Kuriose Pläne in Stäfa ZH Senioren sollen direkt über Kläranlage wohnen – für 1400 Franken

Dominik Müller

25.11.2025

Könnte künftig ganz anders aussehen: Die Abwasserreinigungsanlage in Stäfa.
Könnte künftig ganz anders aussehen: Die Abwasserreinigungsanlage in Stäfa.
Google Street View

Eine Initiative will das Zentrum von Stäfa ZH neu denken – mit Alterswohnungen über der Kläranlage. Am 1. Dezember entscheidet die Gemeindeversammlung.

Dominik Müller

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  • Eine Vorlage in Stäfa ZH will über der Kläranlage Sonnenwies 50 günstige Alterswohnungen auf Stelzen bauen.
  • Damit soll dem Mangel an Seniorenwohnraum entgegengewirkt werden.
  • Der Gemeinderat äussert Bedenken wegen Kosten, Geruchsbelastung und fehlender Ausbaureserven.

In Stäfa ZH wird bald über ein ungewöhnliches Ansinnen abgestimmt, um günstigen Wohnraum für Seniorinnen und Senioren zu schaffen. Die Einwohner Hens Bonomo und Fredy Sigg machen sich dabei für eine Idee stark, die in der Schweiz einzigartig wäre, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Ihr Vorschlag: 50 Alterswohnungen über der Kläranlage Sonnenwies, gebaut auf hohen Stelzen. «Wir könnten kostengünstig und an bester Lage bauen», sagen sie der Zeitung. Die IG Sonnenwies soll das Projekt voranbringen, das sie selbst als «Novum für die Schweiz» bezeichnen.

Das Areal im Dorfzentrum würde so gleich dreifach genutzt: unterirdisch die Kläranlage, darauf weiterhin der bestehende öffentliche Parkplatz und neu auf einer Plattform darüber Wohnungen für rund 50 Haushalte.

So soll das Projekt umgesetzt werden.
So soll das Projekt umgesetzt werden.
Abstimmungsunterlagen Stäfa/IG Sunnewies

«Idee ist zu gut, um sie zu ignorieren»

Am 1. Dezember entscheidet die Gemeindeversammlung, ob der Gemeinderat eine Umsetzung ausarbeiten muss. Bei einem Ja würde die Gemeinde einen Wettbewerb lancieren, um einen Investor zu finden, der baut und betreibt.

Die Idee existiert bereits seit 2010. «Wir waren schon damals überzeugt, dass die Idee zu gut ist, um sie zu ignorieren», sagt Sigg zum «Tages-Anzeiger». Der Gemeinderat hingegen bleibt skeptisch und verweist auf «geringe Erfolgschancen».

Sorge um Gerüche

Bonomo und Sigg rechnen gemäss Bericht mit Mieten zwischen 1400 und 1700 Franken – möglich, weil kein Bauland gekauft werden müsste. Zudem liege der Standort zentral. «Der Parkplatz hier ist eine Brache am teuersten Ort, den man haben kann», wird Bonomo zitiert.

Der Gemeinderat warnt vor teuren Bohrungen, möglichen Gerüchen und fehlender Ausbaureserve für die Kläranlage. Auch die Geruchsemissionen der Kläranlage sind für den Gemeinderat ein Kontra-Argument.

Sigg hält dagegen und verweist auf eine Pensionskasse mit «konkretem Interesse». Die Parteien sind gespalten: SP, Mitte und SVP sagen Ja – FDP und GLP Nein.


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