Trump ist nur das lauteste ProblemSchweizer Pharmaindustrie wird überholt
Stefan Michel
7.11.2025
2024 hat Roche in Basel ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum eröffnet. Doch die Schweizer Pharmaindustrie steht mit ihrer Innovationsfähigkeit nicht mehr an der Spitze.
Bild:Keystone
Die neuste Rangliste der wettbewerbsfähigsten Pharma-Standorte führt die Schweiz auf Platz 3, nach Platz 2 im Vorjahr. Der Branchen-Verband fordert deshalb von der Schweizer Politik bessere Rahmenbedingungen.
Stefan Michel
07.11.2025, 12:53
07.11.2025, 13:29
Stefan Michel
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Die Schweiz ist im neuen Pharma-Wettbewerbsranking von Platz 2 auf Platz 3 gefallen und verliert zunehmend an Innovationsführerschaft.
Die USA führen das Ranking erneut an, während Länder wie Dänemark, China und weitere europäische Staaten aufholen – auch, indem sie die Industrie subventionieren.
Der Branchenverband Scienceindustries fordert bessere Rahmenbedingungen für Forschung und Fachkräfte sowie weniger Regulierung.
Die Pharmaindustrie ist eine der Stützen der Schweizer Wirtschaft. Fast die Hälfte der Exporte sind Produkte der chemischen und pharmazeutischen Industrie.
Doch die Schweiz steht als Pharmastandort unter Druck. Ein neues Ranking von Scienceindustries, dem Verband dieses Sektors, führt die Schweiz auf Platz drei.
Der Bericht beurteilt die Wettbewerbsfähigkeit der Staaten mit den grössten Pharmaunternehmen. Ein Jahr zuvor lag die Schweiz noch auf Platz 2. Die Schweiz teilt sich ihre Position mit Dänemark – dem Heimatland von Novo Nordisk und damit des Abnehm-Medikaments Wegovy.
An der Spitze stehen zum zweiten Mal in Folge die USA. Und sie haben ihren Vorsprung auf die anderen Standorte ausgebaut, schreiben die Autoren des Berichts. Besonders in Bezug auf die Innovation sei die US-Pharmabranche stärker als jeder andere Standort.
Irland hat die Schweiz überholt
Überholt wurde die Schweiz von Irland, das von allen Pharmastandorten die höchste Produktivität aufweist. «Der Hauptgrund dafür ist eine attraktive Steuerpolitik», analysiert der Bericht. Irland zieht seit vielen Jahren internationale Unternehmen mit besonders tiefen Körperschaftssteuern an.
«Bei ‹Innovation und Technologieführerschaft› hat sich die Positionierung der Schweiz verschlechtert. Andere Länder haben hier stark aufgeholt», steht im Bericht.
Mehr noch: Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Pharmaindustrie sinke seit fünf Jahren, lässt sich Studienautor Michael Grass in der «Aargauer Zeitung» zitieren.
Dass dieser relative Abstieg lange vor der zweiten Amtsübernahme Donald Trumps begonnen hat, zeigt, dass dessen Wirtschaftspolitik nicht der einzige Grund ist, weshalb die Schweizer Pharmakonzerne von der Konkurrenz auf dem Weltmarkt zunehmend unter Druck geraten.
Verband stellt Forderungen an die Politik
Konkurrenz erwächst dem Heimatland der Pharmakonzerne Roche, Novartis und Co. aus weiteren europäischen Ländern und aus China. Diverse Länder versuchen innovative Pharmaunternehmen anzuziehen, fördern die Forschung und subventionieren den Sektor mit Milliarden Euro oder Renminbi.
Annette Luther, Präsidentin von Scienceindustries, bezeichnet den Bericht in einer Medienmitteilung dazu als Warnsignal für die Schweiz. Als Reaktion darauf fordert sie in der Schweiz ein forschungs- und generell wirtschaftsfreundliches Umfeld, Förderung der Bildung und von Fachkräften, die sichere Versorgung der Infrastruktur sowie den Abbau der Regulierung der Branche. In der «Aargauer Zeitung» regt sie zudem eine «flexible Umsetzung der OECD-Mindeststeuer» an.
«Das Resultat des diesjährigen Global Industry Competitiveness Index 2025 ist ein Warnsignal für die Schweiz», betont Luther. Trump, drohende Zölle und staatlich begrenzte Preise in den USA sind die jüngsten Herausforderungen, aber bei weitem nicht das einzige Problem der Schweizer Pharmaindustrie.
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