Argumente des Nein-Lagers SRG-Befürworter warnen vor Lauberhorn-Verschwinden – und rudern gleich zurück

Petar Marjanović, Bern

8.12.2025

SRG-Befürworter warnen vor Lauberhorn-Verschwinden – und rudern gleich zurück

SRG-Befürworter warnen vor Lauberhorn-Verschwinden – und rudern gleich zurück

Ein breites Parteienbündnis stellt sich gegen die SRG-Initiative – aus Sorge, dass eine halbierte SRG die Schweiz schlechter informieren und die Demokratie schwächen würde.

08.12.2025

Ein breites Parteienbündnis stellt sich gegen die SRG-Initiative – aus Sorge, dass eine halbierte SRG die Schweiz schlechter informieren und die Demokratie schwächen würde.

Petar Marjanović, Bern

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein überparteiliches Komitee stellt sich gegen die SRG-Initiative.
  • Es warnt, dass eine Halbierung der SRG die Medienvielfalt und die Versorgung aller Regionen schwächen würde.
  • Am 8. März 2026 entscheidet die Schweiz über die Senkung der Rundfunkgebühr auf 200 Franken.

Die Schweiz stimmt am 8. März 2026 über die SRG-Initiative ab. Dagegen mobilisiert ein überparteiliches Komitee mit Vertreter*innen der grossen Parteien SP, Mitte, FDP, Grünen und GLP. An einer Pressekonferenz am Montag legte das Komitee seine Argumente dar. 

Der Bündner Mitte-Nationalrat Martin Candinas setzte gleich zu Beginn ein politisches Zeichen. Er begrüsste die Anwesenden nicht nur in den drei Amtssprachen, sondern auch in der vierten Landessprache Rätoromanisch: «Stimadas dunnas e stimads signurs.» Die rätoromanische Schweiz brauche keine «Jö»-Reaktion, sondern eine föderal verankerte Grundversorgung, bei der Nachrichten aus allen Regionen gleichwertig behandelt würden.

Die Zürcher GLP-Politikerin Amélie Galladé hob die Bedeutung der SRG-Angebote für eine junge, digital affine Öffentlichkeit hervor. Die geplanten Kürzungen bei SRF und anderen Unternehmenseinheiten führten dazu, dass sich das öffentlich-rechtliche Angebot von Plattformen wie TikTok und Instagram entfernen müsste.

Diese sozialen Medien seien jedoch nicht darauf ausgerichtet, verlässliche und geprüfte Inhalte zu verbreiten. «Ich lehne die SRG-Initiative nicht ab, weil ich jede Sendung schaue», sagte Galladé. Ihr gehe es stattdessen um die Demokratie: «Wenn wir heute unser öffentlich finanziertes Medienhaus schwächen, dann zahlen meine und die kommenden Generationen einen hohen Preis. Und dieses Risiko ist es schlicht nicht wert.»

Ganze Generationen wuchsen mit der SRF-Übertragung des Lauberhorn-Rennens auf.
Ganze Generationen wuchsen mit der SRF-Übertragung des Lauberhorn-Rennens auf.
KEYSTONE

Verschwindet das Lauberhorn-Rennen wirklich?

Auch Roger Schnegg, Direktor von Swiss Olympic, war vertreten. «Die SRG ist für den Schweizer Sport unverzichtbar», sagte er. Die Bevölkerung sei dann live dabei, wenn etwa der Tessiner Noé Ponti WM-Silber oder Ditaji Kambundji WM-Gold hole. Während seiner Ausführungen wurde das Sujet «Gute Nacht Lauberhorn» eingeblendet. Auf die Frage eines Journalisten, ob die SRG «dumm» wäre, das Lauberhorn-Rennen zu streichen, relativierte Schnegg: «Es ist gut möglich, dass das Lauberhorn-Rennen weiterhin gezeigt wird.» Sicher sei jedoch, dass eine solche Garantie nicht für alle Sportarten gelte.

Der Zuger FDP-Nationalrat Matthias Michel begründete sein Nein zur Initiative mit der sicherheits- und demokratiepolitischen Rolle der SRG. Diese sei nicht nur ein Medienhaus, sondern ein «Schutzwall gegen Manipulation von aussen». Dank ihrer redaktionellen Unabhängigkeit könne sie diese Aufgabe erfüllen. «Wer die SRG schwächt, öffnet Desinformation die Tür. Eine geschwächte, eine halbierte SRG bedeutet weniger geprüfte Fakten, weniger Einordnung, mehr Raum für Lügen und Polarisierung», so Michel.

Abstimmung acht Jahre nach «No Billag»-Initiative

Die SRG-Initiative, von Gegner*innen auch «Halbierungsinitiative» genannt, fordert eine umfassende Reform der Rundfunkabgabe. Die Gebühr soll auf 200 Franken pro Jahr sinken und nur noch von privaten Haushalten erhoben werden. Unternehmen müssten sich nicht mehr an der Finanzierung eines öffentlich-rechtlichen Senders beteiligen.

Der Bündner Mitte-Nationalrat Martin Candinas warnte vor den Folgen für die Randregionen.
Der Bündner Mitte-Nationalrat Martin Candinas warnte vor den Folgen für die Randregionen.
blue News

Zwar hat die Stimmbevölkerung die thematisch nahe «No Billag»-Initiative im Jahr 2018 deutlich mit über 70 Prozent abgelehnt. Die Lancierung der zweiten Initiative für eine Änderung der Finanzierung von SRF und Co. hatte aber dennoch zur Folge, dass der politische Druck auf das öffentlich-rechtliche Medienunternehmen stieg und der Bund Sparvorgaben machte.

Das Initiativkomitee kündigte seine eigene Pressekonferenz für den 14. Januar 2026 an. Die Abstimmung findet am 8. März statt. Gleichzeitig entscheidet die Stimmbevölkerung über die Bargeld-Initiative, die Klimafonds-Initiative sowie das Bundesgesetz über die Individualbesteuerung.


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