Gesundheitssituation verschlechtert sichSchweizer Arbeitnehmende leiden unter emotionaler Erschöpfung
SDA
20.11.2025 - 09:45
Immer mehr Arbeitnehmende finden es schwierig, sich vom Job abzugrenzen. (Symbolbild)
Marijan Murat/dpa
Das «Barometer gute Arbeit» von Travailsuisse zeigt: Schweizer Arbeitnehmende arbeiten oft länger. Überstunden und Stress nehmen zu. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, nach der Arbeit abzuschalten.
Keystone-SDA
20.11.2025, 09:45
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Schweizer Angestellte haben zunehmend Mühe, sich von der Arbeit abzugrenzen, was zu mehr Überstunden, Stress und emotionaler Erschöpfung führt.
Laut dem «Barometer gute Arbeit» verschlechterte sich vor allem die Gesundheitssituation, während die Arbeitsqualität insgesamt stabil blieb.
Trotz hoher Belastung sind über 80 Prozent der Befragten mit ihrer Arbeit zufrieden, wobei Homeoffice tendenziell zu mehr Zufriedenheit führt.
Mehr Überstunden und Belastung weit über die Arbeitszeit hinaus: Für Schweizer Angestellte nimmt die Schwierigkeit zu, sich von der Arbeit abzugrenzen, heisst es in dem am Donnerstag veröffentlichten «Barometer gute Arbeit» im Auftrag des Gewerkschaftsdachverbands Travailsuisse. Insgesamt blieb die Arbeitsqualität hierzulande aber stabil.
Nur leicht sank die Arbeitsqualität laut der Gesamtbeurteilung der über 1400 Befragten – von 67,7 auf 67 Punkte im Vergleich mit 2024. Der Rückgang sei primär auf die erneute Verschlechterung der Gesundheitssituation zurückzuführen, gab Travailsuisse an einer Medienkonferenz am Donnerstag in Bern bekannt.
Im Bereich Gesundheit zeigte sich 2025 laut der Befragung eine deutliche Verschlechterung im Vorjahresvergleich. Grund dafür seien steigende Belastungen der Arbeitnehmenden – ein wesentlicher Treiber davon ist laut Travailsuisse die Arbeitszeit.
Mehr Überstunden und Präsentismus
So leistete die Hälfte aller befragten Arbeitnehmenden regelmässig Überstunden. Fast ein Viertel der Befragten arbeiteten mehr als zehn Stunden pro Tag – ein Wert, der um rund 2,5 Prozent zunahm im Vorjahresvergleich.
«Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Überlastung keine Ausnahme mehr ist, sondern für viele Arbeitnehmenden zum Alltag geworden ist», wird Travailsuisse-Präsident Adrian Wüthrich in einer Mitteilung anlässlich der Präsentation des Barometers zitiert.
Der Präsentismus (Arbeiten trotz Krankheit) sei nach einem kurzzeitigen Rückgang während der Covid-19-Pandemie rasch wieder auf das Niveau von vor der Pandemie zurückgeklettert, heisst es in der Analyse zum Barometer weiter. Zudem nähmen die Belastungswirkungen durch arbeitsbedingten Stress weiter zu. Diese Entwicklung weise auf ein zunehmendes gesundheitliches Gefährdungsrisiko von Arbeitnehmenden hin.
Belastung weit über Arbeitszeit hinaus
Bei der Arbeitsbelastung zeige sich denn auch, dass die psychische Belastung weit über die eigentliche Arbeitszeit und den erlebten Stress während der Arbeit hinausgehe: Rund vier von zehn befragten Beschäftigten gaben an, dass sie am Ende eines Arbeitstages häufig emotional erschöpft seien. 42,4 Prozent der Befragten litten zudem oft oder sehr häufig unter Stress.
Die angeführten Werte waren im Vergleich mit 2024 zwar rückläufig, aber nur auf tiefem Niveau. Dies unterstreicht laut Travailsuisse, dass emotionale Erschöpfung ein ernstzunehmender Belastungsfaktor der Arbeit darstellt. Besonders problematisch seien dabei verschwimmende Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, unzureichende Zeiten für Erholung und mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Zunehmend bekundeten Angestellte in der Schweiz zudem Mühe, sich von der Arbeit abzugrenzen. So gaben 27,8 Prozent der Befragten an, dass von ihnen erwartet werde, auch ausserhalb der Arbeitszeiten erreichbar zu sein. Rund ein Drittel der Befragten gab auch an, dass sie unter der Woche nicht genügend Zeit hätten, um sich zu erholen. Ein Fünftel der Befragten hielt es gar für fast unmöglich, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen.
Homeoffice führt zu neuen Gräben
Auch zeigt sich laut dem Barometer 2025 auch eine sich vergrössernde Kluft zwischen Arbeitsplätzen mit und ohne Homeoffice-Möglichkeit. Mehr als 42 Prozent der Befragten gaben an, zumindest teilweise von zu Hause aus gearbeitet zu haben.
Sie waren laut der Befragung – dank mehr Autonomie und Flexibilität – insgesamt zufriedener. Arbeitsplätze ohne Homeoffice-Möglichkeit waren hingegen meist mit belastenderen Arbeitsbedingungen verbunden.
Homeoffice-Möglichkeiten könnten sich demnach positiv auf Zufriedenheit und Vereinbarkeit auswirken. Gleichzeitig erschwere Homeoffice aber die Trennung zwischen Beruf und Privatleben.
Mehr als drei Viertel der Angestellten zufrieden
Die Analyse der Befragung birgt aber auch Lichtblicke: so gaben 82,6 Prozent der Befragten an, mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein – ein leichter Anstieg im Vergleich mit dem Vorjahr. Weiter fanden auch leicht mehr Angestellte als noch 2024, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Die Dimension Motivation weist denn auch den höchsten Wert der gesamten Erhebung auf.
Und auch der Bereich Sicherheit zeigt laut Travailsuisse im Vergleich mit dem Vorjahr stabile Ergebnisse. Die Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz bleiben stabil, nachdem die Angst vor einem Jobverlust in den vergangenen Jahren im Zuge der tiefen Arbeitslosenquote und des Fachkräftemangels stark abgenommen hatte.
Zu beachten ist hierbei, dass aktuelle wirtschaftspolitische Entwicklungen zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht berücksichtigt werden konnten. Diese könnten die Perspektiven zusätzlich belasten, heisst es in der Analyse zum Bericht. Darunter fallen etwa die Anfang August durch die USA angekündigten Zölle gegen Schweizer Exporte.
Das Barometer wird seit 2015 jährlich durch Travailsuisse und die Berner Fachhochschule erhoben. Für die Ausgabe 2025 wurden schweizweit 1422 Personen online befragt. Das Barometer beleuchtet laut Travailsuisse die Qualität der Arbeitsbedingungen und deren Veränderungen in der Schweiz.
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