Preisvergleich mit EUSchweizer müssen 80 Prozent mehr für dieselben Produkte zahlen
Maximilian Haase
19.12.2025
Auch alltägliche Produkte sind in der Schweiz oft 80 Prozent teurer als in der EU.
Archivbild: Sven Hoppe/dpa
Wer in der Schweiz lebt, muss tiefer in die Tasche greifen: Im Vergleich zur EU zahlt man hierzulande für gleiche Waren und Dienstleistungen 80 Prozent mehr. In einigen Bereichen ist der Unterschied besonders gross.
Dass man in der Schweiz mehr zahlt als anderswo, gilt längst als Binsenweisheit. Eine, die nun durch aktuelle Zahlen bis ins Detail belegt wird: Im Vergleich mit der EU müssen die Schweizerinnen und Schweizer für die gleichen Waren und Dienstleistungen im Schnitt 80 Prozent mehr ausgeben, wie ein Preisvergleich des Bundesamt für Statistik (BfS) nun belegt.
Die Statistik zeigt: Auf der Stufe Bruttoinlandprodukt betrug das Preisniveau der Schweiz im Jahr 2024 158,8 Indexpunkte. Damit ist die Schweiz, in Bezug auf das Preisniveau auf Ebene Bruttoinlandprodukt, das teuerste Land im Vergleich vor Island (151,4) und Luxemburg (130). Im Schnitt müssen Schweizerinnen und Schweizer währungsbereinigt für Produkte und Dienstleistungen, die in der EU 100 Franken kosten, rund 182 Franken berappen.
Besonders hohe Rechnungen bei Dienstleistungen
Für den Preisvergleich packten die statistischen Ämter der Länder die gleichen Produkte in die Warenkörbe. Insgesamt wurden über 2000 Produkte und Dienstleistungen verglichen. Darunter Fleisch, Kleidung, Möbel, Autos und elektronische Artikel wie Laptops und Smartphones.
Besonders teuer fällt die Schweiz in den Bereichen Bildungswesen, Gesundheitswesen und Wohnen aus.
Bild: BFS 2025
Bei Dienstleistungen im stationären Gesundheitsdienst, also der Versorgung in Spitälern und Kliniken, fielen die Rechnungen besonders hoch aus. Diese lagen bis zu dreimal höher als im EU-Schnitt. Auch das Bildungswesen und das Wohnen schlägt mit doppelt so hohen Preisen ins Kontor.
Schweizer Nachbarländer deutlich günstiger
Sieht man nicht nur die Ausgaben der Haushalte an, sondern das gesamte Bruttoinlandprodukt in den Vergleich ein, fallen die Preise in der Schweiz rund 60 Prozent höher aus als im EU-Schnitt. In Österreich zahlen Kundinnen und Kunden rund 17 Prozent mehr. Deutschland und Frankreich liegen jeweils rund 10 Prozent über dem EU-Schnitt, Italien rangiert leicht unter dem Mittelwert.
Das Preisniveau in der Schweiz ist in Europa ungeschlagen.
Bild: BFS 2025
Besonders günstig kommen die Käuferinnen und Käufer in Tiefpreisländern wie Montenegro, Bosnien und Herzegowina, der Türkei und Nordmazedonien. Diese Länder rangieren am Ende der Statistik. Als Schlusslicht liegen die Preise für Waren in Nordmazedonien rund 40 Prozent unter dem EU-Mittelwert.
Unterschiedliche Lohnniveaus
Wirft man einen Blick auf die unterschiedlichen Lohnniveaus in den einzelnen Ländern, relativieren sich die hohen Preise in der Schweiz ein wenig. Der Medianlohn betrug hierzulande im vergangenen Jahr 7024 Franken. Das Lohnniveau in der gesamten EU kommt gerade mal auf rund 3000 Franken. Wie der «Tagesanzeiger» berichtet, dürfte es trotz der höheren Lohnzahlungen in der Schweiz «auch den berüchtigten Schweiz-Zuschlag geben». Hier wird auf die Preise für Software verwiesen: Diese fallen über 20 Prozent höher aus als in der EU.
So reagieren die Menschen in der Schweiz auf die steigenden Preise
Alles wird teurer. Was bedeutet das für die Menschen in der Schweiz? Leert sich ihr Portemonnaie schneller? Schnallen sie den Gürtel enger? blue News hat auf der Strasse nachgefragt.