«Ich fühle mich verarscht» Neue Verkehrsabgabe sorgt in St. Gallen für Riesen-Zoff

Sven Ziegler

13.2.2026

In St. Gallen sind Verbrenner teils günstiger als E-Autos. 
In St. Gallen sind Verbrenner teils günstiger als E-Autos. 
Sebastian Kahnert/dpa

Die neue Motorfahrzeugsteuer im Kanton St. Gallen sollte klimafreundliche Antriebe fördern. Stattdessen zahlen manche Elektroautofahrer mehr als Verbrenner. Der Ärger ist gross.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Seit Januar 2026 gilt in St. Gallen eine neue Motorfahrzeugsteuer mit Bonus-Malus-System.
  • Wegen Gewicht und Motorleistung zahlen einige Elektroautos mehr als vergleichbare Benziner.
  • Betroffene sprechen von einem falschen Signal in der Klimapolitik.

Seit dem 1. Januar 2026 gilt im Kanton St. Gallen eine neue Motorfahrzeugsteuer. Die Reform sollte die Finanzierung der Kantonsstrassen sichern und ein technologieneutrales Bonus-Malus-System schaffen. Doch insbesondere bei Elektroautos sorgt das neue Modell für Unmut.

«Ich fühle mich verarscht», sagt Daniel Härter gegenüber dem «St. Galler Tagblatt». Auch Peter Humm findet deutliche Worte und kritisiert: «Die St. Galler Regierung nimmt den Klimawandel nicht ernst.»

Auslöser der Reform war ein finanzielles Ungleichgewicht. Elektroautos waren in den ersten vier Jahren steuerbefreit, was zu Mindereinnahmen führte. Künftig werden Fahrzeuge nicht mehr nur nach Gewicht, sondern zusätzlich nach Motorleistung besteuert. Besonders effiziente Fahrzeuge erhalten einen zeitlich befristeten Bonus, während ineffiziente Modelle einen moderaten Malus zahlen.

Elektroautos werden nun deutlich höher besteuert

In der Praxis zeigt sich jedoch ein unerwarteter Effekt. Elektroautos sind wegen ihrer Batterien schwerer und verfügen häufig über stärkere Motoren. Dadurch steigt die Steuerlast. Ein Vergleich zeigt, dass für einen VW Golf mit Benzinmotor 346 Franken jährlich anfallen, während das elektrische Pendant VW ID.3 trotz Bonus 363 Franken kostet.

Der Bonus für besonders effiziente Fahrzeuge ist auf vier Jahre begrenzt. Danach fällt die reguläre Abgabe an. Beim Fiat 500 beispielsweise kostet die Elektroversion zunächst deutlich weniger als die Hybridvariante, nach Ablauf des Bonus steigt die Abgabe jedoch über jene des Hybridmodells.

Auch politisch wirft das neue System Fragen auf. Kritische Stimmen im Kantonsrat bezweifeln, ob die ökologische Lenkungswirkung ausreichend ist. Die Regierung verweist gegenüber den «Tagblatt» auf hängige parlamentarische Vorstösse. Weiter ins Detail will sie aktuell nicht gehen. 

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