SVP-Ärger wegen «neuer» ID «Schweizer Bürger sind entsetzt» – das sagt der Bundesrat

Petar Marjanović, Bern

8.12.2025

Die Schweiz ist empört. Grund ist ihre eigene Identitätskarte.
Die Schweiz ist empört. Grund ist ihre eigene Identitätskarte.
Keystone

Die Empörung ist gross – zumindest laut SVP-Nationalrätin Vroni Thalmann-Bieri: Die neue Schweizer ID soll den Bürgern ihre Identität rauben. Heute musste sich Bundesrat Beat Jans dazu erklären.

Petar Marjanović, Bern

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • SVP-Nationalrätin Vroni Thalmann-Bieri beklagt sich im Parlament über das Design der neuen Schweizer Identitätskarte, weil das Kreuz kleiner und der Begriff «Schweizerische Eidgenossenschaft» nicht mehr ausgeschrieben ist.
  • Der Bundesrat zeigt sich davon unbeeindruckt und erklärt, das Design sei seit 2023 in Gebrauch, sicherheitstechnisch notwendig und international ausgezeichnet.
  • Eine Rückkehr zum alten Layout wäre teuer und müsste umfassend geprüft werden.

Es gibt politische Vorstösse, die man zweimal lesen muss, um sicherzugehen, dass man nicht versehentlich in der Satire gelandet ist. Und dann gibt es jene, die bereits im Titel die Latte hochlegen: «Schweizer Bürger sind entsetzt – wegen neuer ID-Karte».

So titelte SVP-Nationalrätin Vroni Thalmann-Bieri ihre Frage in der Fragestunde des Nationalrats. Anfang Dezember eingereicht, Anfang Dezember erledigt – und nun Anfang Dezember hier auf blue News nacherzählt. Worum geht es?

Offenbar, so Thalmann-Bieri, rumort es im Land. Das Schweizer Kreuz schrumpfe. Das Wort «Schweizerische Eidgenossenschaft» fehle. Die Identitätskarte nehme, so die Nationalrätin, «dem Schweizerbürger seine Identität». Stein des Anstosses ist die neue Identitätskarte, oben abgebildet. Zum Vergleich unten abgebildet: die alte Identitätskarte.

So sah die alte Identitätskarte aus. 
So sah die alte Identitätskarte aus. 
Keystone

Der Bund hingegen verfiel angesichts der aufgetürmten Empörung nicht in Schockstarre. Bundesrat Beat Jans (SP) musste seine Antwort schriftlich nachreichen, weil die Zeit in der Fragestunde nicht reichte. Vielleicht ein Jammer für jene, die gern gesehen hätten, ob Jans ebenfalls entsetzt sein könnte. Der Wortlaut des Bundesrates lässt jedoch vermuten: eher nicht.

«Diese neue Identitätskarte nimmt dem Schweizerbürger seine Identität.»

Vroni Thalmann-Bieri

Nationalrätin, SVP Luzern

Land seit März 2023 empört

Die nüchterne Realität beginnt mit einem Datum, welches die Dramatik etwas relativiert: Die «neue» Identitätskarte existiert seit dem 3. März 2023. Herausgeberin ist das Justizdepartement unter Bundesrat Jans. Die operative Verantwortung liegt beim Fedpol.

Und das Design, so heisst es in der Antwort der Landesregierung, werde periodisch erneuert. Ähnlich wie bei Banknoten. Nicht aus ästhetischer Laune heraus, sondern aufgrund sicherheitstechnischer Gründe. Das zweite Bild im Sichtfenster, das grössere Foto, die moderne Textur: alles Elemente, die Identitätsdiebstahl erschweren sollen. Zudem gewann die Karte 2024 den Preis «Best New National ID-Card», was nicht zwingend nach internationaler Empörung klingt.

Ein Bild eines empörten Bundesrates Beat Jans fanden wir im Archiv nicht. Dafür dieses.
Ein Bild eines empörten Bundesrates Beat Jans fanden wir im Archiv nicht. Dafür dieses.
Keystone

Auch zur Frage der Bezeichnungen wird nüchtern ausgeführt: Der Entscheid für die Kurzform «Schweiz» statt «Schweizerische Eidgenossenschaft» sei bewusst getroffen worden, ebenso die Verkleinerung des Schweizer Kreuzes. Beides schaffe Platz für Sicherheitsmerkmale und ermögliche grössere Schriftgrössen. Das Parlament selbst, so erinnert der Bundesrat, verwendet dieselbe Terminologie.

Ob das Design rückgängig gemacht werden könne? Grundsätzlich ja – aber nur nach einer erneuten umfassenden Prüfung, da Sicherheitsmerkmale und Bildanordnung neu konzipiert werden müssten. Und das wäre, wie man in Bundesbern gern formuliert, «mit erheblichen Mehrkosten verbunden».

Und schliesslich gebe es noch die internationale Dimension: Vorgaben der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation sowie Anforderungen der EU für den Schengenraum bestimmen ebenfalls mit, wie die Identitätskarte aussehen muss. Ohne deren Einhaltung, so der Bundesrat, wären Schweizer Ausweise im Ausland schlicht nicht anerkennungsfähig.


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