Schreiben an tausende Mitglieder Kult-Sporthalle soll für Velobrücke abgerissen werden – jetzt eskaliert der Zoff

Samuel Walder

12.2.2026

Ob die Badminton-Halle in Zürich tatsächlich weg muss, ist noch unklar. Der Bau der Brücke beginnt frühestens 2030.
Ob die Badminton-Halle in Zürich tatsächlich weg muss, ist noch unklar. Der Bau der Brücke beginnt frühestens 2030.
Bild: Keystone

Für eine neue Velobrücke zwischen den Kreisen 4 und 5 in der Stadt Zürich müsste die Yonex Badminton Halle weichen – doch Betreiber und Tausende Nutzer stemmen sich dagegen.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Für die geplante Velobrücke zwischen Kreis 4 und 5 müsste die Yonex Badminton Halle abgerissen werden, weil neue Sicherheitsstandards eine steilere und schmalere Variante ausschliessen.
  • Betreiber Philipp Kurz und 7000 Petitionäre kämpfen politisch für den Erhalt der Halle.
  • Die Stadt verweist auf gesetzliche Vorgaben und den kommunalen Richtplan.
  • Über das rund 80 Millionen Franken teure Projekt wird noch abgestimmt, der Baustart ist frühestens 2030 vorgesehen.

In Zürich prallen zwei Bedürfnisse aufeinander: Auf der einen Seite der Ausbau der Veloinfrastruktur, auf der anderen das Weiterbestehen eines Ortes, der für Tausende längst mehr ist als nur eine Sporthalle.

Denn für die neue Velobrücke zwischen den Kreisen 4 und 5 müsste die Yonex Badminton Halle an der Hardbrücke weichen – sehr zum Ärger der Betreiber und der 29'000 registrierten Nutzer*innen.

Dass die Brücke gebaut werden soll, ist zwar schon länger klar – doch das Siegerprojekt aus dem Jahr 2021 hatte eigentlich vorgesehen, dass die Halle stehen bleibt und die Brücke nebenan durchgeführt werden kann.

In der Zwischenzeit haben sich allerdings Gesetze und Sicherheitsauflagen verschärft, und dies ist nicht mehr möglich: Die Brücke darf zur Sicherheit der Velofahrer nicht mehr so steil sein wie ursprünglich geplant, zudem muss sie verbreitert werden. So passt sie nicht mehr an der Halle vorbei.

Langer Brief ans Tiefbauamt

Verantwortlich für dieses Projekt ist Stadträtin Simone Brander (SP). Betreiber der Badmintonhalle ist Philipp Kurz. Er erklärt gegenüber blue News: «Wir haben schon im September 2024 eine Information erhalten, dass da etwas im Gange ist. Wir haben dann sofort reagiert und einen langen Brief an das Tiefbauamt geschrieben.»

Die Fakten zur Badminton-Halle

Die Yonex Badminton Halle Zürich an der Geroldstrasse 5 besteht seit 1997 und war damit die erste öffentliche Badmintonhalle Zürichs. Sie wird von der Y GmbH betrieben, hinter der Philipp Kurz – ehemaliger Badminton-Nationalspieler – und Thomas Münzner stehen. Sie ist die offizielle Schweizer Vertretung der japanischen Sportmarke Yonex und Marktführerin im Badminton. Kurz und Münzner gründeten 1997 und übernahmen 2003 die Schweizer Yonex-Vertretung. Die Y GmbH ist seit 1997 Mieter auf dem Grundstück, auf dem die Halle steht. Damals gehörte das Grundstück privaten Eigentümern. Die Stadt Zürich ist seit 15 Jahren Eigentümerin des Grundstücks.

Das Hauptanliegen damals sei gewesen, ein Gespräch mit Simone Brander zu führen und mit ihr eine Lösung zu finden, damit die Halle bestehen bleibt. Der Brief sei bis Ende 2024 unbeantwortet geblieben. «Im Januar hatten wir dann ein Gespräch mit den Mitarbeitenden von Simone Brander. Sie kamen in unsere Halle und informierten uns, dass sie die Halle abreissen wollen.» Für Kurz sei das ein kleiner Schock gewesen. «Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht die Rede von einem Abbruch der Halle gewesen.» 

Hoffnung blieb bestehen

Philipp Kurz reichte es aber nicht, mit den Mitarbeitenden der Stadträtin zu sprechen. Er wollte mit der verantwortlichen Person direkt in Kontakt treten. Die Hoffnung auf ein Gespräch mit Frau Brander und so auch die Hoffnung, dass die Halle bleiben darf, blieb bestehen.

Trotz mehrfacher Anfrage kam laut Kurz bis heute kein Treffen zustande. Dennoch griff er zum nächsten Schritt. «Im vergangenen Sommer haben wir gemeinsam mit Nutzerinnen und Nutzer der Halle eine Petition bei der Stadt Zürich eingereicht.» 7000 Unterschriften forderten, die Brücke so zu planen, dass die Halle erhalten bleibt.

«Die Situation war absurd»

Philipp Kurz

Betreiber der Badmintonhalle

Bei der Einreichung der Petition, im Sommer 2025, kamen viele Mitglieder der Badminton Halle. Auch die Stadträtin war vor Ort. Sie hielt eine Rede über das Bauprojekt. «Die Situation war absurd», erinnert sich Kurz. Denn die Stadträtin habe gesagt: Wie auch immer diese Brücke gebaut werde, die Halle werde so oder so abgebaut.

Kurz sagt: «Die Begründung dafür war, dass an dem Platz, wo unsere Halle jetzt steht, ein Bauplatz entstehen soll.» Also ein Platz, auf dem Material abgeladen und Baumaschinen platziert werden. 

Die Besucher*innen der Yonex-Halle hätten die Welt nicht mehr verstanden. «Wir machen so viel für Zürich, insbesondere für die Belebung des Kreis 5», sagt Kurz. «Wir sind nicht nur eine Sporthalle. Es finden Konzerte und Anlässe in unserer Halle statt.» Zudem sei das Hauptklientel der Halle Velofahrer. «Gegen die Brücke haben wir nichts, wir würden sogar davon profitieren.»

Parlament unterstützt die Hallenbetreiber

Auch im Gemeinderat – dem Parlament der Stadt Zürich – sei man überrascht gewesen, sagt Kurz. «Der Gemeinderat hat daraufhin im September 2025 einen Vorstoss im Parlament vorgebracht, dass man die Brücke bauen soll, ohne die Halle abreissen zu müssen. Mit 109 Ja- und 9 Nein-Stimmen wurde der Vorstoss durchgebracht.» Nach dem Vorstoss wurde das Postulat vom Gemeinderat an den Stadtrat zur Prüfung übergeben.

Stadträtin Simone Brander (SP) ist verantwortlich für das Projekt
Stadträtin Simone Brander (SP) ist verantwortlich für das Projekt
sda

Das Thema ist nun wieder hochaktuell: Kurz schreibt diese Woche eine E-Mail an alle registrierten Spieler*innen, in der er nochmals alle Vorfälle im Zusammenhang mit der geplanten Brücke rekapituliert – darin empfiehlt er auch, welche Politiker*innen man bei den Gemeinderats- und Stadtratswahlen vom 8. März 2026 wählen soll, um die Halle zu erhalten. Er nennt zum Beispiel jene Gemeinderäte, die den Vorstoss zum Erhalt der Halle initiiert haben. Keine Überraschung: Stadträtin Simone Brander empfiehlt er nicht zur Wiederwahl.

Auf Anfrage von blue News nimmt die Stadt Stellung. Da die zuständige Stadträtin Brander in den Ferien ist, äussert sich Lucas Bally, Leiter Kommunikation des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements Zürich, zu den Vorwürfen: «Es stehen sich – wie oft in einem dichten Raum wie der Stadt Zürich – verschiedene berechtigte Anliegen gegenüber: In diesem Fall der Erhalt der Halle und eine gute und sichere Verbindung für Fussgänger*innen und Velofahrer*innen über die Gleise.»

Die Lage dieser geplanten Verbindung sei durch den verbindlichen kommunalen Richtplan Verkehr vorgegeben. Dieser Plan beinhaltet auf höherer politischer Ebene Verkehrsprojekte, die beispielsweise einer weiteren Abstimmung bedürfen. Der kommunale Richtplan Verkehr wurde 2021 von der Stimmbevölkerung mit einer klaren Mehrheit von 58.5 Prozent angenommen. In diesem Plan inbegriffen ist auch die Velovorzugsroute der Stadt Zürich.

«Die Umsetzung hätte zu gefährlichen Situationen für die Velofahrenden geführt»

Lucas Bally

Leiter Kommunikation des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements Zürich

«Die Möglichkeiten sind aufgrund der beengten Platzverhältnisse und der zwingenden Erfüllung der Normen und Vorgaben für eine sichere und attraktive Verbindung stark eingeschränkt», so Bally. Er bestätigt: Der Wettbewerb von 2021 habe einen kompakteren, wendelförmigen Abgang zwischen dem Viadukt und der Yonex-Badmintonhalle vorgesehen.

«Nach dem Wettbewerb traten die neuen Velostandards des Kantons Zürich in Kraft. Gemäss diesen waren die Rampen der ursprünglichen Brücke zu steil sowie die Sichtweiten und Kurvenradien ungenügend, was bei einer Umsetzung zu gefährlichen Situationen für die Velofahrenden geführt hätte.» Dieses hohe Unfallrisiko könne bei einer neuen Brücke nicht in Kauf genommen werden. Auch die Breite der Brücke würde den aktuellen Sicherheitsstandards nicht mehr entsprechen.

Baustart ist frühestens 2030

Ganz so einfach könne man die Halle aber nicht abreissen. Denn das Projekt muss zuerst noch einige Hürden überwinden. Bally sagt: «Die Brücke wird nicht vor 2030 gebaut.» Vor dem Bau finde noch die Projektauflagen nach Artikel 13 und Artikel 16 des Strassengesetzes statt. Ebenso erfolge noch eine Volksabstimmung über den Kredit. Die Gesamtkosten wurden 2024 auf etwa 80 Millionen Franken geschätzt. Wenn er abgelehnt wird, kann die Brücke nicht gebaut werden. Dann schaut man, wie man weiter verfahren wird.

Bally sagt: «Mir ist nicht bekannt, dass Frau Brander gesagt hat, dass die Halle ‹sowieso abgerissen› werden müsse. Sie hat aber darauf hingewiesen, dass bereits für den Baustart der Brücke ein Rückbau der Halle unumgänglich ist.»

Auch den Vorwurf, dass Simone Brander nicht mit den Betreibern in Kontakt treten würde, weist die Stadt ab. Bally sagt: «Das Tiefbauamt hat die Betreiber der Badminton-Halle über eine mögliche künftige Entwicklung des Mietverhältnisses bewusst äusserst frühzeitig und proaktiv informiert.» Anschliessend habe ein persönliches Gespräch mit den Verantwortlichen des Tiefbauamts stattgefunden.

Zudem stehe die Badmintonhalle auf einem städtischen Grundstück. Es sei schon zu Beginn des Mietverhältnisses klar gewesen: Wenn die Stadt das Grundstück zur Erfüllung von öffentlichen Bedürfnissen braucht, muss die Halle weichen.

Stadtrat muss alternativen Standort suchen

Ein kleiner Lichtblick für die Badminton-Halle bleibt. Bally erklärt: «Trotz sorgfältiger Prüfung konnte keine Lösung gefunden werden, um beiden Anliegen gleichermassen gerecht zu werden. Das am 10. September 2025 überwiesene Postulat fordert den Stadtrat nun auf, dennoch zu prüfen, wie der Weiterbetrieb der Yonex Badminton Halle am bestehenden Standort möglich bleibt, oder – sollte dies nicht möglich sein – einen Alternativstandort idealerweise im Kreis 5 zu suchen.» Die Frist für die Beantwortung des Postulats läuft bis am 10. September 2027.

Für Hallenbetreiber Kurz ist klar: Im Moment ist das Ziel die Erhaltung der Halle an der Geroldstrasse 5. «Wenn in zwei Jahren tatsächlich auskommt, dass wir gehen müssen, aber ein alternatives Grundstück angeboten wird, sind wir nicht abgeneigt, darüber zu sprechen.»

Möglich seien Orte in der Umgebung des Geroldareals. «Weiter weg zu ziehen kommt aber für uns im Moment nicht in Frage.» Erst, wenn es ums Überleben ginge, würde man grössere Kompromisse mit der Stadt eingehen. Es bleibt also abzuwarten, wie sich der Stadtrat zum Postulat äussern wird, und wie das Volk über den Kredit für die Brücke abstimmt.


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