Rückgang von TötungenBabyfenster haben in 25 Jahren 31 Neugeborene aufgenommen
SDA
8.2.2026 - 20:28
Seit es die Babyfenster gibt, sind Aussetzungen und Tötungen stark zurückgegangen. (Archivbild)
Bild: sda
Vor 25 Jahren ist beim Spital Einsiedeln SZ das erste Babyfenster der Schweiz eröffnet worden. Die Zahl der in der Schweiz ausgesetzten oder getöteten Babys ist seither gesunken, wie eine Auswertung zeigt.
Keystone-SDA
08.02.2026, 20:28
SDA
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Zwischen 1997 und 2026 wurden in der Schweiz 31 Babys in eines der acht Babyfenster gelegt, zuletzt im August 2025 in Olten.
Die Statistik zeigt, dass seither Aussetzungen und Tötungen von Neugeborenen stark zurückgegangen sind, was den Erfolg des Projekts belegt.
Dennoch fordert die Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind weitere Babyfenster, um landesweit eine bessere Abdeckung zu gewährleisten.
Am 24. August 2025 am Nachmittag wurde ein gesundes Neugeborenes ins Babyfenster am Kantonsspital Olten gelegt. Der Bub blieb einige Tage für medizinische Abklärungen im Spital. Er war das siebte Baby, das bisher ins Oltener Babyfenster gelegt wurde.
Dieses Kind ist das letzte Findelkind, das in der aktuellen Schweizer Findelkind-Statistik der Jahre 1997 bis 2026 aufgeführt wird. Laut dieser sind in diesem Zeitraum 31 Babys in eines der acht Schweizer Babyfenster gelegt worden. Und 12 weitere Babys wurden ausgesetzt, 18 weitere Neugeborene wurden getötet.
Babyfenster gibt es hierzulande seit 2001 und 2002 wurde erstmals ein Neugeborenes ins Babyfenster in Einsiedeln gelegt.
Weniger ausgesetzte oder getötete Babys
Die Angaben der Findelkind-Statistik zeigen zudem, dass sowohl die Zahl der ausgesetzten als auch der getöteten Babys seit Erhebungsbeginn markant gesunken ist. Zwischen 1997 und 2001 wurden beispielsweise vier Babys ausgesetzt und neun getötet. Im Zeitraum von 2022 bis 2026 gab es hingegen weder Aussetzungen noch Tötungen.
Mit 21 Fällen wurden die Babyfenster von 2012 bis 2021 besonders rege benutzt. Daneben gab es in diesem Zeitraum sieben ausgesetzte oder getötete Babys.
Die Babyfenster hätten ihr Ziel, Kindsaussetzungen und Kindstötungen zu vermeiden, nachweislich und eindrücklich erreicht, bilanziert Dominik Müggler, Projektleiter Babyfenster Schweiz bei der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind (SHMK), auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Das Projekt sei aber noch nicht abgeschlossen. «Keine verzweifelte Frau sollte mit ihrem Neugeborenen mehr als 50 Kilometer reisen müssen, um zu einem Babyfenster zu gelangen», sagt Müggler. Es gebe in der Schweiz noch einige «weisse Flecken». Es brauche noch rund vier solcher Einrichtungen.
Kantonale Vorstösse in den letzten Jahren für weitere Babyfenster in Bern und Zürich wurden jedoch abgewiesen. Heute gibt es diese in Spitälern in Schwyz, Davos GR, Olten SO, Bern, Zollikerberg ZH, Bellinzona TI, Basel und Sitten VS. Sechs dieser Babyfenster werden als Gemeinschaftsprojekt der einzelnen Spitäler und der SHMK betrieben. Dasjenige in Zollikerberg liegt in der Verantwortung der Stiftung Diakoniewerk Neumünster.
Seit zehn Jahren ein Babyfenster in der Westschweiz
Das einzige Babyfenster der Westschweiz in der Walliser Kantonshauptstadt, das dieser Tage sein zehnjähriges Bestehen feiert, wurde 2016 im Auftrag des Kantons eingerichtet. Drei Monate zuvor im Dezember 2015 hatte eine junge Frau in Siders VS ihr neugeborenes Kind bei sich zuhause getötet. Sie hatte ihre Schwangerschaft verheimlicht. Zwischen 1992 und 1998 wurden zudem im Unterwallis drei tote Neugeborene aufgefunden.
Ins Babyfenster in Sitten wurde bisher noch nie ein Baby abgelegt. Die Verantwortlichen des Spitals sehen das dennoch als nicht als Misserfolg. Werdende Mütter würden heute umfassend betreut und begleitet. Seit 2016 sind im Spital Wallis auch vertrauliche Geburten möglich, bei denen Mütter die Möglichkeit haben, anonym zu gebären.
Im Babyfenster abgelegte Neugeborene gelten rechtlich als Findelkinder. Die Mutter hat das Recht, ihr Baby zurückzuverlangen und kann dabei auch auf die unentgeltliche, materielle und finanzielle Hilfe der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind zählen. Ansonsten platziert die Kindesschutzbehörde die Kinder und leitet ein Adoptionsverfahren ein.
Viele Mütter hinterlassen Identitätshinweise
Rund die Hälfte der Mütter, die ihre Kinder in ein Babyfenster legten, hätten sich sich nach der Abgabe gemeldet und dem Kind Angaben zur Identität und zur leiblichen Herkunft hinterlassen, sagt Müggler. Sechs der 31 Mütter hätten ihr Baby zurückverlangt und auch zurückerhalten und seien dabei unterstützt worden.
Die Initiative für die Schaffung des ersten Babyfensters in Einsiedeln SZ ging von der christlichen und abtreibungskritischen Stiftung Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind aus. Der unmittelbare Anlass war die Auffindung eines toten Neugeborenen am Ufer des Shilsees im Jahr 1999. Seit Mitte Dezember 2025 befindet sich das Babyfenster von Schwyz im Spital Schwyz und nicht mehr in Einsiedeln.
Babyfenster ermöglichen es Müttern, ihr Neugeborenes anonym auszusetzen, ohne es zu gefährden. Die Spitäler haben an einem diskreten Ort eine Art Schalter installiert. Die Mütter können ein Fenster öffnen und ihr Baby in ein Wärmebett legen. Nach einigen Minuten geht ein Alarm an, so dass sich das Personal um das Baby kümmert.