Drittgrösster Zulieferer Putins Kriegsmaschinerie tötet ungebremst – mit viel Schweizer Technik

Noemi Hüsser

19.11.2025

Laut Recherchen stammen zahlreiche Bauteile in russischen Drohnen aus der Schweiz.
Laut Recherchen stammen zahlreiche Bauteile in russischen Drohnen aus der Schweiz.
Keystone

Obwohl der Export heikler Technologie nach Russland verboten ist, tauchen Bauteile von Schweizer Firmen in russischen Drohnen und Raketen auf. Eine Auswertung zeigt, wie Mikroelektronik über Drittländer ihren Weg in Putins Kriegsapparat finden.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Schweizer Mikroelektronik wird trotz Sanktionen in russischen Drohnen und Raketen gefunden, wie eine Auswertung des ukrainischen Geheimdienstes zeigt.
  • Über Zwischenländer wie die Türkei, Kasachstan und China gelangen Bauteile weiterhin nach Russland.
  • Die betroffenen Schweizer Firmen betonen, sie hielten sich an geltende Sanktionen und hätten den Russland-Handel eingestellt.

Seit zweieinhalb Jahren greift Russland die Ukraine an. Drohnen, Raketen und Gleitbomben feuert Putin auf das Land ab.

Recherchen vom ukrainischen Militärgeheimdienst, die vom «Tages-Anzeiger» ausgewertet wurden, zeigen nun: In vielen dieser Waffen steckt Schweizer Mikroelektronik. Schweizer Firmen gehören demnach sogar zu den drittwichtigsten Lieferanten – hinter China und den USA.

Der Geheimdienst hat über 5200 Bauteile aus russischen Drohnen und Raketen untersucht. 323 stammen von Schweizer Herstellern. Besonders häufig tauchen Produkte von ST Microelectronics (Genf), U-Blox (Thalwil ZH) und Traco Power (Baar ZG) auf.

Lieferungen in die Türkei und Kasachstan sind stark gestiegen

Eigentlich verbietet die Schweiz seit zwei Jahren den Export heikler Mikroelektronik nach Russland – auch Umwege sind untersagt. Doch die offiziellen Exportdaten zeigen laut «Tages-Anzeiger» ein anderes Bild: Seit Kriegsbeginn sind Schweizer Lieferungen in Länder wie Türkei, China, Serbien und Kasachstan stark gestiegen. Gleichzeitig fielen die Exporte nach Russland auf null.

Ein Blick auf die UNO-Handelsdatenbank legt nahe, was danach passiert: Diese Staaten steigerten ihre Weiterexporte nach Russland massiv – teils um bis zu 2500 Prozent. Experten sehen darin klare Hinweise auf Sanktionsumgehung.

Die betroffenen Schweizer Hersteller betonen gegenüber dem «Tages-Anzeiger», sie hielten sich an alle Sanktionen und hätten alle Geschäftsaktivitäten zu Russland eingestellt.


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