Milliardär als StrippenzieherSo soll «Fredy» Gantner den Zoll-Deal eingefädelt haben
Philipp Fischer
7.12.2025
Milliardär und Unternehmer Alfred «Fredy» Gantner ist bei einem Treffen zwischen Bundesrat Guy Parmelin und US-Präsident Donald Trump ebenfalls anwesend gewesen.
Archivbild: Keystone
Zu den Zoll-Verhandlungen mit US-Vertretern trat Bundesrat Parmelin in Begleitung einflussreicher Schweizer Milliardäre an. Eine Schlüsselrolle fällt Alfred Gantner zu – jetzt steht der Zuger Unternehmer dafür in der Kritik.
Philipp Fischer
07.12.2025, 19:18
Philipp Fischer
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Bei den Verhandlungen zwischen der Schweiz und den USA waren einflussreiche Wirtschaftsvertreter involviert.
Der Milliardär Alfred Gantner gilt als Strippenzieher hinter dem Zolldeal.
Die Rolle des Wirtschaftsvertreters bei der politischen Entscheidung steht in der Kritik.
Als Bundesrat Guy Parmelin im November zu den entscheidenden Verhandlungen im Zoll-Streit mit der US-Delegation aufbrach, stand ihm ein ganzer Tross mächtiger Milliardäre aus der Schweizer Wirtschaft zur Seite. Ein Foto, das später nach der Aufwartung bei Donald Trump veröffentlicht wurde, zeigt Alfred Gantner und vier Geschäftsmänner aus der Schweizer Luxusuhren-, Gold-, Reederei- und Rohstoff-Industrie in trauter Runde am Tisch des US-Präsidenten im Oval Office.
Die Schweizer Wirtschaftsführer bei einem Treffen mit US-Präsidenten Donald Trump im November 2025 im Oval Office des Weissen Hauses.
Archivbild: Keystone
Später wurden sie als «fünf Könige» oder «Team Switzerland» bezeichnet. Mit teuren Geschenken und einem 200-Milliarden-Investitionsversprechen machten sie Trump einen Zoll-Deal schmackhaft. Offen bleibt bislang, wie die Investitionszusagen von Schweizer Firmen in den USA überhaupt zustande kommen. Die Konzerne hätten ihre Zusagen teils abenteuerlich berechnet, schreibt die «NZZ am Sonntag».
Gantner ebnete den Weg
Schon im Vorfeld des Treffens begleitete Gantner im August und September Bundesräte auf Reisen nach Washington. Der Mitbegründer der Partners Group mit Sitz im Kanton Zug hat nicht nur Zusammenkünfte mit hohen Vertretern der USA für den Bundesrat organisiert, berichtet der «Tages-Anzeiger». Der Unternehmer soll bei den Treffen zum Teil auch anwesend gewesen sein.
Gantner selbst bestätigte in der vergangenen Woche, dass er bei den Gesprächen zwischen Wirtschaftsminister Guy Parmelin und US-Handelsminister Howard Lutnick im September dabei gewesen sei. Lutnick drängte dabei die Schweizer Seite, mit Investitionsprogrammen einen möglichen Zoll-Deal zu forcieren. So wäre es auch im Streit mit Japan zu einer Übereinkunft und zu niedrigeren Zöllen gekommen.
Parmelin nur in der zweiten Reihe
Das Wirtschaftsdepartement lässt Lutnicks Forderungen bislang unbeantwortet: «Wir kommentieren keine Aussagen zum Inhalt der Gespräche», heisst es auf Medienanfragen. Bestätigt wird dagegen die Anwesenheit von Alfred Gantner beim Zusammenkommen mit den US-Vertretern: «Herr Gantner war Teil der Delegation bei den Treffen mit Bundesrat Parmelin mit Handelsvertreter Lutnick und dem US-Handelsbeauftragten Greer im September.»
Laut Parmelins Department sollen die Schweizer Wirtschaftsvertreter wesentlich zum Treffen mit Lutnick beigetragen haben. «Deshalb wurde Alfred Gantner als Teil der Wirtschaftsdelegation angefragt, bei diesem Treffen dabei zu sein.»
I held constructive meetings in Washington with Secretary of Commerce Howard Lutnick, Secretary of the Treasury Scott Bessent & Trade Representative Jamieson Greer. Switzerland sees real opportunity ahead for both countries and is committed to deepening our economic partnership. pic.twitter.com/mJWKvs0dJ5
Guy Parmelin muss es wohl gedämmert haben, dass Donald Trump und seine Handelsdelegation lieber mit Vertretern aus der Privatwirtschaft verhandeln, als mit Politikern der jeweiligen Staaten. «Dementsprechend müssen die üblichen diplomatischen Wege in dieser Konstellation ergänzt werden, um Kontakte in die relevanten Kreise zu etablieren und die Interessen der Schweiz effektiv zu vertreten», so das Wirtschaftsministerium.
Kritik an der Rollenverteilung
Gantners Vorschläge zu Investitionen in die USA hätte dazu beigetragen, einen Ausgleich des Handelsdefizits zu erwirken. Sie hätten aber auch der Wirtschaft den Vorrang vor Entscheidungen des Bundesrats gegeben, kritisieren Stimmen aus dem Parlament. Politikerinnen wie Mitte-Ständerätin Marianne Binder und Grünen-Nationalrätin Christine Badertscher haben für Gartners mächtige Verhandlungsrolle zur wenig Verständnis.
«Politik und Wirtschaft sollen gute Kontakte pflegen», so Marianne Binder. Den Wirtschaftsberatern sieht sie aber Grenzen gesetzt. Verhandlungsführer seine immer noch die politischen Vertreter. «Das ist meines Erachtens nicht Aufgabe eines Privatmannes und Unternehmers», erklärt Binder.
Grünen-Nationalrätin Christine Badertscher erinnert an den Streitfall mit der EU: «Die neuen Verträge mit der EU zeigen, wie man auf Augenhöhe verhandelt.» Auch sie warnten vor einer Vermischung von Politik und Wirtschaft. «Gantner ist nicht demokratisch legitimiert, um für die Schweiz am Verhandlungstisch zu sitzen», so Badertscher.
Trump: «Wir arbeiten an etwas, um der Schweiz zu helfen»
Laut einem Medienbericht steht die Schweiz kurz vor einem Zoll-Deal mit den USA. Künftig soll demnach ein Satz von nur noch 15 statt 39 Prozent gelten. Trump bestätigte die Verhandlungen – und zeigt sich wohlwollend.