Ausgangslage vor Bundesratswahl Ritter unter Druck – geht Pfister heute als Favorit ins Rennen?

Dominik Müller

12.3.2025

Nach der Wahl am Mittwoch wird nur einer mit Blumen beglückwünscht: Markus Ritter (links) und Martin Pfister.
Nach der Wahl am Mittwoch wird nur einer mit Blumen beglückwünscht: Markus Ritter (links) und Martin Pfister.
Keystone

Vor einem Monat schien die Ausgangslage klar: Markus Ritter ist der Favorit im Bundesratsrennen, Martin Pfister der Aussenseiter. Gemäss einem Prognosemarkt hat der Wind aber gedreht.

Dominik Müller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Markus Ritter und Martin Pfister wollen Bundesrat werden. Dem Zweitgenannten wurden dabei zu Beginn nur geringe Chancen zugerechnet.
  • Im Prognosemarkt «50plus1» zeichnet sich mittlerweile ein anderes Bild ab.
  • Demnach hat Martin Pfister in den letzten Tagen seinen Mitbewerber deutlich überholt.

Markus Ritter oder Martin Pfister – wer wird als Ersatz für Viola Amherd in den Bundesrat gewählt? Darüber entscheidet am Mittwoch die Vereinigte Bundesversammlung.

Geht es nach den meisten Medienberichten, steigt nach wie vor Markus Ritter als Favorit ins Rennen. Der St. Galler Nationalrat und langjährige Bauernverbandspräsident gilt als einer der einflussreichsten Parlamentarier, ist in Bern bestens vernetzt und wird von der Presse immer wieder als «mächtigster Mann im Bundesparlament» bezeichnet.

Martin Pfister, Zuger Gesundheitsdirektor und ehemaliger Mitte-Fraktionschef im Kantonsparlament, kennt man auf nationaler Ebene hingegen kaum. Dass er bis vor kurzem nicht unter der Bundeshauskuppel verkehrt hat, wird ihm als grosses Handicap zugeschrieben.

Die letzten Wochen hat Pfister allerdings genutzt, sich in Bern bekannt zu machen. «Ich habe viele Ratsmitglieder getroffen und ihnen die Gelegenheit gegeben, mit mir politische Themen zu besprechen und meine Persönlichkeit zu überprüfen», sagt er zu blue News. Er sei zuversichtlich, am Mittwoch eine reelle Chance zu haben, gewählt zu werden.

Wetten auf Wahlausgang

Ein Blick auf den Prognosemarkt «50plus1» verrät: Pfisters Optimismus ist nicht unbegründet. Der Zuger hat in den letzten Wochen demnach in puncto Wahlchancen seinen favorisierten Mitbewerber nicht nur aufge-, sondern überholt.

Prognosemärkte erfreuen sich als Methode zur Wahlprognose immer grösserer Beliebtheit. Dabei handelt es sich um eine Art Wahlbörse, die nach dem Prinzip einer Finanzbörse funktioniert. Statt mit Unternehmens-Aktien werden Aktien künftiger Ereignisse gehandelt – in diesem Fall die Ersatzwahl von Viola Amherd.

Anders als an der Wall Street ist bei «50plus1», dem Prognosemarkt der beiden Politologen Maxime Walder (Universität Genf) und Oliver Strijbis (Franklin University Switzerland), kein Geld im Spiel, sondern Spielfranken. Die meisten Teilnehmenden sind ehemalige oder aktuelle Studierende der Politikwissenschaft. Indem viele Personen mit überdurchschnittlichem Wissen teilnehmen, kombiniert der Markt Aspekte des Expertenwissens mit der Schwarmintelligenz.

Pfister zieht an Ritter vorbei

Am 3. Februar, als die Meldefrist der Mitte endete und die beiden Männer als einzige Kandidaten feststanden, lag die Wahrscheinlichkeit, dass Markus Ritter gewählt wird, auf «50plus1» noch bei 60 Prozent. Martin Pfister lag mit rund 25 Prozent deutlich dahinter. Die restlichen Prozentpunkte teilen sich auf verschiedene weitere Personen auf.

In den folgenden Wochen verbesserte sich Pfisters Wert stetig. Vor dem Beginn der Hearings lagen Ritter und Pfister gleichauf bei 47 Prozent. Und im Schlussspurt sehen die Teilnehmenden offenbar Pfister deutlich im Vorteil: Nach den aktuellen Werten (Stand 9. März) stehen Pfisters Chancen bei 67 Prozent, Ritters hingegen bei lediglich 30 Prozent.

Vom Aussenseiter zum Favoriten?

Der einstige Aussenseiter ist also der neue Favorit? Geht es nach «50plus1», droht Markus Ritter tatsächlich ein böses Erwachen. Eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur belegt, dass Prognosemärkte zu den effektivsten Methoden zur Vorhersage politischer Ereignisse gehören. Und «50plus1» hat sich bei den bisherigen fünf Bundesratswahlen, für die Vorhersagen erstellt wurden, als gut kalibriert erwiesen.

Allerdings: Letztlich werden Bundesräte noch immer vom Parlament gewählt – und nicht von Politologen. Und genau wie Börsenvorhersagen sagen auch Prognosemärkte nicht immer das korrekte Szenario voraus. Es bleibt also spannend.


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