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Am Gullfoss-Wasserfall in Island ist eine Schweizer Reiseleiterin von einem Touristen attackiert worden. Die 36-Jährige wurde verletzt – und fühlt sich von der Polizei im Stich gelassen.
ZVG
Am Wasserfall Gullfoss eskalierte ein Parkplatz-Streit: Ein Tourist stürmte in den Reisebus der Schweizerin Jessica Zimmerman und attackierte sie. Während die 36-Jährige verletzt zurückblieb, konnte der Täter unbehelligt per Fähre nach Dänemark fliehen.
Eine Schweizerin berichtet, in Island Opfer einer brutalen Attacke geworden zu sein. Jessica Zimmerman, seit Jahren als Reiseleiterin für ein Busunternehmen unterwegs, schildert gegenüber blue News, wie sie am berühmten Wasserfall Gullfoss von einem Touristen tätlich angegriffen wurde.
Auslöser war laut ihrer Darstellung ein Streit um einen Parkplatz. Ein Tourist hatte seinen Camper auf einem der wenigen Busparkplätze abgestellt.
Zimmerman sprach ihn an und bat ihn freundlich, umzuparkieren. Als er nicht reagierte, fotografierte sie sein Kennzeichen mit dem Tablet – und stellte dabei fest: Der Fahrer stammt offenbar selbst aus der Schweiz. Vorne war das Nummernschild zwar abmontiert, hinten prangte jedoch ein Walliser Kennzeichen.
Das passte dem Mann offenbar gar nicht. Nach ihren Angaben riss er die Bustür auf und stürmte in den Reisebus. «Er schrie auf Englisch: ‹Give me that fucking picture! Give me that fucking tablet!›», erinnert sich Zimmerman.
Dann habe er sie am Bein gepackt und Richtung Ausgang gezerrt. Erst ein anderer Fahrer konnte eingreifen, den Angreifer von ihr wegziehen und aus dem Bus drängen. Danach flüchtete der Mann zusammen mit seiner Begleiterin.
Die 36-Jährige spricht von Prellungen, gebrochenen Nägeln und einer Verstauchung am Handgelenk. «Ich habe geschrien wie am Spiess – er soll weg, er soll raus», sagt sie.

Die Schweizerin erlitt nach dem Vorfall Prellungen.
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Noch frustrierender als die Gewalt selbst empfand sie die Reaktion der Polizei. «Ich rief den Notruf an. Doch sie wollten niemanden schicken, weil er schon verschwunden war.»
Statt eine Anzeige aufzunehmen, verwiesen die Beamten sie auf ein Online-Formular – in isländischer Sprache. Am nächsten Tag liess Zimmerman ihre Verletzungen beim Arzt dokumentieren.
Erst auf Druck ihres Anwalts nahmen die Behörden später Kontakt mit den Fährbetreibern auf. Dabei stellte sich laut der Schweizerin heraus, dass der mutmassliche Täter bereits zwei Tage nach dem Vorfall mit der Fähre nach Dänemark ausgereist war.
Für Zimmerman bleibt der Ärger: «Dass so etwas nicht schneller verfolgt wird, ist für mich unverständlich.»
Laut isländischen Medien wurde der Name des Verdächtigen zwar bereits an die Behörden weitergegeben, bestätigt ist das bisher aber nicht. Polizeisprecher Garðar Már Garðarsson rechtfertigte gegenüber der lokalen Presse das Vorgehen: Da die Tat bereits vorbei gewesen sei, habe man die Betroffene an das Online-Formular verwiesen.
blue News wollte von der Polizei wissen, was der Stand der Ermittlungen ist, ob der Fahrzeughalter bereits bekannt sei und ob die Fährbetreiber kontaktiert wurden. Eine Antwort blieb zunächst aus. Auch der Parkplatzbetreiber reagierte nicht.
Während die Polizei schweigt, kocht die Empörung im Netz hoch. «Dies ist ein enormes Versagen seitens der isländischen Polizei und auch des Reiseveranstalters, für den sie arbeitet», schreibt eine Frau auf Facebook. Viele kritisieren, dass die Behörden den Fall nicht ernst genug nähmen und den Täter womöglich ungeschoren davonkommen liessen.
Andere regen sich über die tatenlosen Zuschauer auf. «Was mich besonders aufregt – aber nicht überrascht: So viele Menschen standen daneben und taten nichts», kommentiert eine Nutzerin. «In dieser Gesellschaft wird Konflikten so sehr aus dem Weg gegangen, dass man einfach zusieht, wie eine Kollegin und unschuldige Frau körperlich angegriffen wird. Eine Schande.»