Gewissheit schaffen So gehen die Experten bei der Identifikation der Brandopfer vor

Samuel Walder

3.1.2026

Bei einigen Verletzten ist die Hautoberfläche zu 60 Prozent verbrannt.
Bei einigen Verletzten ist die Hautoberfläche zu 60 Prozent verbrannt.
Antonio Calanni/AP/dpa

Nach der Katastrophe von Crans-Montana VS läuft die schwierige Identifikation der verletzten und verstorbenen Opfer. Schweizer Forensiker setzen dabei auf das bewährte DVI-Verfahren. DNA, Implantaten und zahnmedizinischen Daten helfen dabei.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Identifikation der Opfer des Brandes in Crans-Montana VS erfolgt nach klar geregelten medizinischen und forensischen Verfahren.
  • Am besten werden Personen durch DNA-Analysen, Zahnvergleiche und medizinische Implantate identifiziert.
  • Für verstorbene Personen kommt das internationale DVI-Verfahren zum Einsatz, das systematisch Vermissten- und Opferdaten abgleicht.
  • Behörden und Forensikexperten arbeiten mit Listen von Angehörigen und Staaten, um Verletzte und Tote zu identifizieren – 113 von 119 Verletzten konnten bereits identifiziert werden. Zu der Identifikation der Todesopfer sind keine Zahlen bekannt.

Das Brandunglück in Crans-Montana VS hat tiefe Betroffenheit ausgelöst. Während Feuerwehr und Polizei die Ursache klären, läuft im Hintergrund eine andere, für Angehörige noch viel wichtigere Arbeit: die Identifikation der Opfer.

Bei Bränden ist sie besonders schwierig – und folgt in der Schweiz klar geregelten medizinischen und forensischen Verfahren. blue News hat recherchiert, wie dieses Verfahren aussieht. Von der Kantonspolizei Wallis, die aktuell mit der Identifikation der Crans-Montana-Opfer beschäftigt ist, gab es bislang keine Informationen zum konkreten Vorgehen.

1. Die Aufnahme

Normalerweise beginnt in den Schweizer Spitälern die Identifikation bereits mit der Aufnahme. Jeder Patient erhält ein Armband mit Name und Geburtsdatum. Vor Medikamenten, Operationen oder Untersuchungen wird die Identität aktiv überprüft – ein zentraler Bestandteil der Patientensicherheit, wie sie etwa vom Universitätsspital Zürich und der Stiftung Patientensicherheit Schweiz festgelegt ist.

Kann ein Brandopfer sprechen, wird es direkt nach seiner Identität gefragt. Ist die Person bewusstlos oder durch Verletzungen nicht erkennbar, erhält sie zunächst eine provisorische Notfall-Identität. Parallel können Polizei und Behörden eine formelle Identifikation einleiten. Dabei kommen – je nach Zustand – Fingerabdrücke, DNA-Proben oder medizinische Hinweise wie Implantate zum Einsatz. Laut der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) ist dies gängige Praxis, insbesondere bei schweren Verbrennungen, bei denen Gesicht oder Finger stark beschädigt sind.

2. Das DVI-Verfahren

Bei Todesopfern greift in der Schweiz das international anerkannte DVI-Verfahren (Disaster Victim Identification). Seit 2001 verfügt die Schweiz über ein nationales DVI-Team, das bei Grossereignissen oder Brandkatastrophen zum Einsatz kommt. Dieses Team besteht von Spezialisten aus Polizei, Rechtsmedizin und Zahnmedizin, das nach internationalen Standards Opfer grosser Katastrophen identifiziert.

Das Prinzip ist einfach, aber aufwendig: Daten von Vermissten werden mit den Daten der Verstorbenen verglichen. Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner untersuchen die Opfer systematisch. Persönliche Effekten wie Schmuck oder Kleidung können Hinweise liefern, gelten aber nicht als Beweis. Fingerabdrücke sind bei Brandopfern oft nicht mehr verwertbar.

Besonders wichtig sind deshalb andere Merkmale. Zähne und Zahnersatz überstehen Feuer häufig und lassen sich mit Unterlagen von Zahnärztinnen und Zahnärzten vergleichen. Auch medizinische Implantate wie Hüftprothesen oder Herzschrittmacher können eindeutig zugeordnet werden.

Zusätzlich spielt die DNA-Analyse eine zentrale Rolle. Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich bestätigt, dass DNA oft das entscheidende Mittel ist, wenn andere Identifikationsmerkmale fehlen. Fedpol hält fest, dass DNA-Profile auch ausserhalb von Strafverfahren zur Identifikation unbekannter oder verstorbener Personen genutzt werden können.

3. Abgleichen

In Fall von Crans-Montana wurden bereits Listen erstellt: Familien und Länder haben sich bei den Schweizer Behörden gemeldet, um vermisste Personen, welche zum Zeitpunkt des Brandes in Crans-Montana waren, zu finden. Nun beginnt die Zuordnung. 

Die Experten und Expertinnen der Forensik, der Medizin und der Behörden gleichen nun die Daten der Länder und Familien mit jenen der verletzten Personen in den Spitälern ab. Laut Pressekonferenz vom 2. Januar konnten bereits 113 von 119 Verletzten identifiziert werden.

Auch Todesopfer wurden am Samstag bereits identifiziert. Acht verstorbene Personen konnten identifiziert und die Leichname ihrer Familie übergeben werden, teilte der Kanton Wallis mit.