Frau engagierte sich im Dorf Seniorin vererbt Gemeinde 653'000 Franken – ihre Wohnung wird zur Asylunterkunft

Petar Marjanović

29.5.2026

Die Gemeinde Klingnau erbt das Vermögen einer verstorbenen Bürgerin.
Die Gemeinde Klingnau erbt das Vermögen einer verstorbenen Bürgerin.
KEYSTONE

Eine kinderlose Seniorin aus Klingnau hat ihrer Gemeinde das gesamte Vermögen vermacht – 653'000 Franken. Die geerbte Wohnung dient nun als Asylunterkunft.

Petar Marjanović

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine kinderlose Seniorin aus Klingnau vermachte der Aargauer Gemeinde ihr gesamtes Vermögen von 653'000 Franken.
  • Die Summe entspricht rund sechs Steuerfussprozenten und kommt einer Gemeinde zugute, die wegen einer 20-Millionen-Sanierung Schulden aufnimmt.
  • Die geerbte 4½-Zimmer-Wohnung verkauft die Gemeinde vorläufig nicht, sondern nutzt sie als Asylunterkunft – heute lebt dort eine ukrainische Familie.

Eine kinderlose Seniorin aus Klingnau hat der Aargauer Gemeinde ihr gesamtes Vermögen vermacht – insgesamt 653'000 Franken. Das berichtet die «Aargauer Zeitung». «Für uns kam diese Erbschaft völlig unverhofft», sagt Verwaltungsleiter Ueli Gantenbein gegenüber der Zeitung.

Für die 3700-Einwohner-Gemeinde sei das ein aussergewöhnlicher Geldsegen: Die Summe entspricht rund sechs Steuerfussprozenten. Klingnau nimmt derzeit hohe Schulden auf, weil es Schulhaus und Turnhalle für rund 20 Millionen Franken saniert. Zum Nachlass gehören eine 4½-Zimmer-Eigentumswohnung sowie Bargeld und Guthaben.

Die Frau starb im vergangenen September, wenige Jahre nach ihrem Ehemann. Das Paar hatte keine Kinder, lebte aber jahrzehntelang in Klingnau und engagierte sich in Vereinen. «Sie fühlten sich mit Klingnau verbunden», sagt ein guter Bekannter laut «Aargauer Zeitung».

Die geerbte Wohnung will die Gemeinde vorläufig nicht verkaufen, sondern nutzt sie wegen des Wohnungsmangels als Asylunterkunft. Heute lebt dort eine ukrainische Familie.

Gemeinden erben immer wieder

Solche Glücksfälle erleben auch andere Gemeinden – und manche bringen sie sogar in Verlegenheit. Richterswil am Zürichsee erbte von einer verstorbenen Bewohnerin eine 5,5-Zimmer-Wohnung im Wert von 1,9 Millionen Franken sowie zusätzlich 940'000 Franken, wie die «Zürichsee-Zeitung» berichtete.

Dass eine Gemeinde überhaupt erbt, hat meist einen von zwei Gründen. Entweder berücksichtigt jemand seine Wohngemeinde bewusst im Testament – kinderlose Personen können ihr Vermögen dank der grossen freien Quote im Schweizer Erbrecht frei verteilen. Oder es fehlen Testament und gesetzliche Erben ganz, dann fällt der Nachlass automatisch ans Gemeinwesen, meist aufgeteilt zwischen Kanton und Wohngemeinde.


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