«Gut gemacht, Herr Bundesrat»So reagieren Politik und Wirtschaft auf den Zoll-Deal mit den USA
Noemi Hüsser
14.11.2025
Die Einigung im US-Zollstreit sei wichtig für die Schweizer Wirtschaft, schrieb Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy auf X.
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Der Zolldeal mit den USA sorgt in der Schweiz für vorsichtigen Applaus. Politik und Verbände loben die Einigung als wichtigen Fortschritt – warnen aber vor Euphorie und fordern weitere Schritte.
Die Schweiz und die USA haben sich auf eine Reduktion der US-Zölle für Schweizer Waren von 39 auf 15 Prozent geeinigt, was als Etappenerfolg gewertet wird.
Bundesrat Parmelin erhält Lob für den Deal, doch Parteien fordern weitere Zollsenkungen.
Wirtschaftsverbände begrüssen die Einigung, sehen aber weiterhin grosse Herausforderungen für Export und Industrie.
Die Schweiz und die Vereinigten Staaten haben sich in ihrem monatelangen Zollstreit geeinigt. Das haben der US-Handelsdelegierte Jamieson Greer und der Bundesrat am Mittwochnachmittag bekanntgegeben.
Sowohl die FDP als auch die Mitte-Partei anerkennen zwar die Verhandlungsleistung von Bundesrat Guy Parmelin in Washington. Sie beurteilen den US-Zollsatz von 15 Prozent auf Schweizer Waren aber immer noch als hoch.
FDP-Fraktionschef und Nationalrat Damien Cottier (NE) bezeichnete den mit den USA vereinbarten Zollsatz von 15 Prozent auf Einfuhren aus der Schweiz als «sehr hoch». Er sei für die kleinen und mittleren Unternehmen und die Arbeitsplätze aber viel besser als der vorherige, «sehr problematische Satz» von 39 Prozent, teilte er am Freitag mit.
Die Verhandlungen für noch tiefere Zollsätze müssten weitergehen, verlangte Cottier im Kurznachrichtendienst X, schickte aber ein «Bravo» an den Bundesrat für den Etappenerfolg. Das Resultat müsse jetzt analysiert werden.
Un taux de 15% reste très élevé mais est bien sûr beaucoup mieux que les très problématiques 39% pour nos PME, nos entreprises et nos emplois. Il faudra continuer de négocier pour abaisser encore ce taux. Mais bravo au CF pour ce succès d'étape qu'il faudra analyser en détail. https://t.co/G06A9885IF
Der Walliser Nationalrat und Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy hielt derweil ebenfalls auf X fest, die Einigung im US-Zollstreit sei wichtig für die Schweizer Wirtschaft, sie schaffe Rechtssicherheit. Sie sei «ein Zwischenerfolg», denn für eine abschliessende Beurteilung werde der Preis der Einigung entscheidend sein.
Die Einigung im Zollstreit ist wichtig für die Schweizer Wirtschaft, sie schafft Rechtssicherheit. Ein Zwischenerfolg! Entscheidend für die abschliessende Beurteiligung des Ergebnisses wird sein, was der "Preis" für diese Einigung sein wird. https://t.co/7gaoAwQvKF
Die SVP gibt sich stolz nach den erfolgreichen Zoll-Verhandlungen ihres Parteimitglieds: «Gut gemacht, Herr Bundesrat Parmelin», hiess es in einer Mitteilung vom Freitagnachmittag. Volkswirtschaftsminister Guy Parmelin habe «einmal mehr geliefert».
Die Partei ergriff auch gleich die Gelegenheit, gegen die EU auszuteilen: Der sogenannte EU-Unterwerfungsvertrag sei keine Lösung. Der Deal mit den USA habe gezeigt, wie die Schweiz eigenständig und im Interesse ihrer Wirtschaft handeln könne. Das sei «die Erfolgsformel der Schweiz: Wirtschaftlich offen sein, ohne sich politisch einbinden zu lassen».
«Wichtiger, aber nicht ausreichenden Hebel»
Der Techindustrie-Dachverband Swissmem sieht den Deal grundsätzlich positiv. Die Nachverhandlungen des Bundesrates mit der US-Regierung hätten sich ausbezahlt, schreibt der Verband am Freitag in einer Mitteilung. Dies bedeutet laut Swissmem aber lediglich ein kurzes Aufatmen. Denn von einer Entwarnung könne noch keine Rede sein. Weiterhin würden sich viele Faktoren negativ auf die Chancen der Schweizer Exportindustrie auswirken.
Der Druck auf die Unternehmen der Schweizer Tech-Industrie bleibe nach mittlerweile neun Quartalen mit Umsatz-Rückgang enorm. Die Devise sei deshalb klar: «Die Politik muss die Rahmenbedingungen für den Werkplatz entschlossen verbessern.»
Auch der auf MEM-KMU spezialisierte Verband Swissmechanic begrüsst den Deal. Für die MEM-Branche sei die Senkung «eine gute Nachricht», sagte Nicola Tettamanti, Präsident von Swissmechanic, zur Nachrichtenagentur AWP. «Erstmals haben wir wieder gleiche Rahmenbedingungen im US-Markt wie unsere europäischen Wettbewerber.»
Insgesamt bleibe die Gesamtlage aber schwierig. «Der starke Franken und hohe Herstellungskosten bleiben bestehen», so Tettamanti weiter. Zudem würde die Branche unter einer schwankenden Nachfrage, hohen Energiekosten und einer global angespannten Investitionsdynamik leiden. «Swissmechanic bewertet die Zollreduktion deshalb als einen wichtigen, aber nicht ausreichenden Hebel», teilte der Verband weiter mit.
Handel Schweiz sehr erfreut
Der Branchenverband Handel Schweiz zeigt sich über den Zolldeal mit den USA sehr erfreut. «Die Lösung ist ein wichtiges Signal an den Handelsplatz Schweiz und bringt dringend benötigte Planungssicherheit für die Wirtschaft.»
Das Abkommen verhindere weitere Belastungen für Schweizer Unternehmen und sichere die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, schrieb der Verband am Freitag in einem Communiqué. «Wir freuen uns sehr über die Einigung. Sie ist für die Schweizer Wirtschaft von grosser Bedeutung», erklärte Verbandsdirektor Kaspar Engeli.
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