Eskalation mit MassenkündigungMega-Zoff in Bündner Senioren-Heim geht vor Gericht
Sven Ziegler
3.2.2026
In einem Bündner Seniorenheim kommt es zu Streit. (Symbolbild)
Sina Schuldt/dpa
Im Churer Seniorenzentrum Rigahaus kam es im Herbst zu einer Eskalation mit Massenkündigungen, schweren Vorwürfen aus der Pflege und personellen Konsequenzen an der Spitze. Nun wird der Konflikt vor Gericht weitergezogen.
Am 12. September 2025 eskalierte die Situation im Seniorenzentrum Rigahaus in Chur. Rund 15 Pflegefachpersonen reichten innert kurzer Zeit ihre Kündigung ein. Wenige Tage später wurde der Fall von der «Südostschweiz» öffentlich gemacht.
Auslöser war ein Schreiben aus dem Kreis der Pflegenden an die Geschäftsleitung. Darin wurden zahlreiche Missstände geschildert. Kritisiert wurden unter anderem anhaltender Personalmangel, fehlende Mitsprache bei Entscheidungen sowie eine aus Sicht der Pflege falsche Schwerpunktsetzung im Betrieb.
So sei Geld in Aussenauftritt und Gastronomie geflossen, während es im Pflegealltag an grundlegenden Ressourcen gefehlt habe. Zudem hätten Lernende im Dienstplan als volle Arbeitskräfte gegolten, obwohl sie eigentlich angeleitet werden müssten.
Rücktritt des Geschäftsleiters und weitere Abgänge
Kurz nach Bekanntwerden der Kündigungen zog das Rigahaus erste Konsequenzen. Der damalige Geschäftsleiter kündigte sein Arbeitsverhältnis. In einer Stellungnahme räumte er ein, Warnzeichen nicht konsequent genug erkannt zu haben.
Gleichzeitig kam es zu weiteren personellen Turbulenzen. Zwei Mitarbeitende wurden fristlos entlassen. Der Stiftungsrat bestätigte mehrere Abgänge, versicherte aber, dass die gesetzlichen Mindestvorgaben beim Personal weiterhin erfüllt seien.
Auch der kantonale Pflegeberufsverband schaltete sich ein. Dessen Präsidentin erklärte öffentlich, der Stiftungsrat sei seiner Fürsorgepflicht nicht ausreichend nachgekommen. Es habe Hinweise gegeben, die als Gefährdungsmeldungen hätten verstanden werden können.
Öffentliche Schuldzuweisung sorgt für neue Eskalation
Aus Sicht des Pflegeverbands habe der Personalmangel nicht nur die Mitarbeitenden belastet, sondern auch die Versorgung der Bewohnenden gefährdet. Der Stiftungsrat wies diese Vorwürfe zurück und erklärte, man habe nach Bekanntwerden der Situation umgehend Massnahmen ergriffen.
Anfang Oktober 2025 äusserte sich dann auch der Stiftungsrat öffentlich zur Krise. In einem Interview erklärte der Präsident, man sei lange nicht über die tatsächliche Lage informiert gewesen – auch nicht durch die damalige Pflegedienstleiterin. Aus der Pflege habe es geheissen, alles sei unter Kontrolle.
Diese Aussagen lösten heftige Reaktionen aus. Die ehemalige Pflegedienstleiterin widersprach entschieden und sprach von einer schweren Persönlichkeitsverletzung. Mehrere Pflegende bestätigten ihre Darstellung und kritisierten, der Stiftungsrat schiebe Verantwortung von sich weg.
Fall geht vor Gericht
Jetzt enthüllte die «Südostschweiz», dass die Auseinandersetzung zwischen dem Rigahaus und der ehemaligen Pflegedienstleiterin juristisch weitergezogen wird. Der Stiftungsrat wollte sich auf Nachfrage nicht mehr inhaltlich äussern und verwies auf das laufende Verfahren. Auch die Gegenseite gab keine Stellungnahme ab.
Gleichzeitig griff auch der Kanton ein. Das Gesundheitsamt begann, die Personalsituation im Rigahaus eng zu überwachen. Zeitweise erfolgten die Kontrollen wöchentlich, später monatlich.
Nach Angaben des Kantons erfüllt das Rigahaus derzeit die gesetzlichen Vorgaben. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass bereits ein einzelner Langzeitausfall ausreichen könne, um die Anforderungen nicht mehr zu erfüllen – mit möglichen Aufnahmestopps als Folge.