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Das SoLa wird teurer: Die Kürzung der J+S-Beiträge trifft die Pfadibewegung und besonders Kinder aus einkommensschwachen Familien.
Keystone (Archivbild)
Jugend+Sport muss seine Beiträge an Sportvereine und Pfadis kürzen. Grund ist der Sparbefehl des Parlaments. Das wird Pfadi-Lager für Eltern deutlich teurer machen. Doch im Nationalrat formiert sich Widerstand.
Jugend+Sport (J+S) fördert Sport und andere Freizeitaktivitäten und ist damit sehr erfolgreich. Noch nie haben so viele an Trainings, Kursen oder Lagern teilgenommen wie 2024, nämlich 680'000 junge Menschen.
Doch der Erfolg hat einen Haken: Das Budget von J+S ist gedeckelt auf 115 Millionen Franken pro Jahr. Je mehr Kinder teilnehmen, desto weniger Beiträge gibt es pro Kopf. Das Programm hat deshalb vor Kurzem bekannt gegeben, dass es die Beiträge, die es pro Kind an die Vereine auszahlt, 2026 um 20 Prozent kürzen muss.
Ein Aufschrei geht nach der Bekanntgabe durch Öffentlichkeit und die Politik von links bis rechts.
Was die Kürzung im von ehrenamtlicher Freiwilligenarbeit getragenen Vereinsleben bedeutet, lässt sich an den traditionellen Sommerlagern der Pfadi, Blauring, Jungschar und Cevi zeigen.
Der «Blick» hat sich von der Pfadi Allschwil BL das Lager-Budget vorlegen lassen. Darin machen die J+S-Beiträge 42 Prozent der Einnahmen aus – 14'000 Franken bei Gesamtkosten von 33'000 Franken. Rund 4000 Franken hat die Pfadi mit Aktionen wie Kuchenverkauf und Spendenaufrufe selber verdient. Die restlichen 15'000 bezahlen die Eltern der teilnehmenden Kinder mit ihren Lagerbeiträgen. 220 Franken bezahlen sie für die zwei Wochen eines Kindes. Nach der J+S-Kürzung müssten sie diesen Betrag um 50 bis 60 Franken erhöhen, rechnen die Allschwiler Pfadis vor.
Die Dachorganisation Pfadibewegung Schweiz hat «CH-Media» eine typische Lagerrechnung vorgelegt. Darin decken die J+S-Beiträge sogar mehr als die Hälfte der Kosten. Dafür liegt der Beitrag der Eltern tiefer als bei der Pfadi Allschwil BL, nämlich 160 Franken für zwei Wochen. Die Pfadibewegung rechnet mit einer Erhöhung der Elternbeiträge um 40 bis 80 Franken pro Kind.
Möglichst tiefe Elternbeiträge sind ein Credo der Pfadi, damit auch Familien mit geringem Einkommen ihre Kinder ins Lager schicken können. Haben sie zwei oder sogar drei Kinder, geht das ins Geld. Und auch eine nicht dramatisch klingende Erhöhung kann ihren finanziellen Rahmen sprengen.
Auf Kosten der Kinder und der Jugend zu sparen, ist den Wähler*innen schwer zu verkaufen. Von rechts bis links exponieren sich nun Parlamentarier*innen mit der Ankündigung, in der Budget-Debatte im Februar 2026 für eine Erhöhung des Bundesbeitrags an J+S zu stimmen.
In dieser Richtung äussern sich bei «20 Minuten» die Nationalrätinnen Simon Stadler (Mitte/UR), selber J+S-Leiter, Sportwissenschaftlerin Andrea Zryd (SP/BE), Gerhard Andrey (GP/JU) und Michael Götte (SVP/SG) ebenfalls ausgebildeter J+S-Leiter und Coach. Selbst Alex Farinelli (FDP/TI), der sonst eher für eiserne Budgetdisziplin steht, findet, da müsse sich etwas machen lassen, denn kürzen bei den Kindern zu kürzen, ergebe weniger Sinn.
Was das bringen könnte, deutet ein*e Kommentarschreiber*in bei «20 Minuten»an: Die Abnehmspritze beschere den Krankenkassen Mehrkosten von 300 Millionen Franken pro Jahr. Wenn es stattdessen gelänge, Übergewicht dank genügend Sport in der Kindheit und Jugend zu vermeiden, wäre eine Erhöhung des Budgets von J+S von aktuell 115 Millionen Franken jährlich vielleicht kostenneutral oder würde die Bundeskasse insgesamt sogar entlasten.
Auch eine Petition, die innert zwei Wochen 140'000 Menschen unterschrieben haben, zeigt, dass J+S viel Kredit Vertrauenskredit geniesst. Doch aktuell gilt die Beitragskürzung. Wenn das Parlament für 2026 nicht mehr Geld spricht, müssen Pfadis und viele weitere Vereine ihre Aktivitäten billiger machen oder herunterfahren.