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Jetzt meldenSimonetta Sommaruga tritt per Ende Jahr zurück. Die Umweltministerin ist am Nachmittag vor die Medien getreten und hat diesen Schritt erklärt. Der Grund ist der Gesundheitszustand ihres Mannes.
Mehrfach sprach Bundesrätin Simonetta Sommaruga von einem «Einschnitt», als sie am Mittwochnachmittag in Bern vor die Medien trat. Ihr Mann habe vorletzte Woche einen Schlaganfall erlitten. Das sei ein Schock gewesen für sie beide.
Sie ist mit dem 78-jährigen Schriftsteller Lukas Hartmann verheiratet. Erst am Montag hatte sie ihre Arbeit im Bundesrat wieder aufgenommen, nachdem sie sich eine Woche um ihren Mann gekümmert hatte.
Er habe sich gut erholt und werde gut begleitet, sagte sie am Mittwoch. Aber ein solches Ereignis sei ein Einschnitt, der einen nachdenklich stimme. «Es ist ein Einschnitt, nach dem ich nicht einfach gleich weitermachen kann wie bisher», sagte Sommaruga.
Die Konsequenz: Sommaruga tritt per Ende 2022 aus dem Bundesrat zurück. Die 62-Jährige war während zwölf Jahren in der Regierung. «Es war mir eine Ehre, dem Land zu dienen.»
Damit wird die Vereinigte Bundesversammlung am 7. Dezember zwei Bundesratssitze neu zu besetzen haben. Erst vor einem Monat hatte Ueli Maurer (SVP) seinen Rücktritt erklärt.
Während ihrer Rücktrittserklärung blickte die SP-Bundesrätin zurück. Die Entschuldigung bei den Verdingkindern ist der damaligen Justizministerin ein besonderes Anliegen gewesen. Endlich hätten sie damals hingeschaut und die Aufarbeitung an die Hand genommen, sagte Sommaruga.
Im Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) sei eines ihrer Ziele die Stärkung der Versorgungssicherheit gewesen. Mit dem Mantelerlass werde der notwendige Ausbau mit einheimischen Energien sichergestellt.
Für den kommenden Winter habe der Bundesrat rasch gehandelt. Die neuesten Berechnungen stimmten sie zuversichtlich, dass die Schweiz gut durch den Winter kommt. «Wir haben für den Notfall vorgesorgt», sagte Sommaruga.
Sommaruga war am 22. September 2010 im Alter von fünfzig Jahren in den Bundesrat gewählt worden, als Nachfolgerin von Moritz Leuenberger. Das Engagement bei der Stiftung für Konsumentenschutz hatte der Pianistin 1999 den Sprung von der Exekutive der Berner Vorortsgemeinde Köniz in den Nationalrat ermöglicht. 2003 gelang es ihr dann, Berns bürgerliches Bollwerk im Ständerat zu sprengen.
In ihrer eigenen Partei ist Sommaruga nicht unumstritten, manchen ist sie zu liberal. Ihre Fähigkeiten werden jedoch von links bis rechts anerkannt, ihre zwei Präsidialjahre 2015 und 2020 mit vielen Repräsentationsanlässen meisterte sie mit Bravour. Unvergessen bleibt ihre Rolle als besonnene Bundespräsidentin zu Beginn der Corona-Pandemie, als sie sich fast täglich an die Bevölkerung wandte.
In der Landesregierung musste Sommaruga zunächst gegen ihren Willen das Justiz- und Polizeidepartement übernehmen. Dennoch versuchte sie nicht, es bei der ersten Gelegenheit wieder loszuwerden: Was sie aufgegleist hatte, wollte sie zu Ende führen.
Im Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) war Sommaruga zuständig für verschiedene wichtige Dossiers. Zuletzt trat sie vor allem als Energieministerin in Erscheinung und präsentierte zahlreiche Massnahmen gegen die drohende Energieknappheit.
Im Vorfeld von Sommarugas Rücktritt, der letztlich doch eher überraschend kommt, hatten sich die Medien nicht intensiv mit ihrer Nachfolge beschäftigt.
Infrage kommen dürften am ehesten Bundes- und Kantonspolitiker aus der Deutschschweiz. Auch Frauen dürften gute Karten haben: Die SP-Parteispitze erklärte an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz, sie wolle ein Zweierticket mit zwei Frauen vorschlagen. (Mehr zu den Nachfolge-Plänen der SP liest du hier.) Und nein, Co-Parteichefin Mattea Meyer will selber nicht ins Rennen steigen.
Die Grünen ihrerseits, die immer wieder ihren Anspruch auf einen Sitz im Bundesrat betonen, wollen aus der Vakanz keinen Profit schlagen: Man wolle Sommarugas Sitz nicht angreifen, erklärte die Partei.