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Im Kanton Zürich sollen die Steuern bald auch direkt vom Lohn abgezogen werden können.
sda
Wer seine Steuern nicht rechtzeitig bezahlt, landet schnell in der Betreibung. Nach dem Ja zum automatischen Steuerabzug in Basel-Stadt soll das Modell nun auch nach Zürich kommen. Die Idee spaltet Politik und Bevölkerung.
Nach dem Ja in Basel-Stadt wollen Politikerinnen auch im Kanton Zürich einen automatischen Steuerabzug vom Lohn einführen. Die Befürworter sehen darin ein Mittel gegen Schulden – Kritiker warnen vor mehr Bürokratie. Zunächst hatte der «Tages-Anzeiger» über das Vorhaben berichtet.
blue News beantwortet die wichtigsten Fragen.
Basel-Stadt hat am Sonntag als erster Schweizer Kanton einem automatischen Steuerabzug vom Lohn zugestimmt. Künftig können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer freiwillig einen Teil ihres Bruttolohns direkt ans Steueramt überweisen lassen, bevor das Geld auf ihrem Konto landet.
Das Modell soll verhindern, dass Steuerpflichtige am Ende des Jahres von hohen Rechnungen überrascht werden. Statt die gesamte Steuerlast später begleichen zu müssen, wird sie laufend während des Jahres bezahlt.
Drei Zürcher Kantonsrätinnen von SP, AL und EVP haben bereits eine parlamentarische Initiative eingereicht. Sie argumentieren, dass Steuerschulden zu den häufigsten Schuldenarten überhaupt gehören.
Laut Bundesamt für Statistik leben rund neun Prozent der Menschen in der Schweiz in Haushalten mit Steuerrückständen. Hunderttausende wurden bereits wegen offener Steuerforderungen betrieben. Die Befürworter wollen solche Probleme verhindern, bevor sie überhaupt entstehen.
Geplant ist eine sogenannte Opt-out-Lösung. Arbeitgeber mit mindestens 50 Mitarbeitenden würden einen festgelegten Anteil des Lohnes direkt an das Steueramt überweisen.
Wer dies nicht möchte, könnte sich aktiv abmelden. Kleinere Unternehmen könnten freiwillig teilnehmen. Wie hoch der Abzug ausfallen würde, ist noch offen und müsste vom Kantonsrat festgelegt werden.
Doch. Für viele ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehört dieses System längst zum Alltag. Bei ihnen wird die Quellensteuer direkt vom Lohn abgezogen.
Die Befürworter argumentieren deshalb, dass die technische Infrastruktur bereits existiert. Auch in vielen europäischen Nachbarländern werden Einkommenssteuern direkt über die Lohnabrechnung erhoben.
Anhänger des Modells sprechen von einem wirksamen Instrument gegen Überschuldung. Wer die Steuern laufend bezahlt, gerät weniger schnell in finanzielle Schwierigkeiten.
Zudem könnten Steuerämter, Betreibungsämter und Schuldnerberatungen entlastet werden. Besonders Menschen mit knappen Budgets würden profitieren, weil sie nicht plötzlich mehrere tausend Franken für eine Steuerrechnung aufbringen müssten.
Kritiker bezeichnen das Modell als unnötigen Eingriff in die Eigenverantwortung. Wer seine Finanzen im Griff habe, könne bereits heute einen Dauerauftrag einrichten oder die Steuern monatlich zurücklegen.
Zudem warnen Wirtschaftsvertreter vor zusätzlichem administrativem Aufwand für Unternehmen. Arbeitgeber müssten neue Prozesse einführen und zusätzliche Aufgaben übernehmen.
Die Initiantinnen verfügen alleine nicht über genügend Stimmen. Entscheidend dürfte deshalb erneut die Haltung der GLP werden.
Bereits vor zehn Jahren gab es einen ähnlichen Vorstoss im Zürcher Kantonsrat. Damals wurde die Idee zunächst unterstützt, scheiterte später aber deutlich im Parlament. Ob die politischen Mehrheiten heute anders aussehen, bleibt offen.