Tragödie in Crans-Montana«Sie haben das nicht absichtlich getan» – Freund verteidigt Barbetreiber Moretti
Samuel Walder
22.2.2026
Ein Freund der Morettis meldet sich jetzt zu Wort und verteidigt die Barbetreiber.
KEYSTONE
Während der Prozess zur Brandkatastrophe von Crans-Montana läuft, meldet sich ein enger Freund von Jacques Moretti zu Wort. Er hält zum Barbetreiber – und spricht von einem «schrecklichen» Unglück, das niemand absichtlich verursacht habe.
Ein enger Freund von Jacques Moretti stellt sich trotz der Brandkatastrophe von Crans-Montana öffentlich hinter den Barbetreiber und betont, die Tat sei nicht vorsätzlich geschehen.
Der Freund bestätigt frühere finanzielle Unterstützung beim Umbau der Bar, weist jedoch Gerüchte zurück, er habe die Kaution von 400'000 Franken bezahlt.
Während der Prozess weiterläuft, verweist Morettis Anwalt auf das Untersuchungsgeheimnis und warnt vor Spekulationen aus dem Privatleben.
Mitten im aufwühlenden Gerichtsprozess rund um die Brandkatastrophe von Crans-Montana meldet sich nun ein enger Freund von Jacques Moretti zu Wort. Gilles, der den Barbetreiber seit den 2000er-Jahren kennt, steht weiterhin zu ihm – trotz der Tragödie mit 41 Toten.
Wie RTS berichtet, waren Moretti und Gilles früher beide im Milieu tätig. Gilles betrieb fast 20 Jahre lang eine Escort-Website, die er 2022 verkaufte. Als Moretti 2008 wegen Zuhälterei verurteilt wurde, war Gilles ein enger Gesprächspartner. Strafrechtlich verfolgt wurde er damals nicht.
Im Gespräch mit dem «Tagesanzeiger» beschreibt Gilles ihre Verbindung so: «Wenn man sich wieder begegnet, ist es, als wäre die Zeit nie vergangen.»
41 Tote – viele davon minderjährig
Was in der Neujahrsnacht in der Bar «Le Constellation» geschah, nennt Gilles «schrecklich». Beim Brand kamen 41 Menschen ums Leben, viele davon minderjährig. Über hundert weitere wurden teils schwer verletzt.
«Ich bin selbst Vater», sagt er. «Niemand ist dafür gemacht, sein eigenes Kind zu überleben.»
Trotz allem verteidigt er Moretti und dessen Ehefrau: «Aber, mein Gott, sie haben das nicht absichtlich getan. Ich fürchte den Moment, in dem ich ihn und seine Frau wiedersehen werde. Sie sind am Boden zerstört. Ich weiss nicht, wie man damit leben kann.»
Finanzielle Unterstützung – aber keine Millionen-Kaution
Gilles hatte auch eine direkte Verbindung zur Katastrophen-Bar: Er lieh dem Ehepaar für den Umbau «weniger als 30’000 Franken», wie er bestätigt. Das Geld sei zurückgezahlt worden. Wenn die Morettis die Bar übernommen hätten, hätten sie kaum Mittel gehabt und wären auf Hilfe von Verwandten und Freunden angewiesen gewesen.
Nach der Hinterlegung einer Kaution von 400'000 Franken durch eine unbekannte Person kursierte das Gerücht, Gilles habe diese Summe bezahlt. Das weist er entschieden zurück: «Ich bin kein Milliardär.»
Dass das Verhältnis weiterhin eng ist, zeigt eine Einladung zum Geburtstag des ältesten Sohnes der Morettis.
Anwalt schweigt – «trägt nicht zur Wahrheitsfindung bei»
Morettis Anwalt Patrick Michod wollte sich gegenüber dem «Tagesanzeiger» nicht zu Gilles’ Aussagen äussern. Zum einen aus Respekt vor dem Untersuchungsgeheimnis, zum anderen, «weil diese Punkte in keinem Zusammenhang mit dem Sachverhalt stehen und in keiner Weise zur Wahrheitsfindung beitragen».
Informationen aus dem Privatleben seines Mandanten würden lediglich «Wut und Spannungen schüren».