Daniel Koch: «Spass gemacht hat es nicht gerade»

Anna Kappeler

28.5.2020 - 18:17

Daniel Koch verabschiedet sich von den Medien und wird pensioniert.
Bild: Keystone

Er wurde zum Gesicht der Krise, indem er die Öffentlichkeit wieder und wieder über das Coronavirus informierte. Nun tritt Daniel Koch ab – verspätet. Ein letztes Interview als «Mr. Corona».

Der Corona-Delegierte des Bundes, Daniel Koch, verlässt die öffentliche Bühne. Er wird nun pensioniert, wie Innenminister Alain Berset gestern  – doch etwas überraschend – mitteilte. Überraschend deshalb, weil Koch schon im April, mitten in der Krise, pensioniert worden wäre, sich aber bereit erklärte, weiterzumachen. Koch wartete auf einen «guten Moment, um den Stab zu übergeben», wie er im Interview sagt.

Heute beantwortet er zum letzten Mal die Fragen der Presse als «Mr. Corona». Als sich Koch mit gebührendem Abstand aufs Sofa im 3. UG des Berner Medienzentrums setzt, hat er bereits einen Interview-Marathon hinter sich. 

Herr Koch, Sie sagten, Sie treten zurück, wenn die Krise vorbei ist. Sie schliessen also eine zweite Welle aus?

Das wäre eine falsche Interpretation. Jetzt ist einfach einmal eine erste Welle vorbei. Wir gehen entsprechend – wo immer möglich – zum Normalzustand zurück. Das Problem aber ist nicht gelöst und nicht weg. Das Virus wird nicht einfach so verschwinden von der Welt. Wir müssen also weiterhin achtsam sein und die Abstands- und Hygienemassnahmen befolgen. Das Risiko einer nächsten Welle im Herbst oder im Winter ist erheblich.



Sie konnten entweder jetzt gehen oder erst ziemlich viel später?

Schauen Sie, vorauszuschauen ist immer schwierig. Ich bin kein Prophet. Vielleicht hätte ich dann durchmachen müssen bis 70. Ich glaube, das ist auch gar nicht der Punkt. Wichtig war mir, die erste Krisensituation mit und fertig zu begleiten. Deshalb ist jetzt ein guter Moment, um den Stab zu übergeben.

Ende März gab es täglich 1’000 Neuinfektionen, heute noch 20. Wie erklärt sich das?

Zur Person
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Daniel Koch war Chef der Abteilung übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), dann Corona-Delegierter des Bundes. Vor seiner Arbeit beim BAG war Koch 14 Jahre lang für das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) unterwegs. Er wurde am 13. April 65 Jahre alt, willigte aber ein, seine Pensionierung zu verschieben. Jetzt tritt er in den Ruhestand.

Für epidemische Wellen gibt es viele Einflüsse. Es geht dabei natürlich um das Virus selber. Wichtig ist aber auch das Verhalten der Bevölkerung. Das Virus wird von Mensch zu Mensch übertragen, der Kontakt zwischen den Menschen ist also der ausschlaggebende Faktor. Die Schweizer Bevölkerung hat die Vorgaben enorm gut umgesetzt. Auch das Wetter hilft uns – im Sommer haben wir praktisch keine Grippeerkrankungen, so können wir die wenigen Viren besser entdecken. Deshalb der Appell an die Bevölkerung: Man darf das Virus jetzt nicht einfach vergessen und denken, man könne wieder so leben wie davor.

Der Fokus lag auf der physischen Gesundheit. Die psychische Gesundheit wurde weniger thematisiert. Haben Sie diesen Aspekt vernachlässigt?

Nein, ich glaube nicht. Wir haben frühzeitig gesagt, dass es nicht nur um die Bekämpfung der Epidemie geht, sondern eben auch um die Gesundheit der Bevölkerung ganz allgemein. Genau deshalb sagte ich relativ früh Dinge zum Kontakt von Grosseltern und Enkeln, für die ich dann ja auch kritisiert oder hinterfragt wurde. Jede Massnahme hat auch Nebeneffekte – doch es darf natürlich nicht sein, dass der Nebeneffekt grösser ist als der Nutzen. Das abzuschätzen, war manchmal etwas schwierig. 



Woher kommt eigentlich Ihre ausgeprägte Ruhe? Meditation? Yoga? Naturell?

Nein, ich glaube ein Teil davon ist einfach Erfahrung.



Erleichtert, die «Mr. Corona»-Rolle ablegen zu können oder machte sie auch Spass?

Spass gemacht hat es nicht gerade, aber es war eine sehr interessante Zeit. Dem «Mr. Corona» selber hange ich nicht nach, aber ich muss sagen, die Bewältigung dieser Krise war spannend. Ich werde die Zeit nicht vermissen, ich kann zufrieden gehen.

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