Nächster Sparhammer angekündigtHunderte Kündigungen und wohl weitere Programm-Einschnitte – was der SRG-Kahlschlag bedeutet
Sven Ziegler
24.11.2025
Eine Kamera im Studio 8 des Schweizer Fernsehens SRF vor der Aufzeichnung der Sendung «Arena». (Archivbild)
sda
Nach der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus bei der SRG liegen nun weitere Details vor. So geht die SRG von rund 300 Kündigungen aus. Wie sich die Streichungen auf die Regionen auswirkt, ist unklar.
Nach der ersten internen Personalinformation am Montagvormittag konkretisiert die SRG ihre Pläne für den ab 2027 anstehenden zweiten grossen Einschnitt. Rund 900 Stellen sollen verschwinden, kündigte die SRG am Montagmittag an.
Die Umstellung beginnt Anfang 2026 in den Personal- und Finanzabteilungen, die dann gruppenweit einheitlich geführt werden. Die Mitarbeitenden arbeiten weiterhin in ihren jeweiligen Regionen, sollen aber vermehrt standortübergreifend operieren.
Von den insgesamt rund 900 Vollzeitstellen, die zwischen 2025 und Ende 2029 verschwinden sollen, ist ein Drittel bereits in Umsetzung. Dieser Teil wurde von den vier Regionalgesellschaften SRF, RTS, RSI und RTR in den Jahren 2024 und 2025 angekündigt und konsultiert.
Offen bleiben damit etwa 600 Stellen, die erst im zweiten Schritt ab 2027 wegfallen sollen. «Basierend auf den Erfahrungswerten der letzten Jahre rechnen wir, dass gut die Hälfte davon über natürliche Fluktuation oder Pensionierungen aufgefangen werden kann», sagt SRG-Mediensprecherin Gianna Blum auf Anfrage von blue News.
Heisst: Die SRG rechnet damit, dass sie rund 300 weiteren Personen die Kündigung aussprechen muss. Blum bestätigt dann auch: «Entlassungen sind leider unumgänglich.»
Wie sich die rund 900 wegfallenden Stellen auf die vier Sprachregionen verteilen, bleibt weiterhin offen. Zwar ist die künftige Führungsstruktur seit heute definiert, doch konkrete Zielzahlen pro Standort gebe es noch nicht. Zunächst müssten die Kostenmassnahmen bereichsübergreifend abgestimmt werden, heisst es.
Auswirkungen auf die Regionen noch unklar
Erst danach könne die SRG festlegen, welche Positionen und Stellen tatsächlich gestrichen werden. Die Regionalleitungsteams werden bis Mitte 2026 neu besetzt – auch das könnte Auswirkungen auf die interne Struktur haben.
In diesem Jahr sind bereits mehrere Sendungen verschwunden. So fiel die bekannte Promi-Sendung «Gesichter & Geschichten» aus dem Programm. Auch weitere Formate fielen bereits dem Rotstift zum Opfer. Müssen SRG-Nutzer*innen nun mit weiteren Einschnitten im Programm rechnen? «Wir sparen zuerst in Strukturen, Prozessen, Standards und im Portfolio, um das Programm und den Journalismus zu schützen», sagt SRG-Mediensprecherin Blum.
Gleichzeitig räumt sie ein, dass das Sparziel von insgesamt rund 270 Millionen Franken bis 2029 «nicht ohne Auswirkungen im Angebot» erreichbar sei. Klar ist damit: Komplett ohne Einschnitte wird es nicht gehen.
«Dasselbe zu machen, wird nicht möglich sein»
Ob einzelne Formate verkleinert oder gestrichen werden, ist damit offen. Auch zur Frage, ob Regionalstudios oder Korrespondentenstrukturen geschwächt werden könnten, äussert sich die SRG nicht konkret.
Besonders sensibel ist die Frage, wie die SRG bei massiv weniger Personal weiterhin ein ausgewogenes publizistisches Angebot für alle Sprachregionen garantieren will. Die SRG verweist auf die Konzession: Die Mehrsprachigkeit sei «klar verankert» und bleibe Kernauftrag.
Gleichzeitig schliesst sie nicht aus, dass Zuschauerinnen und Zuschauer die Einsparungen spüren werden: «Mit weniger Mitteln dasselbe zu machen, wird nicht möglich sein», erklärt Blum. Priorität habe jedoch die publizistische Qualität – sie sei «nicht verhandelbar».
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