Solothurner Fitnesscenter stellt Kunden pro forma als Influencer an

Von Alex Rudolf

2.11.2021

Ein Mann trainiert mit Gewichten in einem Activ Fitness Fitnessstudio am 11. Mai 2020 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Nicht Fitness-Kund*innen, sondern ehrenamtliche Angestellte? Der Betreiber eines Solothurner Fitnesscenters wollte die Zertifikatspflicht umgehen.
KEYSTONE

Weil 60 Prozent seiner Kundschaft ungeimpft sind, flunkerte der Fitness-Betreiber. Kunden und Mitstreiter meldeten ihn aber rasch beim Kanton.

Von Alex Rudolf

2.11.2021

Für den Restaurant-, Kino- oder Fitness-Besuch braucht man in der Schweiz seit Mitte September ein gültiges Covid-Zertifikat. Diese Regel wollte ein Solothurner Betreiber eines Fitnesscenters nun aber umgehen.

So seien 60 Prozent seiner Kundschaft ungeimpft, auf diese wolle er nicht verzichten, sagte der Mann vergangene Woche zur «Solothurner Zeitung»(Artikel hinter der Bezahlschranke). Anonym berichtet er, dass ihm ein Anwalt zur folgenden Lösung geraten habe.

So gilt die Zertifikatspflicht für Kundinnen und Kunden der Fitnesscenter, nicht aber für die Angestellten. Daher bot der Mann seiner Kundschaft die Möglichkeit, Arbeitsverträge als Social-Media-Influencer an, wovon ein Teil davon auch Gebrauch machte. Sein Verlust durch die Coronapandemie bewege sich laut eigenen Angaben im mittleren sechsstelligen Bereich.

Demnach sollten von den vermeintlichen Neuangestellten Werbebotschaften zugunsten des Fitnesscenters auf Social Media platziert werden. Einen Lohn habe es dafür keinen gegeben: Mehrere Kund*innen hätten dieses Angebot in Anspruch genommen.

Das rechtliche Schlupfloch war nicht von langer Dauer. Denn bereits Ende September habe das Kantonale Amt für Arbeit (AWA) den Mann kontaktiert. Er sei von mehreren Kunden und Mitbewerbern gemeldet worden, sagt er in der «Solothurner Zeitung». Seither halte er sich strikt an die Regeln.

Ohne Lohn kein Angestelltenverhältnis

Laut dem Solothurner AWA handle es sich hierbei um einen Einzelfall. Welche Sanktionen auf den Mann zukommen, werde derzeit abgeklärt. Dieser geht laut Artikel davon aus, dass er mit einem blauen Auge davonkommt.

Doch warum hält das Schlupfloch nicht Stand? Laut Roger Rudolph, Professor für Arbeits- und Privatrecht an der Universität Zürich, braucht es für ein Arbeitsverhältnis zwingend einen Lohn. 



Sind solche Fälle von falschen Arbeitsverträgen auch in anderen Kantonen ein Thema? In Basel etwa werden Fitnesscenter von departementsübergreifenden Kontrollteams unter die Lupe genommen. «Ähnliche Verfehlungen wurden in unserem Kanton keine festgestellt», sagt Michael Mauerhofer vom Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt.

Von solchen Verstössen gegen die Corona-Gesetzgebung ist nur vereinzelt bekannt. In der Regel erhalten jene, die gegen die Vorgaben verstossen, eine Ordnungsbusse.

Das prominenteste Beispiel für grossen Widerstand in Sachen Zertifikatspflicht dürfte sich derzeit im Wallis abspielen. Dort öffneten die Wirte der Walliserkanne in Zermatt ihren Betrieb, ohne die Zertifikate zu kontrollieren.

Am Sonntag nahm die Polizei die Wirte fest. Seither befinden sie sich im Gefängnis. Die Walliser Staatsanwaltschaft hat Untersuchungshaft beantragt.