Der Spitexdienst «Fit for Care» sucht eine neue Mitarbeiter*in. In einer Stellenausschreibung auf jobs.ch suchen sie nach einer «Teamleitung Pflege mit Herz und Verstand – keine Generation Z».
Die «NZZ am Sonntag» machte das Inserat publik. Auf die Nachfrage der Zeitung, weshalb eine ganze Altersgruppe ausgeschlossen werde, verzichtete das Unternehmen auf eine Stellungnahme. Zwischen den Zeilen liefert das Inserat selbst eine Erklärung: Man wolle keine «Montag/Freitag-Krankenschein-Mentalität», steht in der Anzeige.
Die Arbeitsmoral der Generation Z wird seit Längerem kontrovers diskutiert. Laut Bundesamt für Statistik fehlen junge Berufstätige bis Mitte 20 im Schnitt fast zwei Wochen pro Jahr krankheitsbedingt, deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Seit 2020 ist diese Zahl spürbar gestiegen.
Inserat auf der eigenen Website angepasst
Der Bündner Hotelier Ernst «Aschi» Wyrsch hatte die Jungen bereits vor zwei Jahren als «verweichlicht» bezeichnet. «Man gibt zu schnell auf, ist rasch genervt, empfindlich und kränklich», sagte er zur «Südostschweiz».
Auch Personalexperten beobachten Spannungen zwischen den Generationen. Pascal Scheiwiller von der Alixio Group Schweiz erklärte gegenüber der «NZZ am Sonntag», die Jüngeren passten mit ihrer Haltung nicht immer zu älteren Vorgesetzten. «Die Jungen fordern mehr, als sie leisten.»
Mittlerweile hat das Spitexunternehmen reagiert: Auf der eigenen Website wurden die Hinweise zu Generation Z und Krankenscheinmentalität gelöscht. Auf jobs.ch bleibt das ursprüngliche Inserat weiterhin online. Ein Verstoss gegen das Gesetz liegt allerdings nicht vor.
«Die jungen Leute sind fleissig wie lange nicht mehr»
Die Arbeitsmotivation der Generation Z hat sich stark verändert. Im Vergleich zu 2015 stieg die Erwerbsquote bei den 20 bis 24 Jährigen um 6,2 Prozent. Das ist ein überdurchschnittlicher Wert.
Allerdings waren in dieser Zielgruppe Teilzeitbeschäftigungen stärker gefragt als Fulltime-Jobs. Laut den Machern der Studie liegt das vor allem daran, dass Student*innen heutzutage häufiger als früher nebenher arbeiten, um sich ihre Ausbildung finanzieren zu können.
IAB-Forschungsbereichsleiter Enzo Weber betont: «Dass die Generation Z viel fordert, aber wenig arbeitet, ist ein verbreitetes Vorurteil. Die jungen Leute sind fleissig wie lange nicht mehr.»
Gen Z fleissiger als gedacht – «Sie arbeiten nicht weniger, aber anders»
Eine Studie des deutschen Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) hat das Klischee der faulen Generation Z widerlegt. Und was halten die Leute auf der Strasse von der Arbeitsmoral der 15 bis 30-Jährigen?