Begehrte Beatmungsgeräte Schweizer Hersteller wird mit Anfragen überrannt

Von Gil Bieler

31.3.2020

Bei der Hamilton Medical AG im bündnerischen Domat/Ems wird unter Hochdruck an der Produktion von Beatmungsmaschinen gearbeitet.
Bei der Hamilton Medical AG im bündnerischen Domat/Ems wird unter Hochdruck an der Produktion von Beatmungsmaschinen gearbeitet.
Bild: zVg

Im Kampf gegen das Coronavirus sind Beatmungsgeräte ein begehrtes Gut. Eine Schweizer Firma übernimmt eine Führungsrolle in dem Bereich: Die Hamilton Medical AG kann sich vor Anfragen kaum retten.

In besonders schweren Fällen greift das Coronavirus die Lunge an – und eine künstliche Beatmung wird nötig. Doch die Schweizer Spitäler sind in diesem Bereich gut aufgestellt: Laut Behörden droht kein Engpass.

Dazu trägt nicht zuletzt die Hamilton Medical AG aus dem Bündner Rheintal bei. 900 Beatmungsgeräte hat der Bund bei dem Medizinaltechnikkonzern bestellt – mehr als 300 davon seien bereits ausgeliefert worden, erklärt Hamilton-CEO Jens Hallek auf Anfrage von «Bluewin». «Innerhalb der nächsten Wochen folgt der Rest.»

Der Bund koordiniert die Verteilung an die Spitäler, ein Teil der bereits ausgelieferten Geräte wurde direkt per Helikopter ins vom Coronavirus besonders stark betroffene Tessin geflogen.



Was Beatmungsgeräte angehe, seien «die Kapazitäten bei Weitem nicht ausgeschöpft», sagte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) gestern Montag vor den Medien. 286 Patienten seien derzeit auf diese Maschinen angewiesen. Und: Auch im Tessin gebe es seinen Informationen nach noch freie Plätze. Elf Kantone haben sich sogar bereit erklärt, Patienten aus dem Elsass zu behandeln. 

Kapazitäten massiv ausgebaut

Die Hamilton Medical AG ist im Bereich der Beatmungsgeräte der grösste Hersteller in der Schweiz – «und einer der drei grössten weltweit», wie Hallek sagt. Um auf die Pandemie zu reagieren, hat der Konzern bereits Anfang Jahr, als das Coronavirus sich in China stark ausgebreitet hatte, die Kapazitäten massiv hochgefahren. Doch die Anfragen überstiegen die Liefermöglichkeiten «bei Weitem».

Die Produktion in Domat/Ems wird nun auch an den Wochenenden fortgesetzt, zudem wurden nach Angaben von Hallek neue Mitarbeiter in der Produktion eingestellt und Mitarbeiter intern umgeschult. Insgesamt sind nun 85 Personen für die Herstellung der Beatmungsgeräte zuständig.

Bereits seien Hunderte von Beatmungsgeräten in die am stärksten betroffenen Länder geliefert. Der Bund bestellte bei der Hamilton Medical AG Geräte des Typs «T1 Military». Von allen Gerätetypen werde dieses derzeit am häufigsten produziert, so Hallek.

Kompakt und robust: So sehen die Hamilton-T1-Geräte aus.
Kompakt und robust: So sehen die Hamilton-T1-Geräte aus.
Bild: zVg

«Der Hamilton-T1 hat den Vorteil, dass es ein kleines, sehr flexibel einsetzbares Intensivbeatmungsgerät ist, das sowohl auf Transporten als auch auf der Intensivstation zum Einsatz kommen kann», erklärt er zu den Vorzügen dieses Modells.

Hinzu komme, dass dieses Beatmungsgerät unabhängig von Druckluft funktioniere, da es über eine Turbine verfügt, eine lange Batterielaufzeit und für alle Patientengruppen und verschiedene Therapieformen eingesetzt werden könne.

Weitere Verhandlungen mit dem Bund

Zu den Produktionskapazitäten mag man sich bei der Hamilton Medical AG nicht mehr äussern, «da die Situation extrem dynamisch und unvorhersehbar ist». Erklärtes Ziel ist es aber, die Produktion bis Ende April gegenüber dem Vorjahr zu verdoppeln.

Ob auch der Bund bereits weitere Geräte bestellt hat, kommentiert Hallek vielsagend: «Wir stehen in weiteren Verhandlungen.»

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