber dem SRF. Zudem verstosse eine falsche Deklaration gegen das Gesetz: Das Produkt sei damit unzulässig.
Die Verantwortung ist zwischen Bund, Kantonen und Händlern aufgeteilt. Der Bund überwacht die Einfuhr, während die Kantone den Verkauf kontrollieren müssen. «Die Kantonslabore müssen Stichproben machen und, wenn nötig, Massnahmen durchsetzen», erklärt Pichonnaz. Erste Konsequenzen gab es bereits: Das Kantonslabor Zug ordnete einen Rückruf mehrerer Produkte an. Händler warnten ihre Kunden: «Der Konsum der Produkte kann gesundheitliche Risiken verursachen.»
Trotz dieser Massnahmen bleiben problematische Produkte im Umlauf. Ein Grund: In der Schweiz gibt es keine Altersgrenze für Energydrinks. Für Kinder und Jugendliche gelten jedoch klare Empfehlungen – maximal drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht. Politisch wächst deshalb der Druck. Nationalrat Benjamin Roduit fordert strengere Regeln und warnt: «Bund und Kantone müssen Kinder und Jugendliche besser vor diesen gesundheitsschädlichen Getränken schützen.»
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