Mehrere kritische BaustellenGeheimbericht enthüllt massive Lücken – Schweiz ist kaum abwehrbereit
Sven Ziegler
30.11.2025
Die Schweizer Armee ist offenbar nicht genügend gut vorbereitet. (Symbolbild)
sda
Ein interner Bericht der Armee zeichnet ein düsteres Bild: Die Schweiz wäre einem modernen Angriff kaum gewachsen – weder in der Luft noch im Cyberraum oder bei hybriden Operationen.
Ein internes Dokument der Schweizer Armee sorgt in Bern für Nervosität: In einer vertraulichen Analyse, die «Blick» vorliegt, beurteilen Fachleute die Verteidigungsfähigkeit des Landes als «nur sehr beschränkt». Die Schweiz könne weder moderne Distanzwaffen wirksam abwehren noch ausreichend auf hybride Angriffe reagieren.
Für Verteidigungsminister Martin Pfister (Mitte) ist der Befund brisant. Nach knapp neun Monaten im Amt steht er unter Druck, die finanziellen Grundlagen der Armee zu stärken. Der Bundesrat diskutiert dazu sogar eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, was ein Referendum wahrscheinlich macht.
Der Bericht, über den der «Blick» am Sonntag schreibt, hält fest, die Armee sei über Jahrzehnte an eine Welt angepasst worden, in der ein klassischer Angriff als unwahrscheinlich galt. Doch seit dem russischen Angriff auf die Ukraine habe sich die Lage grundlegend verändert.
Heute seien Cyberattacken, Manipulationskampagnen, Angriffe auf kritische Infrastruktur und orchestrierte Gewalt im Innern deutlich realistischer als frühere Szenarien. Die Armee könne Blaulichtorganisationen zwar punktuell unterstützen – etwa bei Überwachung, Transporten oder Luftaufklärung –, über längere Zeit sei das aber nur teilweise möglich.
Luftschläge als Hauptgefahr – die Schweiz kaum vorbereitet
Besonders kritisch fällt die Beurteilung der Luftverteidigung aus. Im Fall eines Angriffs sei am ehesten mit Marschflugkörpern, ballistischen Raketen oder weitreichenden Lenkwaffen zu rechnen. Der Bericht kommt zum Schluss, dass die Schweiz solche Abstandswaffen «nur sehr beschränkt oder gar nicht» abfangen könne.
Auch ein konventioneller Angriff würde das Land überfordern. Die Experten sprechen von veralteten Systemen, fehlender Ausrüstung, zu wenig Reichweite bei der Artillerie und ausgedünnten Munitionsbeständen. Die Luftwaffe könne zudem keine Ziele am Boden bekämpfen – ein entscheidender Nachteil in modernen Konflikten.
Das Urteil ist deutlich: Die Armee könne einen umfassenden Angriff nur in geringem Umfang abwehren. Eine glaubwürdige Abschreckung – das Ziel jeder modernen Verteidigungsstrategie – sei derzeit kaum gegeben.
Die Autoren betonen, die Schweiz befinde sich faktisch «jetzt schon» in einem hybriden internationalen Konflikt. Manipulationskampagnen, Cyberangriffe und politische Einflussnahme durch Staaten wie Russland oder China seien Realität und nähmen zu.