Skandal an Zürcher Herzklinik Strafverfolgungsbehörden geraten in die Kritik

Helene Laube

8.5.2026

Betretene Gesichter bei einer Pressekonferenz am 5. Mai 2026 zu den Ergebnissen einer Untersuchung zu den Verfehlungen in der Herzchirurgie des Unispitals: André Zemp (l.), Präsident Spitalrat Universitätsspital Zürich, und Monika Jänicke, CEO, Vorsitzende der Spitaldirektion des Spitals.
Betretene Gesichter bei einer Pressekonferenz am 5. Mai 2026 zu den Ergebnissen einer Untersuchung zu den Verfehlungen in der Herzchirurgie des Unispitals: André Zemp (l.), Präsident Spitalrat Universitätsspital Zürich, und Monika Jänicke, CEO, Vorsitzende der Spitaldirektion des Spitals.
Bild: Keystone/Michael Buholzer

Im Rahmen des Skandals an der Zürcher Klinik für Herzchirurgie, der rund 70 vermeidbare Todesfälle ans Licht gebracht hat, zeigt sich nun: Anläufe für ein Strafverfahren gegen deren damaligen Direktor  Francesco Maisano versandeten. 

Helene Laube

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein am Dienstag (5.5.) veröffentlichter Bericht hat schwere Missstände in der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich zwischen 2016 und 2020 bestätigt.
  • Es kam zu einer Übermortalität von bis zu 74 Todesfällen sowie mehreren unerwarteten Todesfällen und problematischen Eingriffen.
  • Laut einem neuen Medienbericht versandeten frühere Anläufe für ein Strafverfahren gegen die Herzklinik.
  • Das Verfahren sei gemeinsam mit einer Anzeige der Patientenstelle ad acta gelegt worden.
  • Die nun nachgewiesenen gravierenden Verfehlungen an der Herzklinik könnten für die Verantwortlichen aber tatsächlich auch strafrechtliche Konsequenzen haben.

Das Zürcher Obergericht hat nach Angaben der «Neuen Zürcher Zeitung» ein Strafverfahren gegen die Herzklinik des Universitätsspitals Zürich (USZ) gestoppt. Die Staatsanwaltschaft eröffnete im Sommer 2020 von sich aus ein Vorabklärungsverfahren «bezüglich möglicher strafbarer Handlungen von Francesco Maisano», wie die Zeitung schreibt.

Anlass sei ein von der Spitaldirektion in Auftrag gegebener Bericht gewesen, nachdem ein Whistleblower intern eine Meldung gemacht habe. Das Verfahren sei gemeinsam mit einer Anzeige der Patientenstelle ad acta gelegt worden, schreibt die «NZZ» weiter. Das Obergericht habe entschieden, der Staatsanwaltschaft keine Ermächtigung für die Einleitung eines Strafverfahrens zu erteilen. Die Zürcher Patientenstelle habe Maisano und seinem Team Verletzungen der Sorgfaltspflicht vorgeworfen.

Am Dienstag veröffentlichte eine Untersuchungskommission einen Bericht, wonach sie insgesamt 307 Todesfälle untersucht hat, die sich zwischen Oktober 2014 und Mai 2020 ereigneten. Sie kam zum erschütternden Schluss, dass während Maisanos Amtszeit 68 bis 74 Patient*innen nicht hätten sterben müssen, wenn sie nach den gängigen Standards behandelt worden wären.

Neuer Anlauf der Staatsanwaltschaft

Laut dem Bericht hatte die Patientenstelle im Juni 2020 Anzeige gegen Maisano – den damaligen Direktor der Klinik für Herzchirurgie – und sein Team eingereicht. Erika Ziltener war damals Leiterin der Patientenstelle und hat mehrere Patienten betreut, die an der Herzklinik «mutmasslich geschädigt wurden», schreibt die «NZZ». Die Vorkommnisse am Unispital beschreibt Ziltener als «etwas vom Erschütterndsten, was ich als Patientenschützerin erlebt habe».

Laut «NZZ» könnten die nun nachgewiesenen gravierenden Verfehlungen an der Herzklinik für die Verantwortlichen aber tatsächlich auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Am Dienstag sei bekannt geworden, dass in drei Fällen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erhoben worden war. Die Vorwürfe: Verdacht auf fahrlässige Tötung, fahrlässige (schwere) Körperverletzung sowie Urkundenfälschung.

Die Staatsanwaltschaft müsse nun prüfen, ob die Voraussetzungen für die Eröffnung eines Strafverfahrens gegeben sind.

Kritik der Zürcher Politik

In der Zürcher Politik gibt es laut dem Bericht seit längerem die Frage zu reden, ob die Strafverfolgungsbehörden «in dieser Sache untätig geblieben seien – und wie sich dies gegebenenfalls erklären lasse». Und: Politiker und kritische Beobachter würden schon länger die Frage stellen, wie es sein könne, dass die Staatsanwaltschaft nie die Eröffnung einer strafrechtlichen Untersuchung bekanntgegeben habe.