«Was dort abgeht, ist kriminell»Jetzt packen Mitarbeiter der wankenden Traditions-Matratzenfirma aus
Dominik Müller
11.11.2025
Am Produktionsstandort in Flüh SO wird derzeit nichts produziert.
Google Street View
Sie standen jahrzehntelang für Schweizer Schlafkomfort – jetzt droht Superba und Swissflex das Aus. Nach der Insolvenz der Betreiberfirma kämpfen Mitarbeitende um ihre Existenz und die Zukunft ihrer Marken.
«Wir haben seit Juni keinen Lohn erhalten», erzählt ein langjähriger Mitarbeiter im Gespräch mit blue News. Mittlerweile seien 70 Prozent von drei Monatslöhnen durch die Sozialversicherung ausbezahlt worden. Die Situation sei aber schwierig: «Es gibt Leute bei uns, die knapp bei Kasse sind und deren Kontostand Ende Monat auf null ist.»
Rund 45 Mitarbeitende sind heute bei der Betreiberfirma angestellt, die meisten davon am Produktionsstandort Flüh SO. Die Verwaltung im luzernischen Büron ist inzwischen verwaist. An Arbeit würde es aber nicht mangeln: «Wir haben volle Auftragsbücher, können aber nicht produzieren, weil wir kein Rohmaterial haben», so der Mitarbeiter.
Undurchsichtige Geldflüsse
Eine ehemalige Kaderperson bestätigt das gegenüber blue News: Der Auftragsbestand habe allein für Aquinos Schweiz im Dezember 2024 über fünf Millionen Franken betragen, «aber nichts konnte produziert werden, weil die [portugiesische] Muttergesellschaft keine Mittel für die Beschaffung von Rohmaterial und Komponenten zur Verfügung stellte, um produzieren zu können».
Tausende von Endkunden und Hunderte von Handelspartnern seien vom Management in Portugal im Regen stehen gelassen worden, indem sie die bestellte Ware nie erhalten haben.
Die ehemalige Kaderperson berichtet zudem von Geldflüssen zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft – «ohne jegliche Transparenz für das lokale Management und ohne akkurate vertragliche Vereinbarung». Es sei nicht auszuschliessen, dass geltende Compliance-Richtlinien und möglicherweise gar geltende Schweizer Gesetze verletzt wurden.
Eine Mitarbeiterin der Aquinos Group konnte am Telefon gegenüber blue News nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Eine schriftliche Anfrage liess das portugiesische Unternehmen zunächst unbeantwortet.
Die Staatsanwaltschaft Luzern teilt auf Anfrage von blue News mit, dass eine Anzeige bei der Abteilung «Wirtschaftskriminalität» eingegangen sei. «Wir prüfen derzeit, ob wir eine Untersuchung eröffnen oder nicht», sagt Staatsanwaltschaftssprecher Simon Kopp. Bis zu einer allfälligen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
Hoffnung auf Rettung
Für die Belegschaft fühle sich die Situation «wahnsinnig» an – überrascht sei man hingegen nicht: «Wir haben es schleichend kommen sehen. Aquinos hat in anderen Ländern schon Firmen in den Ruin getrieben», so der Mitarbeiter. In der Kommunikation mit der Muttergesellschaft sei der Schweizer Ableger immer wieder mit unwahren Versprechen vertröstet worden. Der Mitarbeiter sagt: «Was dort abgeht, ist kriminell. Es ist traurig.»
Die Hoffnung an ein Weiterbestehen von Superba und Swissflex lebe derweil weiter. Zu viel Herzblut stecke in den Traditionsmarken, zu gut sei das Kunden-Feedback. Es gebe auch bereits einen Investor, der Interesse an einer Übernahme bekundet habe. Details durfte der Mitarbeiter gegenüber blue News zum aktuellen Zeitpunkt keine nennen.
«Wenn bis dann keine Lösung in Sicht ist, bin ich weg»
Er selbst gehe trotz der Ausnahmesituation täglich zur Arbeit, schildert der Mitarbeiter: «Die Produkte sind meine Babys, ich kann nicht zu Hause Däumchen drehen.» Am Telefon müsse er viele Kunden trösten. Rund fünf Arbeitskolleg*innen treffen sich derzeit täglich in Flüh und tauschen sich aus.
«Ich glaube daran, dass unsere Marken gerettet werden.» Seine persönliche Deadline hat er auf Februar 2026 festgesetzt. «Dann werde ich 50 Jahre alt, wenn bis dann keine Lösung in Sicht ist, bin ich weg.»
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