Tausende Arbeitslose warten auf GeldKantone warnten Bund monatelang vor IT-Debakel
Sven Ziegler
29.1.2026
Tausende Menschen warten noch immer auf ihr Geld. (Symbolbild)
sda
Schon Monate vor dem Start des neuen Auszahlungssystems für Arbeitslose schlugen die Kantone Alarm. Interne Protokolle zeigen: Das Seco kannte die Risiken – setzte das Projekt dennoch um.
Interne Unterlagen, die den Tamedia-Zeitungen vorliegen, zeigen nun: Die Schwierigkeiten kamen nicht überraschend. So warnten kantonale Arbeitsmarktbehörden das Seco bereits im Juli 2025 eindringlich vor den Risiken. In einem Protokoll eines Austauschs zwischen Bund und Kantonen bezeichneten Vertreter die Umsetzungspläne unter anderem als «nicht realistisch und nicht praktikabel» sowie als «Wunschdenken».
Aus dem Protokoll geht weiter hervor, dass dem Seco die Folgen eines längeren Systemunterbruchs bewusst waren. Die Behörde informierte die Kantone damals, dass während der fast dreiwöchigen Abschaltung mit einem sehr hohen Kundenandrang zu rechnen sei – allein rund 10’000 Neuanmeldungen.
Seco wusste von drohendem Ansturm
Ein Walliser Sektionschef reagierte gemäss Unterlagen besorgt. Er wies darauf hin, dass sich der Ansturm nicht gleichmässig verteilen würde.
Auch andere Kantonsvertreter warnten vor einem kaum zu stemmenden Mehraufwand – und kritisierten, dass keine klaren Notlösungen vorgesehen seien.
Besonders kritisch sahen die Kantone das Wiederhochfahren der Systeme. Der Informatikverantwortliche des Kantons St. Gallen warnte vor einer massiven Belastung in den ersten Betriebstagen. Genau das trat ein: In den vergangenen Wochen brachen die Systeme wiederholt zusammen, als Zehntausende Arbeitslose versuchten, Formulare hochzuladen.
Seco spricht von «normalen Problemen»
Das Seco räumt zwar Fehler ein, verweist aber auf Altlasten früherer Projektphasen. Probleme bei einer grossen IT-Umstellung seien normal, da sich reale Bedingungen nicht vollständig simulieren liessen. Verzögerungen im Dezember stuft das Amt als gering ein.
Politisch ist der Fall damit jedoch nicht erledigt: Nun befasst sich auch die Parlamentsaufsicht mit dem umstrittenen IT-Grossprojekt, schreiben die Tamedia-Zeitungen weiter.
Von den gravierenden Problemen sind wohl viele der rund 145'000 registrierten Arbeitslosen betroffen. Noch ist unklar, ob alle Versicherten ihr Geld im Januar fristgerecht erhalten werden.