«Mein Sohn ist vollkommen verzweifelt» Bewohnende mit Behinderung verlieren Zuhause – Angehörige fühlen sich übergangen

Lea Oetiker

17.2.2026

Die Stiftung Sonnhalde in Nunningen muss rund 20 Menschen mit Behinderungen umplatzieren.
Die Stiftung Sonnhalde in Nunningen muss rund 20 Menschen mit Behinderungen umplatzieren.
Bild: KEYSTONE

Rund 20 Menschen mit Behinderungen müssen ihr Zuhause in der Stiftung Sonnhalde Nunningen SO verlassen. Angehörige kritisieren die geplante Neuausrichtung scharf und warnen vor gravierenden Folgen.

Lea Oetiker

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  • Die Stiftung Sonnhalde in Nunningen SO muss rund 20 Menschen mit Behinderungen umplatzieren, weil der Standort Roderis neu ausgerichtet wird.
  • Angehörige kritisieren, sie seien über die Pläne nicht einbezogen worden und fürchten schwerwiegende Folgen für die Betroffenen.
  • Die Stiftung betont hingegen, der Einbezug erfolge noch und ein Umzug sei nicht zwingend problematisch, während Experten vor psychischen Belastungen warnen.

Die Stiftung Sonnhalde in Nunningen SO zwingt rund 20 Bewohner mit Behinderungen, ihr Zuhause zu verlassen, wie die «Basler Zeitung» berichtet. Im Zentrum der Kritik steht die Neuausrichtung des Standorts Roderis, die Angehörige vor vollendete Tatsachen stellt.

Mutter Erika Hintermann berichtet von ihrem 24-jährigen Sohn Lukas mit Down-Syndrom. Er sei deswegen «vollkommen verzweifelt», erzählt sie der Zeitung. «Er weint sehr viel. Dabei ist er sonst ein fröhlicher, aufgestellter junger Mann.» Ähnlich äussern sich Angehörige von Bewohnern mit Autismus-Spektrum-Störungen. Sibylle Reinberg sagt über ihren Bruder: «Seit bekannt ist, dass er den Ort verlassen soll, spricht er kaum noch. Er macht zu.»

Angehörige werfen der Stiftung vor, Familien nicht miteinzubeziehen. «Es gab keine Bedürfnisabklärung, weder mit den Betroffenen noch mit den Angehörigen. Das empfinde ich als unwürdig und unprofessionell», sagt Sibylle Reinberg zur «Basler Zeitung».

Beatrice Flury fürchtet für ihren Sohn: «Man würde ihm sein Zuhause wegnehmen.» Der Sohn von Ruedi Cueni lebt seit rund 30 Jahren in Roderis. Er warnt: «Wenn er überfordert ist, reisst er Dinge heraus – Dichtungen, Kabel, Wasserhähne, Türen. Ich habe der Stiftung gesagt: Wenn er plötzlich Stromkabel herausreisst, dann dürfen Sie sich nicht wundern.»

Die Stiftung hat Pläne

Die Sonnhalde will in Nunningen bis 2030 Kinder und Jugendliche unterbringen und eine Projektschule aufbauen. Betroffene sollen nach Gempen oder Dornach umziehen, standortspezifisch nach Betreuungsbedarf ausgerichtet.

Stiftungsratpräsidentin Barbara Schneider sagt zur Zeitung: «Ein Wohnortwechsel ist jedoch nicht per se ein Auslöser für Eskalationen, selbstverletzendes Verhalten oder Krisen.» Der Einbezug der Betroffenen erfolge «bewusst in der Umsetzungsphase».

Experten warnen vor den Folgen. Autismus Schweiz sagt: «Wenn altbekannte Strukturen wegfallen, ist das eine grosse Herausforderung für Menschen im Autismusspektrum.» Daniel Barmettler von Pro Infirmis sagt: Betroffene müssten «nicht primär als Objekt von Planungen, sondern als handelnde Subjekte mit eigenen Wünschen, Präferenzen und Rechten verstanden werden».