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Das Seepferchen-Emoji ist scheinbar überall, existiert hat es aber nie wirklich.
KI-generiert
Viele Menschen glauben, es habe früher ein Seepferdchen-Emoji gegeben. Doch dieses Emoji hat offiziell nie existiert. blue News erklärt, woher diese falsche Erinnerung kommt – und was das Thema mit Politik zu tun hat.
Seit Monaten tobt auf Instagram, TikTok und Reddit eine kuriose Diskussion. Es geht um ein Emoji, das es angeblich nie gegeben hat – das Seepferdchen. Zahlreiche Internet-User sind aber felsenfest überzeugt: Früher war da eines. Gelb oder pink, ganz sicher. Viele wollen es sogar selbst benutzt haben.
In den Online-Diskussionen wird es erstaunlich konkret. Auf Reddit beschreibt jemand, das Seepferdchen habe «nach links» geschaut. Andere User liefern vermeintliche «Beweise» in Form von Screenshots, auf denen das Tierchen in einem Emoji-Menü auftaucht.
Auf TikTok kursieren Videos, in denen die Zuschauenden fast schon in verschwörungstheoretischem Ton gefragt werden: «Erinnerst du dich auch noch an das Seepferdchen-Emoji?»

In der vierten Spalte und dritten Zeile wird ein Seepferchen-Emoji gezeigt.
Screenshot/Reddit
Ein besonders hartnäckiger Nutzer wandte sich sogar an Apple direkt und schrieb im Forum: «Wo ist das Seepferdchen-Emoji auf dem iPhone? Bitte nehmen Sie diese Anfrage ernst.» Doch so sehr sich die Leute auch erinnern wollen: Dieses Emoji hat es nie gegeben. Zumindest nicht offiziell.
Was viele nicht wissen: Emojis sind heute Teil eines weltweiten technischen Standards. Dieser sogenannte Unicode-Standard legt seit 2010 fest, welche Symbole von Geräten wie iPhones oder Android-Smartphones unterstützt werden sollten. Ziel ist es, dass Nachrichten überall gleich dargestellt werden – unabhängig vom Hersteller.
In diesem Unicode-Standard gab es jedoch nie ein Seepferdchen-Emoji. Was dort nicht aufgeführt ist, existiert offiziell auch nicht.
Allerdings: Bevor Unicode sich durchgesetzt hat, gab es eine Zeit, in der Hersteller, Webseiten und Chat-Programme ihre eigenen Symbole entwarfen.
In Programmen wie MSN Messenger oder Skype tauchten hin und wieder Seepferdchen-Emojis auf. Auch auf privaten Webseiten wurden damals kreative Emoji-Sammlungen angeboten – ähnlich wie das heute bei Slack der Fall ist. Es ist also denkbar, dass sich gewisse Leute an solche Symbole erinnern – nur: Offizielle Emojis waren es nie.
Aber warum sind so viele Leute überzeugt, dass es das Seepferdchen-Emoji gab? Fachleute sprechen in solchen Fällen vom «Mandela-Effekt».
Dabei handelt es sich um eine kollektive Erinnerung an Dinge, die in Wahrheit nie passiert sind. Benannt ist das Phänomen nach Nelson Mandela, von dem viele Menschen fälschlicherweise glaubten, er sei in den 1980er-Jahren im Gefängnis gestorben – tatsächlich lebte er bis 2013.
Solche falschen Erinnerungen entstehen oft unbewusst. Wenn Menschen in einer Gruppe über vermeintliche Erinnerungen sprechen, entsteht oft eine Dynamik: Aussagen anderer beeinflussen, wie wir uns selbst erinnern. Je häufiger eine Geschichte erzählt wird, desto realer wirkt sie. Das Gehirn gleicht fehlende Details an und schafft daraus eine scheinbar klare Erinnerung. Fachleute nennen das Erinnerungsfälschung.
Ein besonders wirksamer Auslöser ist Suggestion. Wenn jemand fragt: «Weisst du noch, das Seepferdchen-Emoji?», ist das kein neutraler Satz. Er setzt voraus, dass es das Emoji gibt. Das Gehirn beginnt, nach Bestätigung zu suchen. Wer unsicher ist, schliesst sich oft der Gruppe an, weil es sich sicherer anfühlt.
Besonders in sozialen Netzwerken, wo geteilte Meinungen schnell sichtbar sind, entsteht so leicht ein Sog kollektiver Falscherinnerungen.
Dieses Prinzip wird nicht nur im Internet sichtbar. Auch in der Politik spielt Suggestion eine wichtige Rolle. Durch bewusst gewählte Begriffe wird beeinflusst, wie Menschen über ein Thema denken.
Wird eine Steuererhöhung als «Solidaritätsbeitrag» bezeichnet, klingt es positiv. Sprechen Gegner von einer «Belastung des Mittelstands», wirkt es negativ. Beide Begriffe rahmen dasselbe Thema unterschiedlich.
Je öfter solche Begriffe und Bilder wiederholt werden, desto stärker setzen sie sich im kollektiven Gedächtnis fest. Ganz ähnlich wie beim Seepferdchen-Emoji: Irgendwann klingt es einfach «logisch», obwohl die ursprüngliche Behauptung gar nie geprüft wurde.