Sanktionen umgangen?Schweizer Passagier-Jet fliegt plötzlich unter russischem Kennzeichen
Sven Ziegler
17.2.2026
Eine Bombardier Global 6000 von Swiss Private Jet.
Swiss Private Jet
Eine ehemalige Bombardier Global 6000 aus Genf taucht nach einem Verkauf über Oman mit russischer Kennung wieder auf. Behörden und Betreiber weisen Vorwürfe zurück.
Redaktion blue News
17.02.2026, 10:34
17.02.2026, 10:37
Sven Ziegler
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Eine frühere Schweizer Bombardier Global 6000 fliegt nach einem Verkauf über Oman mit russischer Registrierung.
Betreiber und Behörden betonen, der Verkauf sei korrekt und unter Einhaltung der Sanktionen erfolgt.
Der Zwischenstopp in Oman sorgt dennoch für Diskussionen über mögliche Umgehungswege.
Eine Bombardier Global 6000, die bis Ende 2025 im Schweizer Luftfahrtregister eingetragen war, ist nach einem Verkauf unter russischer Registrierung wieder aufgetaucht. Das berichtet das Branchenportal «Aerotelegraph».
Der Jet trug zuvor die Kennung HB-JFX und war in Genf stationiert. Zuletzt wurde das Langstreckenflugzeug von Swiss Private Jet betrieben, nachdem die Marke Rolex das Flugzeug im Herbst 2023 abgegeben hatte. Eigentümerstruktur und Betrieb lagen gemäss Bericht bei einer Gesellschaft im Kanton Nidwalden.
Ende Dezember 2025 wurde das Flugzeug aus dem Schweizer Register gelöscht. Als Exportziel war Oman angegeben. Kurz darauf erschien der Jet jedoch in Russland – nun mit russischem Kennzeichen.
Sanktionen über den Oman umgangen?
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gelten umfassende internationale Sanktionen, die unter anderem den Export bestimmter Güter und Dienstleistungen nach Russland einschränken. Geschäftsflugzeuge westlicher Hersteller stehen dabei besonders im Fokus, weil sie technisch auf Wartung und Ersatzteile aus dem Ausland angewiesen sind.
Beobachter werten den Zwischenstopp im Oman als mögliche Transitstation. Solche Drittstaaten stehen immer wieder im Verdacht, als Umgehungsroute für Sanktionen genutzt zu werden. Ein direkter Nachweis dafür liegt im konkreten Fall allerdings nicht vor.
Ursprüngliche Ausfuhr erfolgt in den Oman
Der Betreiber betont laut Bericht, der Verkauf sei ordnungsgemäss und unter Aufsicht der zuständigen Schweizer Behörden abgewickelt worden. Begleitet worden sei die Transaktion von einem US-Agenten sowie einer amerikanischen Grossbank. Im Kaufvertrag habe es eine Klausel gegeben, die den Käufer ausdrücklich zur Einhaltung internationaler Sanktionen verpflichtet habe. Auf die spätere Nutzung des Jets habe man keinen Einfluss mehr.
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigt gegenüber dem «Aerotelegraph» die Ausfuhrmeldung nach Oman und die Löschung aus dem Register. Weitere Prüfungen seien nicht erfolgt.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft weist darauf hin, dass Exporte in Drittstaaten nicht automatisch eine spezielle Sanktionsbewilligung auslösen.
Boeing liefert letzten Jumbo-Jet aus
Für den Flugzeugbauer Boeing geht eine Ära zu Ende: Der US-Hersteller hat die letzte Boeing 747 ausgeliefert. Der Jumbo-Jet galt lange Zeit als grösstes Passagierflugzeug der Welt. Airlines setzen heute aber eher auf kleinere Flugzeuge.