Neue Sabbat-Zone in Zürich Nylonfäden durch die Stadt lockern jüdische Ruhetagregeln

Maximilian Haase

16.1.2026 - 09:30

Ein Pfosten mit einem Nylonfaden markiert den Eruv. In dieser Zone können Jüdinnen und Juden am Sabbat eigentlich unerlaubte Dinge tun, wie Sachen tragen oder Kinderwagen schieben.
Ein Pfosten mit einem Nylonfaden markiert den Eruv. In dieser Zone können Jüdinnen und Juden am Sabbat eigentlich unerlaubte Dinge tun, wie Sachen tragen oder Kinderwagen schieben.
Keystone

Ein Netz aus Nylonfäden durch die Stadt: Die jüdischen Gemeinden in Zürich haben eine grosse Zone eingerichtet, in der die Sabbat-Regeln gelockert sind und eigentlich Unerlaubtes möglich wird.

Keystone-SDA, Maximilian Haase

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  • In Zürich haben die jüdischen Gemeinden eine symbolische Zone geschaffen, in der die Sabbat-Regeln gelockert sind.
  • Innerhalb dieses Bereichs dürfen Jüdinnen und Juden fortan am Ruhetag Dinge tun, die sonst nicht erlaubt sind.
  • Das aus Nylonfäden, Pfosten und Gebäuden geschaffene Netz durch die Stadt ist rund 14 Quadratkilometer gross.  

Normalerweise ist Jüdinnen und Juden zum Sabbat vieles untersagt. Doch es gibt eine Möglichkeit, die Regeln zu lockern: Ein symbolisches Netz, bestehend auch aus Nylonfäden, verschafft Jüdinnen und Juden am Ruhetag mehr Freiheiten. Nun auch in Zürich, wo die jüdischen Gemeinden eine solche abgeschlossene Zone in der Öffentlichkeit eingerichtet haben. 

In Zürich ist dieser sogenannte Eruv rund 14 Quadratkilometer gross und verbindet mehrere Quartiere, vor allem Wiedikon, Enge und Wollishofen. Markiert ist die Zone durch Gebäude und die an Pfosten und Häusern installierten Fäden. In diesem so gekennzeichneten Bereich gelten neu für Jüdinnen und Juden gelockerte Regeln während des Sabbats.

Am Sabbat dürfen Jüdinnen und Juden vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Einbruch der Dunkelheit am folgenden Samstag unter anderem keine Gegenstände im öffentlichen Raum tragen. Dazu zählen etwa Gebetbücher und Mahlzeiten. Auch das Bewegen von Kinderwagen und Rollstühlen ist nicht erlaubt.

Dank des Eruv, was aus dem Hebräischen übersetzt «Mischen» bedeutet, sind diese Regeln nun gelockert. Denn der Eruv symbolisiert einen erweiterten privaten Raum.

Nylonfäden und Pfosten installiert

Der Verlauf der rund 18 Kilometer langen Grenze umfasst mehr als hundert Einzelpunkte. Für die meisten Installationen seien bestehende Strukturen wie Mauern, Zäune und Hauswände genutzt worden, teilte Cédric Bollag, Initiator des Eruv in Zürich mit. Zudem mussten dünne Nylonfäden oder Pfosten als Verbindungen ergänzt werden. Das Stadtbild sei dadurch nicht verändert worden.

Ob der Eruv intakt ist, wird jede Woche vor dem Sabbat von einem Team geprüft. Dieses behebt auch eventuelle Schäden. Auf der Webseite Eruv.ch ist ersichtlich, ob der Status des Eruvs als «gültig» freigegeben wurde.

Baubewilligung war nötig

Die Kosten für das Projekt übernahm vollständig die jüdische Gemeinde, auch mithilfe privater Spenden. Damit der Eruv erstellt werden konnte, war eine Baubewilligung nötig. Das Gesuch dafür reichte die jüdische Gemeinde 2022 ein.

Nun beginne ein neues Kapitel jüdischen Lebens in Zürich, heisst es in der Medienmitteilung. Zudem zeige das Projekt, wie Zürich Offenheit, Zusammenarbeit und Vertrauen lebe. Gleichzeitig bekräftige die Stadt Zürich damit ihren Grundsatz, allen Bevölkerungsgruppen die freie Ausübung ihrer Religion zu ermöglichen. «Der Eruv ist ein Zeichen für die gelebte Vielfalt in unserer Stadt», wird Stadträtin Simone Brander (SP) zitiert.

Zürich ist nicht die erste Stadt, die einen Eruv besitzt. Auch in London, Amsterdam, Wien und Antwerpen wurden solche bereits umgesetzt.