Erbstreit in BaselRussische Stripperin verprasst Millionen – und will jetzt auch noch das Haus der Tochter
Samuel Walder
18.2.2026
Eine Tochter kämpft um das Erbe ihres Vaters. Jetzt will Ehefrau nummer zwei sogar das Haus der Tochter.
KEYSTONE
Nach dem Tod eines 75-Jährigen eskaliert der Konflikt um sein Vermögen. Während die Witwe Ansprüche anmeldet, spricht die Tochter von Manipulation, Isolation und einer «Ehe als Farce».
Nach der Heirat einer fast 30 Jahre jüngeren Nachtclub-Bekanntschaft entfremdete sich Manfred L. zunehmend von seiner Tochter, isolierte sich von Familie und Freunden und übernahm radikale Ansichten seiner Frau.
Während die Tochter ihm wiederholt in gesundheitlichen und finanziellen Krisen half, soll das Vermögen von einst drei Millionen Franken durch Luxusausgaben und fragwürdige Investitionen weitgehend aufgebraucht worden sein.
Nach seinem Tod ohne Abschied eskaliert der Konflikt weiter: Die Witwe hat das Erbe angefochten und fordert nun eine Immobilie der Tochter.
Als Alice L.* die neue Frau ihres Vaters zum ersten Mal sah, war sie fassungslos. «Eine Russin aus dem Nachtclub! Beinahe halb so alt wie du! Bist du noch bei Trost?», schleuderte sie ihm entgegen. Er konterte: Sie gönne ihm sein Glück nicht.
Heute, 15 Jahre später, ist Manfred L.* tot. Drei Millionen Franken Vermögen sind verschwunden. Zurück bleiben eine zerbrochene Familie – und ein erbitterter Erbstreit. «Ich habe meinen Vater lange vor seinem Tod verloren», sagt die Tochter.
Ihren Namen möchte sie nicht veröffentlicht sehen. Doch sie will warnen, wie die «Basler Zeitung» und die Namen geändert hat.
Kennengelernt im Nachtclub
Manfred war knapp 60, Olga T.* keine 30 – und jünger als seine eigene Tochter, schreibt die «Basler Zeitung». Zunächst versuchte Alice, sich für ihren Vater zu freuen. Nach dem Tod ihrer chronisch kranken Mutter hatte er Mühe mit dem Alleinsein. Vielleicht, hoffte sie, würde eine neue Partnerin ihn stabilisieren.
Dann erfuhr sie, woher die Bekanntschaft stammte: aus einem Nachtclub. Dort habe Olga «nur ein bisschen» getanzt, sagte der Vater. Für Alice war allein die Vorstellung unerträglich. «Keine Tochter will sich das vorstellen.»
Luxus statt Liebe
Schnell wurde klar: Olga arbeitete nicht. Das sei ihr «nicht zuzumuten», fand Manfred. Sie schlief bis mittags, telefonierte stundenlang, ging shoppen. Nach seinem Tod fand Alice Schränke voller Markenkleider, identische Sandalen in zehn Farben, teure Uhren, exklusive Schmuck.
«Meine Mutter war die grosse Liebe meines Vaters – aber sie hatte das alles nie», sagt Alice. Sie hätte eine pragmatische Lösung akzeptiert: ein privilegiertes Leben für Olga im Austausch für Fürsorge. Doch selbst das geschah nicht.
Wenn der Vater wegen schlecht eingestelltem Insulin lallte, reagierte Olga kaum. Sie reiste wochenlang nach Russland und liess ihn krank zurück. Mehrfach musste er notfallmässig hospitalisiert werden, heisst es bei der «Basler Zeitung». Die Tochter organisierte Spitaleinweisungen, sprach mit Ärzten, koordinierte die Spitex – während Olga ihre Ferien nicht abbrechen wollte.
Am Ende schlief der 75-Jährige auf dem Sofa im Wohnzimmer. Das Kingsize-Bett im Schlafzimmer beanspruchte Olga – angeblich aus «praktischen Gründen» wegen seiner schwachen Blase.
Isolation «wie in einer Sekte»
Mit den Jahren radikalisierte sich Olga politisch. Sie unterstützte Wladimir Putins «Befreiung» der Ukraine, verachtete Europa – lautstark. Bald übernahm auch Manfred ihre Positionen. Er sprach vom Massaker von Butscha als Inszenierung ukrainischer Schauspieler.
Widersprach seine Tochter, beschimpfte er sie als dumm. Bei Telefonaten sass Olga oft daneben und hörte zu. Danach eskalierten die Gespräche.
Manfred brach den Kontakt zu Freunden, zu seinem Bruder – schliesslich auch zu seiner Tochter ab. Nach einem besonders schlimmen Streit erteilte er ihr Hausverbot. «Er war völlig isoliert, wie in einer Sekte», sagt Alice.
Millionen verpufft
Während Olga einen grossen, «windigen» Freundeskreis pflegte, investierte Manfred in fragwürdige Projekte. Er kaufte ein Lokal, damit Freunde seiner Frau ein Fitnessstudio eröffnen konnten. Für horrende Summen bestellte er Laufbänder und Geräte.
Ein Desaster. Wieder half die Tochter, fand einen Käufer, handelte einen guten Preis aus. Dank erhielt sie nicht. Als sie später selbst wegen eines Burn-outs in eine Klinik musste, besuchte er sie kein einziges Mal.
Mehr und mehr stellte er sie als geldgierig und verrückt hin. «Und sie ist meine Frau», sagte er jedes Mal, wenn Alice ihn an ihre Rolle erinnerte: «Ich bin deine Tochter!»
Kein Abschied – und jetzt der Erbstreit
Das letzte Gespräch war ein Streit. «Es ist wohl besser, wenn ich aus deinem Leben verschwinde», sagte Alice. «Bitte tu das nicht», flüsterte er – offenbar aus Angst, seine Frau könnte es hören.
Kurz darauf starb Manfred nach einer Woche im Spital. Seine Tochter wusste nichts von der Einlieferung, konnte sich nicht verabschieden. Olga informierte sie erst nach seinem Tod.
Heute ist das Vermögen von einst drei Millionen Franken aufgebraucht. Und die Geschichte geht weiter: «Die Witwe», wie Alice sie nennt, hat das Erbe angefochten. Sie fordert eine Immobilie, die der Tochter gehört. Begründung: Sie habe sich schliesslich jahrelang um Manfred gekümmert.
Für Alice bleibt die bittere Erkenntnis: «Tief im Innern muss er gewusst haben, dass seine Ehe eine Farce war.»