Bericht schlägt AlarmJetzt werden neue Regeln bei Fahrtests für Senioren gefordert
SDA
12.5.2026 - 07:00
In der Schweiz ist die Abklärung der Fahreignung bei über 75-jährigen Menschen oder Personen mit kognitiven Störungen uneinheitlich geregelt. Das ist ein Problem.
Bild:imago images / Westend61
Wenn ältere Menschen am Steuer sitzen, entscheidet oft der Wohnort über die Beurteilung ihrer Fahrtauglichkeit. Eine Studie kritisiert dies: Die Kontrollen bei Senior*innen seien lückenhaft und teils unfair.
Die Prüfung der Fahreignung von Schweizer Senior*innen weist laut einem neuen Bericht, der im Auftrag des Bundesamtes für Strassen (Astra) erstellt wurde, erhebliche Mängel auf. Die Autor*innen fordern klare, landesweite Regeln. Die Abklärung der Fahreignung bei über 75-jährigen Menschen oder Personen mit kognitiven Störungen sei uneinheitlich.
«Angesichts der alternden Schweizer Bevölkerung ist es entscheidend, sichere, faire und evidenzbasierte Entscheidungen zur Fahreignung zu treffen, um sowohl die Verkehrssicherheit als auch die persönliche Autonomie zu erhalten», heisst es in dem Bericht.
Die Forschungsarbeit wurde von der Hochschule für Sozialarbeit und Gesundheit Lausanne und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) geleitet.
Kantonaler Flickenteppich
Die heutige Praxis ist dem Bericht zufolge zersplittert und variiert je nach Kanton, Sprachregion und involvierter Berufsgruppe. Es fehlt an einer Standardisierung bei den verwendeten Testverfahren und den Abläufen.
Ausserdem seien Rollen der beteiligten Fachleute oft unklar definiert. Insbesondere für die Mediziner*innen entstehe eine Doppelbelastung, da sie gleichzeitig Betreuer*innen und Gutachter*innen seien. Zudem werden im Vergleich zum Ausland Berufsgruppen wie Neuropsycholog*innen, Fahrlehrer*innen oder Ergotherapeut*innen nicht in die Beurteilungen einbezogen. Derzeit sehen die gesetzlichen Grundlagen Abklärungen hauptsächlich durch Ärzt*innen und Verkehrspsycholog*innen vor.
Die Autor*innen des Berichts bemängeln auch die Aussagekraft der aktuellen Testmethoden. Autofahren sei eine anspruchsvolle Tätigkeit, die Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, exekutive Funktionen und visuo-motorische Koordination voraussetze. Kognitive Tests könnten zwar Hinweise auf Einschränkungen geben, erlaubten allein aber keine verlässliche Aussage darüber, wie sicher jemand im realen Strassenverkehr fährt.
Als zuverlässigste Methode gelten standardisierte Fahrabklärungen im realen Verkehr. Solche sogenannten Kompetenzfahrten sind laut Bericht besonders wichtig, wenn kognitive Beeinträchtigungen vermutet oder bereits bestätigt sind. Allerdings fehlen derzeit schweizweit genügend ausgebildete Fachpersonen und ein verbindlich geregeltes Verfahren.
Um die Situation zu verbessern, schlagen die Fachleute mehrere Massnahmen vor. Dazu gehört ein standardisierter und fachlich begleiteter Test. Weiterhin empfehlen sie ein vierstufiges Bewertungssystem. Dieses soll von einem sofortigen Entzug des Fahrausweises bis zur Bestätigung der uneingeschränkten Fahrkompetenz reichen.
Eine weitere Empfehlung ist eine obligatorische Ausbildung für Ärztinnen und Ärzte, die Fahreignungsprüfungen bei Personen über 75 Jahren durchführen. Diese Ausbildung solle auch weiteren Fachpersonen offenstehen.
Nationale Strategie gefordert
Die Forschenden regen an, die Vorschläge in eine nationale Strategie zu überführen. Ziel sei es, den Prozess schweizweit zu vereinheitlichen, die beteiligten Fachkräfte zu unterstützen und die Öffentlichkeit besser zu informieren. Ergänzend solle man die Unterstützungsangebote für jene Personen ausbauen, die ihren Fahrausweis abgeben mussten.
«Die Herausforderung bei der Beurteilung der Fahreignung besteht darin, die Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig die gesellschaftliche Teilhabe und Mobilität aller zu unterstützen», wird die Studienleiterin Isabel Margot-Cattin in einer Mitteilung zur Studie der ZHAW zitiert.
An der Studie waren neben den federführenden Hochschulen auch das Universitätsspital Waadt, die Berner Fachhochschule (BFH) sowie der Westschweizer Fahrlehrerverband beteiligt.
Präzisionsmanöver auf der Autobahn – So genial stoppt die Highway-Police ein führerloses SUV
Auf einer US-Autobahn fährt ein Kia – scheinbar kontrolliert. Doch der Fahrer ist über dem Lenkrad zusammengesackt. Was folgt, ist ein Einsatz der Polizei, den man ohne Übertreibung als Präzisionsmanöver bezeichnen kann.