Kritik an Overtourism-Kritik Schweiz-Tourismus-Chef rechnet mit neuem Rekordjahr bei Übernachtungen

SDA

19.12.2025 - 06:11

Beliebte Touristendestination Jungfraujoch. (Archivbild)
Beliebte Touristendestination Jungfraujoch. (Archivbild)
Bild: Keystone/Christian Beutler

Die Marketingorganisation Schweiz Tourismus rechnet für das Jahr 2025 mit einem Rekordjahr. Deren Chef Martin Nydegger weist die Kritik zurück, dass mit Werbevideos mit Prominenten wie Roger Federer Übertourismus angekurbelt werde.

Keystone-SDA

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Marketingorganisation Schweiz Tourismus rechnet für das Jahr 2025 mit einem Rekordjahr bei den Übernachtungen.
  • Erwartet wird ein Wachstum von ein bis zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, sagt Schweiz-Tourismus-Direktor Martin Nydegger in einem Interview.
  • Nydegger wies in dem Gespräch die Kritik zurück, dass mit Kampagnen wie der mit Roger Federer der Übertourismus angekurbelt werde.
  • Schweiz Tourismus wolle keinen zusätzlichen Druck auf die Tourismus-Hotspots ausüben.

Erwartet wird ein Wachstum der Übernachtungen von ein bis zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Schweiz-Tourismus-Direktor Martin Nydegger zu «Blick» sagte. Die Zahl der Übernachtungen stieg im Vorjahr um 2,6 Prozent auf 42,8 Millionen, wie das Bundesamt für Statistik im Februar mitgeteilt hatte. Die Branche knackte damit den Logiernächte-Rekord des Jahres 2023 mit 41,8 Millionen Übernachtungen.

Ein Wachstum der Übernachtungen von ein bis zwei Prozent brauche die Branche, um alle Investitionen zu stemmen, sagte Nydegger in einem am Freitag veröffentlichten Interview. Inwiefern dieses Wachstum auf Kampagnen der Marketingorganisation – etwa Werbevideos mit Prominenten wie Roger Federer – zurückzuführen ist, konnte Nydegger nicht beziffern. «Wir gehen intern davon aus, dass jeder sechste Gast auf unsere globale Vermarktung zurückzuführen ist», sagte er.

«Lächerliche» Gage für Prominente in Werbevideos

Nydegger wies im Gespräch mit «Blick» die Kritik zurück, dass mit solchen Kampagnen der Übertourismus angekurbelt werde. Schweiz Tourismus wolle keinen zusätzlichen Druck auf die Tourismus-Hotspots ausüben. «Mit Roger Federer und Halle Berry zielen wir auf weniger gut besuchte Regionen und wollen die Touristen vermehrt in die Herbstsaison lenken», sagte er. Nydeggers genereller Appell bei der Kritik am Übertourismus lautet: «Macht nicht aus ein paar wenigen Orten ein gesamtschweizerisches Phänomen.»

Der Direktor von Schweiz Tourismus betonte zudem, dass Federer mit der Kampagne persönlich nichts verdient habe. Die zur Hälfte durch öffentliche Gelder finanzierte Organisation bezahlte eigenen Angaben zufolge einen «moderaten Beitrag» an Federers Stiftung. Über die Höhe des Betrags – auch für andere Stars – sei Stillschweigen vereinbart worden. Wenn er den Betrag nennen dürfte, «würden Sie sich über den Tisch lehnen und mir die Hand schütteln, zu welch lächerlichem Betrag diese Berühmtheiten die Schweiz bewerben», sagte Nydegger zu «Blick».

Martin Nydegger, Direktor Schweiz Tourismus. (Archivbild)
Martin Nydegger, Direktor Schweiz Tourismus. (Archivbild)
Bild: Keystone/Raisa Durandi

Der Bundesrat will die Finanzhilfen für Schweiz Tourismus zur Bewerbung von Reisen kürzen. Der Ständerat hat dies am Donnerstag mit 22 zu 20 Stimmen gutgeheissen. Der Spareffekt über die Jahre 2027 bis 2029 beläuft sich auf insgesamt 34,1 Millionen Franken.

Nur wenige Schweizer Orte von Overtourism betroffen

Nur wenige Schweizer Orte von Overtourism betroffen

Höhere Preise, Littering, Verkehrsprobleme, knapper Wohnraum und Umweltverschmutzung können die Folgen von zu vielen Touristen sein. In einzelnen Regionen kann es Einheimischen da schon mal zu viel werden.

04.07.2024