«Absurdes, faktenfreies Gebrabbel»So reagieren Schweizer Politiker auf die Rede Donald Trumps
Oliver Kohlmaier
21.1.2026
SP-Co-Präsident Cédric Wermuth griff Donald Trump nach seiner Rede vor dem WEF scharf an.
sda (Archivbild)
Donald Trump redete in Davos eineinhalb Stunden lang. Ungewöhnlich viel Zeit nahm er sich dabei auch für das Gastgeberland. So reagieren Schweizer Politiker.
Redaktion blue News
21.01.2026, 20:59
22.01.2026, 07:12
Oliver Kohlmaier
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Bei seiner Rede am WEF in Davos redete Donald Trump viel über die Schweiz.
Der US-Präsident griff ausserdem Bundesrätin Karin Keller-Sutter an, ohne ihren Namen zu nennen.
Die Reaktionen aus Bundesbern fallen unterschiedlich aus. Während sich die SVP-Politiker zurückhaltend äussern, ist die Kritik aus der SP scharf.
So lange redete wohl noch kein US-Präsident am WEF über das Gastgeberland. Vor allem auf Bundesrätin Karin Keller-Sutter hat es Donald Trump abgesehen. Als sich die damalige Bundespräsidentin wegen der Zollverhandlungen bei ihm gemeldet habe, habe sie sich immer wieder wiederholt und darauf hingewiesen, dass die Schweiz ein kleines Land sei.
«Sie hat mich genervt» und «keinen guten Eindruck hinterlassen», sagte Donald Trump unter anderem. Ihren Namen nannte der Präsident dabei kein einziges Mal, bezeichnete sie jedoch als «Premierministerin».
«Ohne uns wäre die Schweiz nicht mehr die Schweiz»: Insgesamt kommt das Gastgeberland in Trumps Rede nicht gut weg. Die Reaktionen aus Bern fallen entsprechend kritisch aus.
Besonders scharf ging Cédric Wermuth, Co-Präsident der SP, den US-Präsidenten an. Auf Bluesky fragt Wermuth rhetorisch: «Bin nur ich das oder ist das selbst für trumpsche Standards ein neuer Tiefpunkt absurden, zusammenhanglosen, fakenfreien Gebrabbels?»
Die Rede sei «um einiges extremer und irrer als alles bisher Bekannte», sagte Wermuth ausserdem zu «20 Minuten». «Dieser Mann ist eine ernsthafte Gefahr für Europa und die Welt, das muss inzwischen allen klar sein», erklärt er und fügt hinzu: «Wir erwarten von Bundespräsident Guy Parmelin, dass er jetzt Klartext spricht und Haltung zeigt für das Völkerrecht, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Schweizer Souveränität.»
Holy shit. Bin nur ich das oder ist das selbst für trumpsche Standards ein neuer Tiefpunkt absurden, zusammenhanglosen, faktenfreien Gebrabbels? #wef #trump
Karin Keller-Sutter liess indessen über ihren Sprecher Pascal Hollenstein mitteilen, man gehe davon aus, dass die Bevölkerung in der Schweiz die Rede Trumps einzuordnen wisse.
«Da war nichts Neues dabei»
Parteikollege Fabian Molina nahm Keller-Sutter indessen in Schutz. Die Schweiz brauche keine Bewertungen von Trump. Keller-Sutter habe Trump letztes Jahr offensichtlich widersprochen, das sei er nicht gewohnt. «Ich bin froh, hat sie es getan. Die Welt braucht mehr davon», sagt Molina zu «20 Minuten».
FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann konnte der Rede Trumps immerhin etwas Komik abgewinnen: «Vielleicht wollte Donald Trump das Arosa-Humorfestival vom Dezember nun in Davos konkurrenzieren».
Deutlich zurückhaltender sind die Reaktionen aus der SVP. «Auf die Schweiz bezogen, muss ich sagen – da war nichts Neues dabei», sagte Nationalrat und Aussenpolitiker Franz Grüter. «Dass das Telefonat mit Bundesrätin Keller-Sutter nicht gut verlief, wissen wir alle», so Grüter. Sein Parteikollege Roland Rino Büchel bilanzierte: «Nun weiss die ganze Welt, dass er Karin Keller-Sutter nicht mag»
Trump lästert über Keller-Sutter
US-Präsident Donald Trump kritisiert in seiner Rede am WEF die Schweizer Bundesrätin Karin Keller-Sutter scharf.