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Jetzt meldenKaum ist die 10-Millionen-Initiative abgelehnt, steht bereits die nächste Debatte im Raum: Soll die Schweiz das Rentenalter erhöhen? Die Diskussion löst heftige Reaktionen aus.
Die Diskussion über ein höheres Rentenalter trifft einen Nerv. Kaum ein anderes Thema sorgt derzeit für ähnlich viele Emotionen wie die Frage, ob die Schweizerinnen und Schweizer künftig länger arbeiten sollen.
In den Kommentaren zeigen sich zwei Lager. Die einen halten eine Anhebung des Rentenalters für längst überfällig. Andere sehen darin eine versteckte Rentenkürzung und einen Realitätsverlust der Politik.
Mehrere Leserinnen und Leser argumentieren, die steigende Lebenserwartung lasse gar keine andere Wahl. Leser raro schreibt: «Mindestens 67 Jahre sind schon längst überfällig.»
Auch andere verweisen darauf, dass viele Menschen heute deutlich länger fit und aktiv bleiben als frühere Generationen. Ein Leser berichtet, er arbeite auch mit 82 Jahren noch immer und habe dies nie bereut. Arbeiten bis 70 sei für ihn «eine logische Folge» der gestiegenen Lebenserwartung.
Ähnlich sieht es ein weiterer Leser, der mit 80 Jahren noch täglich in Gärten, auf Baustellen und bei technischen Arbeiten tätig ist. Sein Fazit: «Keine Arbeit macht krank und nicht umgekehrt.»
Eine Leserin schreibt auf WhatsApp, sie habe selber bis 70 gearbeitet. «Man bleibt flexibel, offen und profitiert vom Wissen der Jungen. Und diese wiederum von den Erfahrungen der Älteren.»
Deutlich mehr Zuspruch erhalten jedoch die Stimmen, die eine Rentenalter-Erhöhung kritisch sehen.
Immer wieder taucht in den Kommentaren dieselbe Frage auf: Wie sollen Menschen bis 67 oder 70 arbeiten, wenn sie bereits mit 50 oder 55 Schwierigkeiten haben, eine neue Stelle zu finden?
«Ab 50-Jährige haben grosse Mühe, eine Arbeit zu finden. Aber im gleichen Atemzug will man das Rentenalter auf 70 Jahre erhöhen», schreibt ein Leser.
Eine 59-jährige Kommunikationsfachfrau schildert ihre persönliche Erfahrung besonders eindrücklich. Trotz Universitätsabschluss, Weiterbildungen und jahrzehntelanger Berufserfahrung habe sie sich in den vergangenen Monaten auf zahlreiche Stellen beworben – ohne ein einziges Vorstellungsgespräch.
Für viele Kommentierende liegt genau dort der Widerspruch der Debatte: Einerseits werde längeres Arbeiten gefordert, andererseits hätten ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt oft schlechte Karten.
Mehrere Leser glauben deshalb nicht, dass es bei der Diskussion tatsächlich um den Fachkräftemangel geht.
«Es handelt sich um eine getarnte Rentenkürzung. Sonst nichts», schreibt ein Kommentator. Wer künftig vor dem höheren Referenzalter in Pension gehe, müsse mit grösseren finanziellen Einbussen rechnen.
Besonders kritisch sehen viele die Situation in körperlich belastenden Berufen. Mehrfach werden Bauarbeiter, Handwerker oder Pflegekräfte erwähnt.
«Arbeiten Sie doch einmal als Dachdecker bis 70», fordert ein Leser. Nicht jeder Beruf lasse sich problemlos bis ins hohe Alter ausüben.
Auch die Ursachen des Fachkräftemangels werden kontrovers diskutiert.
Mehrere Leser argumentieren, das Problem liege nicht primär beim Rentenalter, sondern bei den Unternehmen selbst. Diese würden zu wenig ausbilden oder ältere Mitarbeitende durch jüngere und günstigere Arbeitskräfte ersetzen.
Ein Leser bringt es auf den Punkt: «Der Fachkräftemangel besteht offenbar vor allem dort, wo niemand nach dem Geburtsdatum fragt.» Andere fordern bessere Arbeitsbedingungen, etwa in der Pflege, statt immer neue Diskussionen über längeres Arbeiten.
Für zusätzlichen Ärger sorgt bei einigen Kommentierenden der Zeitpunkt der Debatte. Sie erinnern daran, dass im Abstimmungskampf zur 10-Millionen-Initiative vielfach mit den Folgen für Arbeitsmarkt und Sozialwerke argumentiert wurde.
Nun werde wenige Tage nach dem Urnengang bereits über ein höheres Rentenalter diskutiert. Mehrere Leser werfen der Politik deshalb Widersprüchlichkeit vor.
Trotz aller Differenzen zeigt sich in den Kommentaren ein überraschender gemeinsamer Nenner. Selbst viele Befürworter eines höheren Rentenalters halten fest, dass die Schweiz zuerst bessere Lösungen für ältere Arbeitnehmende finden müsse.
Denn die entscheidende Frage bleibt für viele dieselbe, wie Leser Hanno in einem Mail an die Redaktion schreibt: «Was nützt ein Rentenalter von 67 oder 70 Jahren, wenn Arbeitnehmer bereits zehn Jahre früher als zu alt gelten?»